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Hermann Staudinger

Nobelpreis für Chemie 1953

Wahljahr: 1932
Sektion: Chemie
Stadt: Freiburg (Br.)
Land: Deutschland
CV Hermann Staudinger - PDF (Deutsch)

Forschung

Hermann Staudinger war ein deutscher Chemiker. Er beschäftigte sich mit der Erforschung makromolekularer Stoffe sowie dem Aufbau von Kunststoffen. Er prägte den Begriff Makromolekül. Er wies nach, dass sich kleine Moleküle, so genannte Monomere, zu größeren Molekülen, den so genannten Polymeren, verbinden können. Durch diese Erkenntnis bereitete er die Grundlagen der Kunststoffchemie. Nach ihm ist die Staudinger-Reaktion benannt. Er entwickelte ein Verfahren, bei dem aus der Viskosität einer Lösung das Molekulargewicht von Makromolekülen bestimmt werden kann. Es wird auch Staudinger-Kuhn-Gleichung oder Staudinger-Index genannt. Für seine Entdeckungen auf dem Gebiet der makromolekularen Chemie wurde er 1953 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.

Werdegang

Hermann Staudinger studierte zwischen 1899 und 1903 Chemie zunächst an der Universität Halle, später in Darmstadt und München. Er wurde 1903 in Halle mit einer Arbeit über die „Anlagerung des Malonesters an ungesättigte Verbindungen“ promoviert. Im Anschluss war er als Assistent an der Universität Straßburg tätig. Dort entdeckte und isolierte er erstmals einen Stoff aus der Gruppe der Ketene. Sie wurden im Jahr 1907 auch zum Thema seiner Habilitation.
Im Anschluss erhielt er eine Professur am Institut für Organische Chemie der Technischen Hochschule Karlsruhe. 1912 ging Staudinger an die ETH Zürich. Dort war er ebenfalls Professor und forschte unter anderem an organischen Verbindungen. Er stellte künstlichen Pfeffer her und analysierte Kaffeearoma. Außerdem begann er, sich mit Zellulose und Kautschuk zu beschäftigen. Da in den 1920er Jahren Kunststoffe bereits industriell hergestellt wurden, fing Staudinger an, sie systematisch zu erforschen. 1922 veröffentlichte er einen Artikel über die Struktur großer Moleküle und verwendete dabei erstmals den Begriff Makromolekül. Zudem erklärte er den Begriff der Polymerisation, bei dem sich kleine Moleküle, so genannte Monomere, zu größeren Molekülen, den so genannten Polymeren, verbinden.
Während des Ersten Weltkriegs zählte Staudinger – im Gegensatz zu Kollegen wie etwa dem Chemiker Fritz Haber – zu den Gegnern eines Einsatzes von Giftgas. Zudem verweigerte er sich auch dem Manifest der 93, einem unter anderem von Wissenschaftlern unterzeichneten, an die im Ersten Weltkrieg noch neutralen Staaten gerichteten Aufruf, in dem die Vorwürfe der Kriegsgegner gegen Deutschland bestritten werden.
1926 wechselte Staudinger an die Universität Freiburg, wo er eine Professur am Institut für Organische Chemie erhielt. Dort arbeitete er vor allem auf dem Gebiet der makromolekularen Chemie. Während des Dritten Reichs wurde seine Arbeit behindert, so denunzierte ihn der damalige Rektor der Uni Freiburg, Martin Heidegger. Staudinger intensivierte seine Arbeiten und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Seine Frau sagte über diese Zeit später in einem Interview: „Ja, das hat ihm große Schwierigkeiten bereitet – bis er sich ins Institut einschloss und nicht mehr rechts und nicht mehr links guckte, nirgends mehr auftrat und nur noch bei seiner Arbeit war. Er machte ja noch dazu etwas, was nicht anerkannt war, aber da sagten sie: Der verrückte Professor mit seinem Zeug! Ich glaube, das hat uns gerettet…“
1951 wurde Staudinger emeritiert. Dennoch führte er das Freiburger Institut für Makromolekulare Chemie bis 1956 weiter.

