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Otto Hahn

Nobelpreis für Chemie 1944

Wahljahr: 1926
Sektion: Chemie
Stadt: Göttingen
Land: Deutschland
CV Otto Hahn - Deutsch (PDF)

Forschung

Otto Hahn war ein deutscher Chemiker. Für die Entdeckung der Kernspaltung von schweren Atomen wurde er 1944 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.

Werdegang

Im Jahr 1897 begann Otto Hahn ein Studium der Chemie an der Universität Marburg. Später wechselte er an die Universität München. 1901 wurde er in Marburg mit einer Arbeit in organischer Chemie promoviert. Im Anschluss absolvierte er für ein Jahr Dienst beim Militär in Frankfurt am Main, danach ging er wieder nach Marburg, wo er als Assistent seines Doktorvaters Theodor Zincke tätig wurde.

1904 ging Hahn nach London. Dort war er am University College bei Sir William Ramsay, dem Entdecker der Edelgase, tätig und beschäftigte sich erstmals mit Radiochemie. In London entdeckte Hahn mit dem Radiothorium auch ein erstes radioaktives Element. Nach heutiger Terminologie handelt es sich dabei allerdings nicht um ein Element sondern eigentlich um ein Isotop, jedoch wurde dieser Begriff erst zehn Jahre später offiziell eingeführt. 1905 wechselte Hahn an die McGill University in Montreal (Kanada), wo er bei Ernest Rutherford arbeitete. Im Sommer 1906 kehrte er nach Deutschland zurück und war am Chemischen Institut der Universität Berlin tätig. Dort entdeckte Hahn das Mesothorium I. Dafür wurde er 1914 erstmals für den Chemie-Nobelpreis vorgeschlagen.

1907 habilitierte Hahn sich an der Universität Berlin. Im gleichen Jahr lernte er im Physikalischen Institut die Physikerin Lise Meitner kennen, mit der er viele Jahre zusammenarbeitete. Im Oktober 1910 wurde Otto Hahn der Professoren-Titel verliehen, ein Lehrauftrag für Radioaktivität an der Universität Berlin folgte jedoch erst im Jahr 1919. 1912 übernahm er die Leitung der radiochemischen Abteilung im neu geschaffenen Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin-Dahlem.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Otto Hahn zum Militärdienst einberufen. Während dieser Zeit arbeitete er auch für eine von Fritz Haber geleitete Spezialeinheit für chemische Kriegsführung.
1928 wurde Hahn Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie in Berlin, das er zuvor bereits zwei Jahre kommissarisch geleitet hatte. 1933 ging er als Gastprofessor an die Cornell University in Ithaca, New York.

Während der Zeit des Dritten Reichs trat Hahn stets konsequent gegen die NS-Diktatur auf, widersetzte sich mehrfach der Aufforderung zum Eintreten in die NSDAP und bewahrte – gemeinsam mit seiner Frau Edith – durch seine Fürsprache viele Privatpersonen und auch Institutsangehörige vor Fronteinsatz oder Deportation. Bereits Anfang 1934 war er aus Protest gegen die Entlassung jüdischer Kollegen aus dem Lehrkörper der Universität Berlin ausgetreten.
Am Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut entdeckte Hahn 1938 gemeinsam mit Fritz Straßmann die Kernspaltung von schweren Atomen. Ein Phänomen, an dem auch Lise Meitner bis zu ihrer Emigration und sogar darüber hinaus mitgearbeitet hatte. Als das Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie im Februar 1944 von einer Bombe getroffen wurde, lagerte Hahn die intakten Teile ins Württembergische Tailfingen aus, wo es bis zum Kriegsende untergebracht war.

Hahn und Straßmann arbeiteten später vor allem an der Identifizierung von Spaltprodukten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er gemeinsam mit anderen deutschen Atomforschern in England interniert, obwohl er nicht an der Entwicklung eines Kernreaktors beteiligt gewesen war. Der Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki traf ihn schwer. Er fühlte sich mitverantwortlich, weil die Kernspaltung als seine Entdeckung Bau und Abwurf der Bombe ermöglicht hatte.

1946 wurde Hahn gemeinsam mit den anderen in England internierten Atomforschern in die britische Zone nach Göttingen entlassen. Noch im gleichen Jahr wurde er Präsident der Max-Planck-Gesellschaft als Nachfolgeorganisation der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Ihre Leitung hatte Hahn bis 1960 inne. In diesem Amt setzte er sich vor allem für den Wiederaufbau der deutschen Wissenschaft ein. Zudem engagierte er sich stets gegen den Einsatz der Kernenergie für militärische Zwecke.

