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Kommission Digitalisierte Gesellschaft

Bessere Menschen durch digitale Technologien?

Podiumsdiskussion zum Umgang der Gesellschaft mit modernen Möglichkeiten der Verhaltenssteuerung

Bessere Menschen durch digitale Technologien?

Das Podium am 16. November 2015. Foto: Markus Scholz für die Leopoldina

In einer gemeinsamen Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung Sachsen-Anhalt und der Leopoldina diskutierten am 16. November 2015 Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft über Nutzen, Risiken und gesellschaftliche Konsequenzen der Entwicklung von digitalen Anwendungen zur Steuerung menschlichen Verhaltens.

Digitale Technologien sind unwiderruflich zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden - darin waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion, Klaus Fiedler, Dirk Helbing, Constanze Kurz, Peter Schaar und Wolfgang Wahlster, einig. Diese Technologien werden sich mit der zunehmenden Vernetzung von Menschen und Dingen immer weiter ausbreiten, mehr und neue Funktionen übernehmen und nicht zuletzt auch stärker darauf ausgerichtet sein, menschliches Verhalten zu beeinflussen. Vor ca. 150 Zuschauern entspann sich im Laufe des Abends eine breit aufgefächerte Diskussion über die positiven wie negativen Folgen der Verwendung von Nutzerdaten in Anwendungen, die auf den Einzelnen zugeschnitten sind.

Dabei wurde zwischen solchen Anwendungen unterschieden, deren Zielsetzung intransparent festgelegt und dem Nutzer nicht kommuniziert wird, und solchen, für deren Anwendung sich der Nutzer auf der Grundlage der ihm zugänglichen Informationen bewusst entscheiden kann. Auch wurde diskutiert, welche Möglichkeiten es gibt, transparente und pluralistische Strukturen der Datennutzung zu etablieren. Schließlich wurde deutlich, dass es keine einfache Antwort geben kann auf die Frage, wie ein angemessener gesellschaftlicher Umgang mit den modernen Möglichkeiten der Verhaltenssteuerung aussehen solle. Zugleich zeichnete sich die Bandbreite der Fragestellungen für eine gesellschaftliche Auseinandersetzung ab.

Die Diskussionsteilnehmer

Klaus Fiedler ML ist Professor für Psychologie an der Universität Heidelberg. Er vertritt in der Lehre das Fach Sozialpsychologie, aber er forscht auch auf verschiedenen Gebieten der Kognitiven Psychologie, der Rationalitätsforschung und der Methodologie. Im Jahre 2000 erhielt Klaus Fiedler den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Dirk Helbing ML ist Professor für Computational Social Science am Department Geistes-, Sozial- und Staatswissenschaften der ETH Zürich. Er befasst sich mit Computermodellen sozialer Prozesse. Nach Verkehrsmodellierungen u.a. von Fussgängermengen und Massenpaniken befasst er sich aktuell mit global vernetzten Risiken, der digitalen Gesellschaft und verantwortungsvoller Innovation. 2014 erhielt er einen Ehrendoktortitel der TU Delft.

Constanze Kurz ist Sprecherin des Chaos Computer Clubs. Sie war von 2010 bis 2013 Sachverständige in der Enquête-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Deutschen Bundestags und bringt sich im Beirat für Informationsfreiheit in Rheinland-Pfalz ein, der beim Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Rheinland-Pfalz angesiedelt ist. Zurzeit ist sie Mitglied der Redaktion von Netzpolitik.org.

Peter Schaar ist Vorsitzender der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz (EAID) und Lehrbeauftragter an der Universität Hamburg. Von 2003 bis 2013 war er Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher zum Datenschutz, für die er u.a. 2008 mit dem Preis der Friedrich-Ebert-Stiftung „Das politische Buch“ ausgezeichnet wurde.

Wolfgang Wahlster ML ist Professor für Informatik an der Universität des Saarlandes und leitet das weltweit größte Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz DFKI. Er wurde mit dem Zukunftspreis der Bundespräsidenten für seine Arbeiten zur Mensch-Technik-Interaktion ausgezeichnet und hat verschiedene persuasive Systeme u.a. für die Automobil- und Pharmaindustrie entwickelt.

Moderation: Vera Linß. Studium der Journalistik in Leipzig, ab 1991 tätig als Hörfunk- und Fernsehjournalistin in der ARD und im Deutschlandradio. Von 1997 bis 2000 Redaktion und Moderation des Medienmagazins von Radio Kultur SFB/ORB, von 2010 bis 2014 Moderation des Online Talks auf DRadio Wissen. Seit 2007 ist sie Moderatorin und Redakteurin der Mediensendung "Breitband" im Deutschlandradio Kultur.

ML = Mitglied der Leopoldina

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Referentin der Abteilung Wissenschaft - Politik - Gesellschaft

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Fax 0345 - 47 239 - 839
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