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Prof. Dr.

Peter R. Schreiner

Wahljahr: 2013
Sektion: Chemie
Stadt: Gießen
Land: Deutschland
CV Peter R. Schreiner - Deutsch (pdf)

Forschung

Forschungsschwerpunkte: Physikalisch-organische Chemie, Tunnelkontrolle, Nanodiamanten, Diamantoide, Organokatalyse, nachhaltige Chemie

Peter R. Schreiner forscht auf dem Gebiet der organischen Chemie. Er war maßgeblich an der Entdeckung und Definition einer neuen Steuerungskraft chemischer Reaktionen beteiligt, der Tunnelkontrolle. Mit seiner Arbeit hat er das Gebiet nanometergroßer Diamanten (Nanodiamanten, Diamantoide) erschlossen und diese Materialien für Anwendungen zugänglich gemacht. Als einer der Ersten hat er das Konzept der Organokatalyse eingeführt, die Grundlage für eine nachhaltige Chemie ist.

Peter R. Schreiner hat mit Kollegen das Konzept der Tunnelkontrolle chemischer Reaktionen entdeckt und definiert. Bis dahin war bekannt, dass eine chemische Reaktion in Richtung der geringsten Barriere (kinetische Kontrolle) oder in Richtung der energetisch günstigsten Reaktion (thermodynamische Kontrolle) läuft. Schreiner konnte das Konzept der Tunnelkontrolle nachweisen, bei dem Materie von A nach B transportiert wird, ganz gleich, welche Hindernisse dazwischen liegen. In einer Versuchsanordnung mit einem kleinen Molekül (Methylhydroxycarben) wurde eine thermische Reaktion ausgeschlossen, da Temperaturen um den Nullpunkt herrschten. Es bildete sich aber auch nicht das Produkt mit der geringsten Barriere. Die Beschreibung dieses neuen Mechanismus führte zur Etablierung der Tunnelkontrolle als drittes Paradigma neben kinetischer und thermodynamischer Kontrolle chemischer Reaktionen. In der Folge untersuchte Schreiner die Grundlagen von Tunneleffekten und konnte ihr weit verbreitetes Auftreten in chemischen Reaktionen aufzeigen.

In weiteren Arbeiten hat Peter R. Schreiner das Gebiet der Nanodiamanten erschlossen. Nanodiamanten kommen in Erdöl und Erdgas vor und sind mit bloßem Auge nicht sichtbar. Sie haben jedoch für viele Gebiete interessante Eigenschaften: Sie sind hart, unempfindlich gegen Strahlung und leiten Wärme gut. Schreiner hat Technologien entwickelt, mit denen Nanodiamanten und ihre Eigenschaften genutzt werden können. Er bringt chemische Haftstellen an, wodurch sie als harte Beschichtung aufgetragen werden können. In Verbindung mit bestimmten Molekülen werden sie als Katalysatoren in der Industrie, als Bauteile in der Nachrichtentechnik oder als Arzneimittel gegen Alzheimer eingesetzt.

Schreiner war einer der Ersten, die das Konzept der Organokatalyse einführten. Hierbei werden metallhaltige Katalysatoren durch kleine organische Moleküle ersetzt. Die Forscher versuchen, die Moleküle so zu konstruieren, dass sie Reaktionen beschleunigen. Das Verfahren ist ressourcenschonender, da keine Metalle eingesetzt werden und Moleküle benutzt werden, die leicht herzustellen sind und der Umwelt nicht schaden. Dies führt zu einer nachhaltigen Chemie.

Werdegang

  • 2013 Ruf auf eine W3-Professor für Nachhaltige Organische Synthesenchemie, Georg-August-Universität Göttingen, abgelehnt
  • 2012 Ruf als Direktor für Green Chemical Futures, Monash University, Melbourne, Australien, abgelehnt
  • seit 2002 Professor für Organische Chemie, Justus-Liebig-Universität Gießen
  • 1999-2002 Associate Professor für Organische Chemie, University of Georgia, Athens, USA
  • 1999 Habilitation an der Georg-August-Universität Göttingen
  • 1996-1999 Liebig-Stipendiat an der Georg-August-Universität Göttingen
  • 1995 Ph.D., Computational Chemistry, University of Georgia, Athens, USA
  • 1994 Promotion an der Universität Erlangen-Nürnberg
  • 1992 Diplom in Organischer Chemie, Universität Erlangen-Nürnberg
  • 1991 Master of Science in Organischer Chemie, University of Georgia, Athens, USA

 

Funktionen

  • 2012-2015 Vize-Präsident für Forschung der Justus-Liebig-Universität Gießen
  • 2010-2012 Sprecher der Liste „Vereinigte Professoren“, Justus-Liebig-Universität Gießen
  • seit 2011 Associate Editor, Beilstein Journal of Organic Chemistry
  • 2011-2012 Mitglied des Senats der Justus-Liebig-Universität Gießen
  • 2011-2013 Leiter der Arbeitsgemeinschaft deutscher Universitätsprofessoren Chemie (ADUC)
  • seit 2008 Vorsitzender des Arbeitsausschusses „Kinetik und Reaktionsmechanismen“, Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (Dechema)
  • seit 2008 Editor-in-Chief, WIRES-Computational Molecular Sciences
  • 2006-2009 Dekan der Fakultät für Biologie und Chemie der Justus-Liebig-Universität Gießen
  • 2003-2006 Stellvertretender Dekan der Fakultät für Biologie und Chemie der Justus-Liebig-Universität Gießen
  • seit 2000 Editor, Journal of Computational Chemistry
  • Minerva-Beirat, Lise Meitner Center for Computational Chemistry und Weizmann-Institut
  • Vertrauensdozent der Studienstiftung des Deutschen Volkes

