Leopoldina Menü

Leopoldina Home

Mitglieder

Mitgliederverzeichnis | Expertensuche

Konrad Lorenz

Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1973

Wahljahr: 1957
Sektion: Zoologie
Stadt: Wien
Land: Österreich
CV Konrad Lorenz - Deutsch (PDF)

Forschung

Konrad Lorenz war ein österreichischer Zoologe. Er gilt als Mitbegründer der Verhaltensforschung. Lorenz erforschte das Phänomen der Prägung und erkannte, dass bestimmte Verhaltensweisen durch Schlüsselreize ausgelöst werden. Für seine Entdeckungen zur Organisation und Auslösung von individuellen und sozialen Verhaltensmustern wurde er 1973 gemeinsam mit dem britisch-niederländischen Forscher Nikolaas Tinbergen und seinem österreichischen Landsmann Karl von Frisch mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.

Werdegang

Konrad Lorenz begann 1922 ein Studium der Medizin an der Columbia University in New York. Ein Jahr später ging er zurück nach Wien und setzte dort sein Studium fort. 1928 wurde er in Wien promoviert und nahm eine Tätigkeit als Assistent am II. Anatomischen Institut der Universität Wien an. Danach schloss er ein Studium der Zoologie – ebenfalls in Wien – an. 1933 wurde er erneut promoviert, drei Jahre später folgte die Habilitation. 1937 veröffentlichte er eine Arbeit unter dem Titel Über den Begriff der Instinkthandlung, die in der vergleichenden Verhaltensforschung zu einer Grundlage wurde. Zudem erhielt er eine Lehrbefugnis an der Universität Wien.
Zwei Wochen nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich beantragte Konrad Lorenz am 28. Juni 1938 die Mitgliedschaft in der NSDAP. In seinem Aufnahmegesuch bestätigte er, dass seine wissenschaftliche Tätigkeit im Dienst Nationalsozialistischen Denkens stehe. Bereits kurz nach seinem Parteieintritt wurde er Mitarbeiter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP. Ab 1938 arbeitete er über Störungen des Instinktverhaltens durch Domestikation an Wildgänsen sowie an Kreuzungen von Wildgans und Hausgans. Später übertrug er diese Erkenntnisse zunehmend auf den Menschen.
Am 31. August 1940 folgte er einem Ruf nach Königsberg und wurde dort ordentlicher Professor und Leiter des Instituts für vergleichende Psychologie. Zu dieser Zeit fiel Lorenz wiederholt durch seine ideologische Nähe zum Gedankengut des NS-Regimes auf, etwa in Artikeln und Aufsätzen.
Im Oktober 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Während dieser Zeit war er ab 1942 als Heerespsychiater und Neurologe in einem Lazarett in Posen (Poznan) an erbbiologischen Untersuchungen beteiligt. 1944 wurde Lorenz von Polen in die Sowjetunion versetzt. Dort geriet er in Kriegsgefangenschaft. 1948 wurde er entlassen und kehrte nach Österreich zurück, wo er ein Institut für vergleichende Verhaltensforschung gründete, das zur Österreichischen Akademie der Wissenschaften gehörte. 1949 publizierte er ein Buch mit dem Titel Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen.
1950 richtete die Max-Planck-Gesellschaft eigens für Lorenz im westfälischen Ort Buldern bei Münster eine Forschungsstelle für vergleichende Verhaltensforschung ein, die als Außenstelle des Max-Planck-Instituts für Meeresbiologie in Wilhelmshaven geführt wurde. 1953 wurde Lorenz Honorarprofessor an der Universität Münster, 1957 dann in München. Bereits 1955 begann die Max-Planck-Gesellschaft in Oberbayern mit dem Bau eines Instituts für Verhaltensphysiologie. Dort, im Ort Seewiesen am Starnberger See, wurde Lorenz zunächst stellvertretender Direktor, von 1961 bis 1973 war er Direktor der Einrichtung.

Nobelpreis

Konrad Lorenz erforschte das Sozialverhalten von Tieren. Als Versuchstiere nutzte er vor allem Gänse und Dohlen. Er untersuchte zudem das Phänomen der Prägung. Weltberühmt wurden seine Prägungsexperimente mit Graugänsen. Dabei gelang ihm die Abgrenzung gegenüber dem Begriff des Instinkts. So konnte Lorenz die eigenständige Untersuchung angeborenen Verhaltens begründen. Zugleich legte er damit eine der Grundlagen für die moderne Verhaltensforschung. Für seine Arbeiten wurde Konrad Lorenz im Jahr 1973 gemeinsam mit dem britisch-niederländischen Zoologen Nikolaas Tinbergen sowie seinem Landsmann Karl von Frisch mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Mit dieser Ehrung wurde die Untersuchung tierischen Verhaltens in den Status einer ernstzunehmenden biologischen Forschung erhoben.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften

Lorenz erhielt zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst (1964), Kalinga-Preis für die Popularisierung der Wissenschaft (1969), Goldene Medaille der Humboldt-Gesellschaft (1972), Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband sowie den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst (beide 1984).
Darüber hinaus war Lorenz Mitglied in wissenschaftlichen Vereinigungen und Akademien, darunter der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1957) sowie der American Academy of Arts and Sciences.
Mehrere Universitäten verliehen ihm die Ehrendoktorwürde, darunter im Jahr 1983 die Universität Salzburg. 2015 erkannte sie Lorenz diese Ehrung wieder ab. Zur Begründung hieß es, dass sich in seinen Arbeiten Elemente der NS-Rassenideologie fänden.

Zur Person

Konrad Lorenz wurde am 7. November 1903 in Altenberg bei Wien als zweiter Sohn des Medizin-Professors Adolf Lorenz und seiner Frau Emma geboren. Sein älterer Bruder Albert war zu diesem Zeitpunkt bereits 18 Jahre alt. Lorenz’ Vater war ein bekannter Orthopäde, der auch in New York praktizierte und vom damaligen US-Präsidenten Theodor Roosevelt im Weißen Haus empfangen wurde.
Konrad Lorenz besuchte ab 1909 die Volksschule, ab 1915 das Schottengymnasium in Wien, wo er 1921 Abitur machte. Schon frühzeitig interessierte er sich für die Tierwelt. Stark beeinflusst hat ihn dabei Selma Lagerlöfs Buch Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen, das ihm sein Kindermädchen vorlas. Fortan wünschte sich Lorenz auch Wildgänse. Da das nicht möglich war, bekam er Entenküken. Als er bemerkte, dass sie ihm nachliefen, war sein Interesse geweckt.
1927 heiratete er die angehende Medizinerin Margarethe Gebhardt. Konrad Lorenz starb am 27. Februar 1989.
Zwischen 1981 und 2005 vergab das Umweltministerium der Republik Österreich alljährlich den Konrad-Lorenz-Preis.

KONTAKT

Leopoldina

Archiv


Emil-Abderhalden-Str. 35
06108 Halle (Saale)

Tel. 0345 - 47 239 - 122
Fax 0345 - 47 239 - 139
E-Mail archiv @leopoldina.org

Expertensuche

Academia Net

Profile exzellenter Wissenschaftlerinnen bei AcademiaNet – eine Initiative der Robert Bosch Stiftung.