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Friedrich Wöhler

Wahljahr: 1858
Sektion: Chemie
Friedrich Wöhler - Deutsch (PDF)

Forschung

Friedrich Wöhler war ein deutscher Chemiker. Er lieferte wesentliche Beiträge für die organische Chemie, darunter die Synthese von Oxalsäure durch Hydrolyse von Dicyan im Jahr 1824 sowie die von Harnstoff aus Ammoniumcyanat im Jahr 1828. Damit war es erstmals gelungen, Stoffe, die bisher nur von lebenden Organismen bekannt waren, künstlich herzustellen. Nach ihm ist der Wöhler-Prozess benannt, eine von ihm 1827 entwickelte Reduktionsmethode zur Herstellung von reinem Aluminium.

1828 gelang ihm zudem die Isolierung von Beryllium und Yttrium, 1856 die von Silizium. 1862 entdeckte er das Calziumcarbid. Damit lieferte er die Grundlage für die Acetylen-Gewinnung aus Kohle.

Wöhler arbeitete auch auf anorganischem Gebiet, etwa über Siliziumverbindungen. Und er entwickelte ein Verfahren zur technischen Bereitung von Phosphor aus Knochen sowie ein großtechnisches Verfah-ren zur Gewinnung von Nickel.

Ein 1843 von dem deutschen Geologen Theodor Scheerer entdecktes neues Mineral wurde Wöhler zu Ehren Wöhlerit genannt.

Werdegang

Friedrich Wöhler studierte ab 1820 Medizin, ab 1821 außerdem Chemie an den Universitäten Marburg und Heidelberg. 1823 wurde er in Heidelberg zum Dr. med. promoviert. Im Anschluss ging er nach Stockholm, wo er im Labor des schwedischen Chemikers Jöns Jacob Berzelius forschte, mit dem er auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland freundschaftlich verbunden blieb.

1825 wechselte er nach Berlin, wo er als Chemielehrer an der dortigen Gewerbeschule tätig war. In jener Zeit übersetzte er Berzelius’ Lehrbuch der Chemie ins Deutsche. Um 1830 war das sechsbändige Werk in einer deutschen Ausgabe erhältlich. Außerdem gelangen ihm in Berlin die ersten großen Forschungserfolge, so realisierte er die Synthese von reinem Aluminium und von Harnstoff.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften

Für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den preußischen Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste (1864), die Copley Medal der Royal Society London (1872), die Cothenius-Medaille der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1880) sowie Ritter des Kronen-Ordens 2. Klasse mit Stern. 1857 erhielt er zudem die Ehrenbürgerschaft der Stadt Göttingen. Nopoleon III. ernannte Wöhler zum Ritter der Ehrenlegion.

Viele wissenschaftlichen Vereinigungen verliehen ihm die Mitgliedschaft, darunter die Bayerische Akademie der Wissenschaften (korrespondierendes Mitglied 1839, auswärtiges Mitglied 1847), Russische Akademie der Wissenschaften Sankt Petersburg (Korrespondierendes Mitglied 1853), Royal Society Lon-don (1854), Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (1858), Académie de Science Paris (1864), American Academy of Arts and Sciences (1873) sowie die Göttinger Königliche Gesellschaft der Wissen-schaften und die Königliche Akademie der Wissenschaften zu Berlin.

Darüber hinaus wurde Wöhler gemeinsam mit Robert Bunsen und Justus von Liebig bei der Gründung der Deutschen Chemischen Gesellschaft im Jahr 1867 zum Ehrenmitglied der Gesellschaft ernannt.

Zur Person

Friedrich Wöhler wurde am 31. Juli 1800 in Eschersheim (heute ein Stadtteil von Frankfurt am Main) als Sohn des Gutsbesitzers und landgräflich-hessischen Stallmeisters August Anton Wöhler geboren. Er be-suchte die Schule in Rödelheim (heute ebenfalls ein Stadtteil von Frankfurt am Main). Bereits in jener Zeit wurde sein Interesse für Chemie und Physik geweckt. Außerdem begann er Mineralien zu sammeln.

1830 heiratete er in Kassel seine Frau Franziska, die 1832 während der Geburt des zweiten Kindes im Alter von knapp 20 Jahren starb. Im gleichen Jahr heiratete er Julie Pfeiffer. Das Paar bekam vier Kinder.

Friedrich Wöhler starb am 23. September 1882 in Göttingen.

Die Deutsche Chemische Gesellschaft stiftete anlässlich seines 90. Geburtstags im Jahr 1890 eine lebensgroße Bronzestatue, die auf dem Göttinger Wöhlerplatz steht. Anlässlich seines 100. Todestags gab die Deutsche Bundespost im Jahr 1982 eine Gedenkbriefmarke heraus. Außerdem ist der Mondkrater Wöhler nach ihm benannt.

Zwischen 1960 und 1991 vergab die Chemische Gesellschaft der DDR den Friedrich-Wöhler-Preis. Heute vergibt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) den mit 7500 Euro dotierten Wöhler-Preis für nachhaltige Chemie.

Die Nachfahren von Justus von Liebig stifteten zudem den Liebig-Wöhler-Freundschaftspreis für Chemiegeschichte. Er wird seit 1994 von der Göttinger Chemischen Gesellschaft verliehen.

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