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Alexander von Humboldt

Wahljahr: 1793
Stadt: Berlin
CV Alexander von Humboldt - Deutsch (PDF)

Forschung

Alexander von Humboldt war ein deutscher Naturforscher, Geograf und Entdecker. Sein Einfluss auf Philosophie und Wissenschaft war enorm. Er gilt als einer der letzten großen Universalgelehrten und beschäftigte sich mit Botanik, Zoologie, Bergbau und vielem mehr. Sein Eintreten für langzeitliche geophysikalische Messungen bereitete die Grundlage für die moderne Meteorologie.

Er stand mit zahlreichen Wissenschaftlern auf der ganzen Welt in regem brieflichen Kontakt und konnte sich so enorme zusätzliche Wissensquellen erschließen. Heute gilt er als ein Vordenker von Vernetzung und globalisierter Wissenschaft.

Humboldt unternahm ausgedehnte Forschungsreisen, unter anderem nach Amerika. Der lateinamerikanische Freiheitskämpfer Simon Bolivar bezeichnete ihn wohl auch deshalb als den „eigentlichen Entdecker Amerikas“.

Nach Humboldt sind zahlreiche Tiere (Humboldt-Pinguin), Pflanzen (Humboldt-Lilie), Pilze (Wulstling Amanita humboldtii Singer), aber auch geografische Begriffe wie zum Beispiel Gebirge (Humboldt-Gebirge in der Antarktis), Berge (Mount Humboldt in Neuseeland) sowie Ortschaften (mehrmals in den USA) benannt.

Werdegang

Alexander von Humboldt begann 1787 ein Studium der Kameralwissenschaft an der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder). Nebenbei hörte er dort Altertumswissenschaften, Medizin, Physik und Mathematik. Aufgrund offenkundiger Unterforderung verließ er gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm die Viadrina bereits nach einem Semester und widmete sich in Berlin zunächst wieder seinen botanischen Interessen. Im April 1779 begann er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen, die zu jener Zeit ein Zentrum der Aufklärung war.

1791 wechselte er nach Freiberg in Sachsen, wo er Naturwissenschaften und Bergbau studierte. Im Anschluss war er von 1792 bis 1796 als Berg-Assessor im preußischen Staatsdienst tätig. 1793 gründete von Humboldt in Bad Steben, einem kleinen Ort im Frankenwald, die Freie Königliche Bergschule, die fortan als erste Ausbildungsschule für Arbeiter in Deutschland fungierte.

Nach dem Tod von Humboldts Mutter im Jahr 1796 erbte er einen Teil des Vermögens. Damit ausgestattet, beschloss er, sich wieder seinen Forschungsreisen zu widmen. Er beendete zunächst den Staatsdienst. Die von Napoleon ausgelösten Kriege zwangen Humboldt jedoch immer wieder, seine Pläne zu ändern.

1798 reiste er nach Spanien und erhielt nach einer Audienz beim spanischen König Karl IV. einen Pass für die spanischen Kolonien. Damit brach er 1799 gemeinsam mit dem französischen Naturforscher Aimé Bonpland zu einer fünfjährigen Reise nach Amerika auf. Dort unternahm er Tier- und Pflanzenstudien. Außerdem führte er Messungen zum Erdmagnetismus durch und bestieg den 5850 Meter hohen Gipfel des in Ecuador gelegenen Chimborazo.

Seine Rückkehr im Jahr 1804 wurde in der Öffentlichkeit gefeiert. Humboldt lebte im Anschluss zumeist in Paris, wo er seine Expeditionen auswertete. Ein Jahr später begann er mit der Arbeit an einem insgesamt 36 Bände umfassenden Werk über diese Reise unter dem Titel „Voyage aux régions équinoxiales du Nouveau Continent”.

1807 zog Humboldt von Berlin nach Paris und begann mit der Arbeit an einer Geografie der Pflanzen, deren erste deutsche Ausgabe er Goethe widmete. 1808 veröffentlichte er seine „Ansichten der Natur“. 1827 kehrte er nach Berlin zurück und wurde dort Berater des preußischen Königs. Außerdem hielt er naturwissenschaftliche „Kosmos-Vorlesungen“ an der dortigen Universität. Die Einrichtung hatte 1810 unter Beteiligung seines Bruders Wilhelm ihren Lehrbetrieb aufgenommen. Humboldts Vorlesungen wurden schnell zu einer Attraktion.

