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Pressemitteilung | Dienstag, 13. Dezember 2016

Akademien veröffentlichen gemeinsame Leitsätze für gute wissenschaftliche Publikationspraxis

Die Zahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen und der Wissenschaftsjournale steigt kontinuierlich. Wissenschaftler sehen sich in wachsendem Umfang neuer wissenschaftlicher Lektüre in ihrem Fachgebiet gegenüber und sind mit dem Anspruch konfrontiert, im Wettbewerb mit Fachkollegen eigene Ergebnisse sichtbar zu publizieren. Gleichzeitig ist die Einschätzung, welche Zeitschriften seriöse Publikationsorgane sind, zunehmend schwierig, insbesondere für Nicht-Wissenschaftler. Unter der Vielzahl neu gegründeter Online-Zeitschriften finden sich auch sogenannte Pseudo-Journale, deren Auswahl, Redaktion und Begutachtung der eingereichten Beiträge zuweilen intransparent ist oder wissenschaftlichen Standards nicht genügt. Darauf weisen die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die französische Académie des sciences und die britische Royal Society hin. Die Akademien haben gemeinsame Leitsätze für hochwertige Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften formuliert. Diese wurden dem EU-Kommissar für Forschung Wissenschaft und Innovation, Carlos Moedas, gestern in Brüssel vorgestellt.

Die Académie des sciences, die Leopoldina, und die Royal Society orientieren sich in ihren Leitsätzen für gute wissenschaftliche Publikationspraxis an vier Kriterien: wissenschaftliche Informationen sollen effizient und hochwertig verbreitet, Interessenkonflikte vermieden, die Artikel fair geprüft und Auswahl und Redaktion durch anerkannte Wissenschaftler verantwortet werden.

Die drei nationalen Akademien der Wissenschaften geben unter anderem folgende Empfehlungen:

Die Auswahl und Redaktion der eingereichten Beiträge sollten ausnahmslos von anerkannten Wissenschaftlern koordiniert und überwacht werden. Verantwortlicher Herausgeber sollte ein bedeutender Wissenschaftler sein, der durch ein wissenschaftliches Beratergremium unterstützt wird. Bezüglich der Auswahl der Artikel empfehlen die Akademien, hauptsächlich auf wissenschaftliche Qualität, methodische Strenge  und statistische Belastbarkeit zu achten, anstatt auf den Sensationswert eines Artikels , der bei einigen populären Wissenschaftszeitschriften  ein wesentliches Kriterium ist.

  • Die Gutachter sollten auf Anfrage zur Begutachtung eines Artikels möglichst innerhalb weniger Tage reagieren, den Umfang ihrer Begutachtung begrenzen und nachvollziehbare, faire Empfehlungen aussprechen. Mögliche Interessenkonflikte sollten die Gutachter der Redaktion von sich aus umgehend mitteilen.
  • Die Gutachter sollten anonym bleiben können, dürfen aber auch freiwillig auf Anonymität verzichten. Gutachten können veröffentlicht werden, sofern die Autoren das befürworten. Dies fördert ausgewogenere Berichte und vermeidet persönliche Angriffe auf die Autoren.
  • Fachzeitschriften sichern die wissenschaftliche Qualität von Publikationen. Damit bestimmte Forschungsergebnisse schnell zugänglich werden, können zusätzlich allgemein zugängliche „Präpublikations-Archive“ genutzt werden. Die Veröffentlichung in diesen Archiven sollte aber eine spätere Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift nicht verhindern.
  • Die Akademien befürworten Open Access-Bestrebungen und sprechen sich dafür aus, die Abonnement-Kosten ganz oder weitgehend durch die Publikationsgebühren zu ersetzen. Die Zahlung dieser Bearbeitungsgebühren darf aber die redaktionelle Entscheidung über die Veröffentlichung eines Artikels keinesfalls beeinflussen. Die Autorenrechte auf ihr intellektuelles Eigentum dürfen aber durch die Open Access Bestrebungen grundsätzlich nicht beeinträchtigt werden.

ANSPRECHPARTNER

Leopoldina

Caroline Wichmann

Leiterin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Tel. 0345 - 472 39 - 800
Fax 0345 - 472 39 - 809
E-Mail caroline.wichmann @leopoldina.org

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