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Prof. Dr.

Otto Wallach

Nobelpreis für Chemie 1910

Wahljahr: 1885
Sektion: Chemie
Stadt: Göttingen
Land: Deutschland
CV Otto Wallach - Deutsch (PDF)

Forschung

Otto Wallach war ein deutscher Chemiker. Er arbeitete auf dem Gebiet der organischen Chemie und entdeckte mehrere Reaktionen zum Aufbau heterozyklischer Verbindungen sowie von Farbstoffen. Außerdem lieferte er Arbeiten zur Terpen-Chemie, in der er zur Struktur und Synthese der Terpene erforschte. Nach ihm ist die Leuckart-Wallach-Reaktion benannt. Für seine Pionierleistungen auf dem Gebiet der alizyklischen Verbindungen wurde Otto Wallach 1910 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.

Werdegang

Otto Wallach begann 1867 ein Chemiestudium an der Universität Göttingen. Später wechselte er nach Berlin. 1868 kehrte er nach Göttingen zurück, um dort 1889 zu promovieren. Ab 1870 war er an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn tätig. Im gleichen Jahr diente er als Rot-Kreuz-Helfer im Deutsch-Französischen Krieg. 1871 wechselte er nach Berlin, wo er eine Stelle bei der Firma Agfa antrat. 1872 wechselte Wallach erneut nach Bonn, wo er habilitierte. Ab 1873 war er dort als Privatdozent tätig, drei Jahre später erhielt er eine ordentliche Professur. 1884 begann er, sich wissenschaftlich mit Terpenen zu beschäftigen.
1889 wurde Wallach Direktor des Chemischen Instituts der Georg-August-Universität in Göttingen. Unter seiner Führung wurde Göttingen zu einem wichtigen Ausbildungsort für Chemiker in Deutschland. Gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs starben sechs seiner Assistenten. 1915 wurde Wallach emeritiert, blieb aber bis 1927 wissenschaftlich aktiv.

Nobelpreis

Otto Wallach gilt als Vater des modernen Parfüms. Er untersuchte die in ätherischen Pflanzenölen enthaltenen Verbindungen. Aufschluss über diese Arbeit gab unter anderem sein Buch mit dem Titel Terpene und Campher.

Die Anregung für seine nobelpreiswürdige Arbeit erhielt Wallach in Bonn von seinem Lehrer August Kekulé. Dieser wies ihn auf ein vergessenes Regal mit ätherischen Ölen hin, das in einem Labor stand. Dessen Inhaltsstoffe sollte er analysieren. Wallach gelang es, aus den komplexen Ölgemischen die einzelnen Komponenten zu trennen und als Terpene zu identifizieren. Mit seinen Forschungen ebnete Wallach den Weg für die industrielle Entwicklung und Herstellung synthetischer Duftstoffe. Für seine Pionierleistung auf dem Gebiet der alizyklischen Verbindungen wurde Otto Wallach 1910 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.

Von dieser Ehrung erfuhr Wallach aus der Abendzeitung auf dem Heimweg von einer Reise nach England. Erst zu Hause fand er das bestätigende Telegramm aus Stockholm.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten erhielt Wallach zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter die Cothenius-Medaille der Leopoldina (1889), den Preußischen Roter-Adler-Orden 3. Klasse (1911), die Davy Medal der Royal Society London (1912) sowie den Preußischen Kronen-Orden 2. Klasse (1915). Darüber hinaus wurde ihm der Ehrentitel Geheimer Regierungsrat verliehen.

Viele Akademien und wissenschaftliche Vereinigungen machten ihn zu ihrem Mitglied, darunter die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (1885), die Preußische Akademie der Wissenschaften (1907) und die Belgische Chemische Gesellschaft (1912). 1909 wurde Wallach außerdem zum Präsidenten der Deutschen Chemischen Gesellschaft gewählt.

Zur Person

Otto Wallach wurde am 27. März 1847 als jüngstes von fünf Kindern des Verwaltungsbeamten Gerhard Wallach und seiner Frau Ottilie Thoma in Königsberg in Ostpreußen geboren. Wallachs Vater war jüdischen Glaubens, konvertierte jedoch zum Christentum. 1853 zog die Familie nach Potsdam, wo der Vater Direktor der Oberrechnungskammer wurde. Als Kind war Otto Wallach schwächlich und häufig krank, weshalb er in der Schule oft fehlte.

Ab 1856 besuchte er das Königliche Gymnasium in Potsdam, wo er 1867 das Abitur ablegte. In seinen Erinnerungen beschreibt Wallach seine 15 in Potsdam verbrachten Jahre „als eine der besten Zeiten des Lebens“. In jenen Jahren sei er dort auch Alexander von Humboldt begegnet.
Obwohl die Chemie zu jener Zeit noch kein Schulfach war, begeisterte er sich frühzeitig dafür. Beeinflusst von einem älteren Freund unternahm er erste Experimente, für die er nach eigenen Aussagen auch Einrichtungsgegenstände des elterlichen Haushalts, etwa die Spirituslampe eines kostbaren Teeservices, nutzte. Als er sich nach dem Abitur entschied, Chemie zu studieren, tat er dies ohne den Segen seines Vaters, den Otto Wallach später mit den Worten zitierte, dass man mit diesem Fach „ja nicht einmal einen Orden bekommen“ könne.

Otto Wallach blieb unverheiratet und kinderlos. Er starb am 26. Februar 1931 in Göttingen. Sein Grab befindet sich auf dem Göttinger Stadtfriedhof, auf dem außer ihm weitere Nobelpreisträger begraben liegen, darunter Max Planck, Max von Laue und Walther Nernst.

Zu seinen Ehren hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker von 1966 bis 2002 die Otto-Wallach-Plakette verliehen. Darüber hinaus vergibt die Universität Göttingen den Otto-Wallach-Preis. Außerdem ist der Mondkrater Wallach nach ihm benannt.

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