Nobelpreis

Nach Staudingers Meinung waren kleine Moleküle, so genannte Monomere, in der Lage, sich zu Polymeren zu verbinden, die aus langen Molekülketten bestehen. Letztere wiederum verleihen den Polymeren ihre Elastizität und Zugfestigkeit. Staudingers Erkenntnisse wurden unter Fachkollegen anfangs bezweifelt, später jedoch durch Arbeiten von Kurt Meyer und Herrmann Mark, zwei Chemikern der IG Farben in Ludwigshafen, bestätigt, als sie die Existenz der langen Molekülketten mit Röntgenstrahlen nachweisen konnten.
1921 gelang es Staudinger, einen hochmolekularen Kautschuk darzustellen, der sich aus Millionen von Atomen zusammensetzte. 1922 bezeichnete er die hochmolekularen Moleküle auf einer Fachtagung erstmals als Makromoleküle. Ein Begriff, den die Fachwelt zu dieser Zeit jedoch weitestgehend ablehnte. Auch, weil man sich nicht vorstellen konnte, dass so große Moleküle existieren, die aus Tausenden von Atomen aufgebaut sind. Als Staudinger 1926 von Zürich nach Freiburg wechselte, führte er seine Forschungen auf diesem Gebiet fort. So entdeckte er den Zusammenhang zwischen Viskosität und Molekulargewicht in makromolekularen Stoffen (Staudinger-Kuhn-Index). 1929 bezeichnete Staudinger das Polymer Metastyrol erstmals als Polystyrol.
Aufgrund seiner Forschungen konnten synthetische Textilfasern entwickelt werden. So wurde in den Vereinigten Staaten 1935 erstmals Nylon hergestellt, das fortan u.a. für die Herstellung von Feinstrumpfhosen nicht mehr wegzudenken war.
Staudingers große wissenschaftliche Leistung bestand in der Aufklärung der Reaktionsmechanismen bei der Entstehung von makromolekularen Stoffen. Für seine Entdeckungen auf dem Gebiet der makromolekularen Chemie wurde er 1953 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten erhielt Staudinger zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter die Emil-Fischer-Medaille (1930), Cannizzaro-Preis der Accademia dei Lincei (1933) und das Große Bundesverdienstkreuz (1952).
Er war Mitglied vieler Akademien und wissenschaftlicher Einrichtungen, darunter der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (1929), Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (1932), Institut de France sowie der Gesellschaft für Makromolekulare Chemie in Tokio.
Mehrere Universitäten und Hochschulen verliehen ihm die Ehrendoktorwürde, darunter die Technische Hochschule Karlsruhe, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Universität Salamanca, Universität Turin, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich sowie die Universität Straßburg.

Zur Person

Hermann Staudinger wurde am 23. März 1881 als Sohn des Gymnasialprofessors Franz Staudinger und seiner Frau Auguste, geborene Wenck, geboren. Er hatte zwei Brüder und eine Schwester. Sein Vater war Anhänger der Genossenschaftsbewegung. Auf seinen Wunsch hin begann Hermann nach dem Abitur, das er 1899 am altsprachlichen Rudi-Stephan-Gymnasium in Worms ablegte, zunächst eine Tischlerlehre. 1928 heiratete Staudinger die aus Estland stammende Biologin Magda Woit.
1954 wurde er Ehrenbürger der Stadt Freiburg. Seit 1962 trägt ein damals neu errichtetes Institutsgebäude an der Universität Freiburg den Namen Hermann-Staudinger-Haus. Der 1970 von der BASF gestiftete und von der Gesellschaft Deutscher Chemiker verliehene Hermann-Staudinger-Preis für Makromolekulare Chemie ist nach ihm benannt. Die ETH Zürich vergibt außerdem den Staudinger-Durrer-Preis.
Hermann Staudinger starb am 8. September 1965 in Freiburg im Breisgau.

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