1829 folgte eine weitere große Reise, die Humboldt im Auftrag des russischen Zaren über das Baltikum nach Moskau und schließlich in den Ural, nach Sibirien und bis zur chinesischen Grenze führte. Die Ergebnisse dieser Reise mündeten in das 1843/44 erschienene Buch „Asie Centrale“.

1837 lernte Humboldt in London den britischen Evolutionsforscher Charles Darwin kennen, der ihn später als „den größten Wissenschaftsreisenden, der jemals gelebt hat“ bezeichnete. 1842 wurde er zum Kanzler des neu gestifteten Ordens „Pour le mérite“ ernannt. 1845 erschien der erste Band seines Werks „Kosmos - Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“. Es folgten noch vier weitere Bände, der letzte erst drei Jahre nach Humboldts Tod.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten erhielt Alexander von Humboldt zahlreiche Auszeichnungen, darunter der Schwarze Adlerorden, das Großkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone, Großkreuz des Brasilianischen Rosen-Ordens, Großkreuz vom Dänischen Dannebrog-Orden, Großkreuz der französischen Ehrenlegion, Großkreuz des Mexikanischen Ordens von Guadeloupe, Großkreuz des Portugiesischen Christusordens, Russischer Alexander-Newski-Orden und Orden des Heiligen Wladimir, Großkreuz des Sächsischen Ordens für Zivilverdienste, Großkreuz des Weimarschen Hausordens vom Weißen Falken, Großkreuz des Sardinischen Ritterordens der heiligen Mauritius und Lazarus, Großkreuz des Spanischen Ordens Karls III. sowie die Copley Medal der Royal Society in London. Im Jahr 1856 wurde Humboldt außerdem Ehrenbürger von Berlin.

Er war Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Akademien, darunter der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, der Preußischen Akademie der Wissenschaften, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der American Academy of Arts and Sciences sowie der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt.

Zur Person

Alexander von Humboldt wurde am 14. September 1769 als zweiter Sohn des aus Pommern stammenden preußischen Offiziers Alexander Georg von Humboldt und seiner Frau Marie Elizabeth von Holwede, geborene Colomb, in Berlin geboren. Sein Bruder Wilhelm wurde bereits 1767 in Potsdam geboren. Die Kinder wuchsen auf Schloss Tegel auf und wurden von Hauslehrern unterrichtet, darunter der Schriftsteller, Verleger und Pädagoge Joachim Heinrich Campe. Alexanders und Wilhelms Vater starb 1779, so dass die Mutter, nun bereits zum zweiten Mal verwitwet, die Söhne allein großzog.

Alexander blieb als Kind in seinen schulischen Leistungen deutlich hinter denen seines Bruders zurück und galt als lernunwillig. Jedoch liebte er die Gesellschaft von Menschen, die ihn interessierten. Einer von ihnen war der Botaniker Carl Ludwig Wildenow, der über eine Sammlung tropischer Pflanzen verfügte. Er weckte in Humboldt das Interesse für die Botanik.

Humboldt war nie verheiratet und blieb kinderlos. Er unterhielt Kontakte zu zahlreichen namhaften Persönlichkeiten jener Zeit, darunter zu dem Mathematiker Carl Friedrich Gauß, den Sprachwissenschaftlern Jacob und Wilhelm Grimm, dem Philosophen August Wilhelm Schlegel sowie zu den Dichtern Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller.

Alexander von Humboldt starb am 6. Mai 1859 in Berlin. Er wurde im Familiengrab in Tegel beigesetzt.

Sein Name ist noch heute populär auf der ganzen Welt. Denkmäler erinnern an ihn unter anderem in seiner Heimatstadt Berlin, aber auch im Central Park in New York sowie im Humboldt-Park in Chicago. Außerdem trägt die Berliner Humboldt-Universität seit 1949 seinen Namen. Vor dem Hauptgebäude erinnert ein Denkmal an den Namensgeber.

In Deutschland fördert die Alexander-von-Humboldt-Stiftung mit Hauptsitz in Bonn Wissenschaftskooperationen zwischen exzellenten ausländischen und deutschen Forscherinnen und Forschern. Sie vergibt den Alexander-von-Humboldt-Forschungspreis an verdiente ausländische Wissenschaftler. Seit 2008 verleiht die Stiftung außerdem die Alexander-von-Humboldt-Professur. Sie ist der höchstdotierte Forschungspreis in Deutschland.

In Berlin wurde 2013 der Grundstein für das Humboldt-Forum gelegt. Im Rahmen dieses dem Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses gewidmeten Projekts sollen ab 2019 dauerhaft Ausstellungen außereuropäischer Kulturen gezeigt werden.

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