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Arbeitsgruppen

Archäologisches Kulturerbe

Zukunftsreport Wissenschaft

Deutschland ist reich an archäologischen Funden. Römische Siedlungen im Rheinland, Fürstenhügel in der Lüneburger Heide, aufwendige Bestattungen an der Saale, steinzeitliche Schmuckstücke von der Schwäbischen Alb und Schiffswracks im Wattenmeer sind Zeugnisse, die im Rahmen ihres Fundkontextes wertvolle Informationen über frühere Kulturen und Lebensweisen liefern. Doch ist das archäologische Kulturerbe vielfältigen Gefährdungen ausgesetzt, nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern weltweit.

In Ländern wie Syrien, Irak oder Mali zerstören Kriege und bewaffnete Konflikte oftmals auch wichtige Stätten mit archäologischer Bedeutung. Raubgrabungen, Plünderungen von Museen und illegaler Kunsthandel gehen mit den Konflikten einher und machen sich diese zunutze.

Infrastrukturmaßnahmen, Bauprojekte oder moderne Formen der Land- und Forstnutzung können archäologische Kulturgüter beschädigen oder unwiederbringlich zerstören. Aber auch Fluten und Brände können Archivalien der Menschheitsgeschichte, die bereits –vermeintlich sicher – in Museen oder Archiven aufbewahrt werden, bedrohen.

Auch in Deutschland sind archäologische Objekte immer wieder Ziel von Sondengängern und illegalen Grabungen. 2002 gelang es Ermittlern, in der Schweiz eine kreisrunde Bronzeplatte sicherzustellen. Die sogenannte „Himmelsscheibe von Nebra“ macht seither anschaulich, wie detailliert das astronomische Wissen vor vier Jahrtausenden war. Gleichzeitig belegen chemische Analysen, dass zu dieser Zeit bereits ein europaweiter Handel mit Edelmetallen existierte. Neue Technologien und interdisziplinäre Forschung ermöglichen der Archäologie immer wieder völlig neue Erkenntnisse. Als im Jahr 1991 der Gletschermann Ötzi gefunden wurde, war es nicht vorstellbar, sein Erbgut zu analysieren oder das Mikrobiom seines Magens zu erkunden. Heute erlauben genetische Untersuchungen Rückschlüsse auf seine Herkunft, seine Augenfarbe und seine Krankheiten und damit sehr konkrete Einblicke in das Leben eines Bewohners der Bronzezeit.

Die moderne Genetik, die Digitalisierung, neue Methoden der Unterwasserarchäologie und auch das Konzept der „Archäologie der Moderne“ tragen dazu bei, dass sich das Fach Archäologie derzeit dynamisch weiterentwickelt und dass sich die Ausbildung an den Universitäten und Hochschulen wandelt.

Die Arbeitsgruppe „Archäologisches Kulturerbe“ analysiert die Organisationsstrukturen des Kulturerbe-Schutzes in Deutschland, beleuchtet die Rolle Deutschlands im internationalen Kontext, beschreibt die Möglichkeiten der Digitalisierung und die Bedeutung von Forschung und Lehre. Die Stellungnahme mit Empfehlungen zu den oben genannten Themenbereichen erscheint in der Reihe „Zukunftsreport Wissenschaft“ im Laufe des Jahres 2018.

Beteiligte Institutionen

Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina

Sprecher der Arbeitsgruppe

  • Prof. Dr. Hermann Parzinger ML, Stiftung Preußischer Kulturbesitz
  • Prof. Dr. Friederike Fless, Deutsches Archäologisches Institut
  • Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke ML, Universität Freiburg

Mitglieder der Arbeitsgruppe

  • Prof. Dr. Marie-Theres Albert, Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg
  • Dr. Martin Bachmann, Koldewey Gesellschaft, Deutsches Archäologisches Institut (DAI) - Martin Bachmann ist am 3. August 2016 überraschend verstorben (Nachruf des DAI)
  • Dr. Roland Bernecker, UNESCO-Deutschland, Bonn
  • Prof. Dr. Peter Funke, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
  • Prof. Dr. Markus Hilgert, Vorderasiatisches Museum im Pergamonmuseum, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Prof. Dr. Matthias Knaut, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin
  • Prof. Dr. Jürgen Kunow, Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, Bonn
  • Prof. Dr. Dr. Sabine Freifrau von Schorlemer, TU Dresden

ML = Mitglied der Leopoldina

ANSPRECHPARTNER

Leopoldina

Dr. Christian Anton

Referent der Abteilung Wissenschaft - Politik - Gesellschaft

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Fax 0345 - 47 239 - 839
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