 

Projekte

  • seit 2015 Sprecher des DFG Schwerpunktprogramms SPP 1807 “Control of London dispersion interactions in molecular chemistry”
  • seit 2015 DFG-Projekt „London-Dispersionskräfte als Design-Element zur Kontrolle molekularer Strukturen und chemischer Reaktivität“, Teilprojekt zu SPP 1807
  • seit 2013 DFG-Projekt „Wege zu chemisch und topologisch reinen (Nano)diamanten“
  • seit 2013 DFG-Projekt „Synthetisches Maßschneidern von Diamantoiden für Halbleiteranwendungen“, Teilprojekt zu FOR 1282 „Controlling the electronic structure of semiconductor nanoparticles by doping and hybrid formation“
  • seit 2012 DFG-Projekt „Multifunktionelle reaktive Zwischenprodukte: Darstellung, Charakterisierung, Reaktivität und Katalyse“
  • 2011-2015 DFG-Projekt “Hydrogen Tunneling in Carboxylic and Amino Acids”
  • 2009-2014 DFG-Projekt “Tunneling in novel hydroxycarbenes“
  • 2008-2012 DFG-Projekt “Functionalized Diamondoids and Their Electronic Properties for Field Emission”
  • 2006-2011 DFG-Projekt „Rationale Synthese und theoretisches Verständnis von zwitterionischen Oligoazaacenen – Organische Materialien mit geringer Singulet-Triplet-Energieaufspaltung“
  • 2005-2010 DFG-Projekt “Beyond Corey Reagents: A New Route to Key Intermediates and Materials”
  • 2005-2013 DFG-Projekt "Cooperative and concurrent tandem organocatalysis”, Teilprojekt zu SPP 1179 „Organokatalyse“
  • 2003-2008 DFG-Projekt „Phasentransferkatalytische Radikalreaktionen: Anwendungen auf ausgesuchte Alkane, Toleranz funktioneller Gruppen und Enantioselektivität“
  • 1999-2003 DFG-Projekt „ Substituierte Harnstoffe als Wasserstoffbrücken-Donoren zur katalytischen Beschleunigung und stereochemischen Beeinflussung organischer Reaktionen“
  • 1999-2002 DFG-Projekt „Neue Synthesen von 2-Alkyliden-3-oxindolen und deren Anwendung bieim Aufbau von Naturstoffen“, Teilprojekt zu SFB 416 „Chemische und biologische Synthese und Transformation von Naturstoffen und Naturstoff-Analoga“
  • 1997-2002 DFG-Projekt „Acyclische, stereoselektive Radikalreaktionen: Synthese, Mechanismen und Katalyse. Experiment und Theorie“
  • 1995-1996 Koordinator des Projekts “The Encyclopedia of Computational Chemistry”

Auszeichnungen und Mitgliedschaften

  • 2017 Adolf-von-Baeyer-Denkmünze der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)
  • 2015 Kurt-Alder-Vorlesung, Universität zu Köln
  • 2015 Universitatis Lodzienzis Amico-Medaille der Universität Lodz, Polen
  • seit 2015 Korrespondierendes Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste
  • 2014 Forschungspreis der Deutschen Technion Gesellschaft (DTG) am Technion – Israel Institute of Technology
  • seit 2013 Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • seit 2013 Ehrenmitglied der Polnischen Chemischen Gesellschaft
  • 2012 Schulich Visiting Professorship, Technion – Israel Institute of Technology
  • 2010 P. v. R. Schleyer Lectureship Award, University of Georgia, USA
  • seit 2009 Ehrenmitglied der Israelischen Chemischen Gesellschaft
  • 2009 Török Lectureship Award, Eötvös University, Budapest, Ungarn
  • 2003 Dirac Medaille der World Association of Theoretical and Computational Chemists
  • 2000 Research Innovation Award der Research Corporation, Tucson, Arizona, USA
  • 2000 Chemical Research Publicity Award der University of Georgia, USA
  • 1999 ADUC-Preis für Habilitanden der Gesellschaft Deutscher Chemiker
  • 1999 Habilitations-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft
  • 1999 Förderung der Otto Röhm-Gedächtnisstiftung
  • 1997-1999 Liebig-Stipendium des Fonds der Chemischen Industrie
  • 1996 Robert C. Anderson Memorial Award
  • 1995 Karl Giehrl-Preis für die beste Promotion 1994, Universität Erlangen-Nürnberg
  • 1993 Martin Reynolds Smith-Award der American Chemical Society (ACS)
  • 1992-1994 Promotionsstipendium des Fonds der Chemischen Industrie
  • 1992-1994 Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes
  • 1990-1991 DAAD Stipendium

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