Nobelpreis

Bereits 1932 hatte der spätere Physik-Nobelpreisträger Sir James Chadwick das Neutron als Bestandteil des Atomkerns entdeckt. Der Italiener Enrico Fermi (Nobelpreis für Physik 1938) versuchte ab 1934 durch den Beschuss mit Neutronen so genannte Transurane herzustellen. Dabei handelt es sich um künstliche Elemente, die eine höhere Ordnungszahl als Uran haben, das das schwerste in der Natur vorkommende Element ist. Zu dieser Zeit schlug Lise Meitner ihrem Kollegen Otto Hahn vor, ebenfalls auf diesem Gebiet zu arbeiten. 1935 stieß der analytische Chemiker Fritz Straßmann zu den beiden.

In gemeinsamer Arbeit wurden die bei der Bestrahlung von Uran mit Neuronen entstehenden neuen Radioisotope charakterisiert. Stets waren die Forscher dabei der Annahme, dass es sich um Transurane handelte. Sie glaubten, das periodische System bis zum Element mit der Ordnungszahl 96 erweitert zu haben.

Nachdem Lise Meitner als Jüdin im Jahr 1938 Deutschland verlassen musste, arbeiteten Hahn und Straßmann allein weiter, blieben mit Meitner, die nach Schweden emigriert war, jedoch eng in brieflichem Kontakt. Im Dezember 1938 kamen Hahn und Straßmann zu der Erkenntnis, dass sich ihre Radiumisotope von allen anderen bekannten Elementen trennen ließen, außer von Barium. Dieser Befund widersprach allen bis dato bekannten Theorien. Die überraschende Erkenntnis, dass der Urankern in zwei etwa gleich große Teile zerfallen könnte, teilten Hahn und Straßmann noch vor ihrer Veröffentlichung per Brief an Lise Meitner mit. Sie fand gemeinsam mit ihrem Neffen Otto Robert Frisch eine physikalische Erklärung für die von ihnen so genannte Kernspaltung. Weitere Berechnungen ergaben zudem, dass bei der Kernspaltung große Mengen an Energie freigesetzt werden und auch, dass die Möglichkeit einer Kettenreaktion besteht.

Für die Entdeckung der Kernspaltung von schweren Atomen wurde Otto Hahn 1944 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Die Tatsache, dass Lise Meitner bei der Vergabe leer ausging, wurde in der Folgezeit immer wieder kontrovers diskutiert.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften

Otto Hahn erhielt zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter die Emil-Fischer-Medaille (1919), Cannizzaro-Preis (1939), Kopernikus-Preis (1941), Cothenius-Medaille der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1943), Max-Planck-Medaille (1949), Paracelsus-Medaille und Henri-Becquerel-Medaille, Pour Le Mérite (alle 1952), Faraday Lectureship Prize (1956), Wilhelm-Exner-Medaille, Hugo-Grotius-Medaille (beide 1958), Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, das Kreuz der Französischen Ehrenlegion (1959), Ernst-Reuter-Medaille des Berliner Senats, Adolf-von-Harnack-Medaille in Gold der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin sowie den Enrico-Fermi-Preis (1966).

Otto Hahn war Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Vereinigungen und Akademien, darunter der Preußischen Akademie der Wissenschaften (1924) und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1926). Er war außerdem Foreign Fellow der Royal Society in London sowie Honorary Fellow der Indian Academy of Sciences.

Zur Person

Otto Hahn wurde am 8. März 1879 als jüngstes Kind des Glasermeisters und Unternehmers Heinrich Hahn und seiner Frau Charlotte, geb. Giese, in Frankfurt am Main geboren. Er hatte drei Brüder. Bereits im Alter von 15 Jahren begann er, sich für Chemie zu interessieren. Gemeinsam mit einem Freund führte er in der Waschküche seiner Mutter einfache Experimente durch. Otto Hahn besuchte die Klinger-Oberrealschule in Frankfurt, wo er auch das Abitur ablegte.

1913 heiratete Otto Hahn in Stettin Edith Junghans. Das Paar bekam 1922 den Sohn Hanno, der bis zu seinem frühen Unfalltod als Kunsthistoriker tätig war. Otto Hahn starb am 28. Juli 1968 in Göttingen.

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