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Leopoldina-Preis für junge Wissenschaftler

Aline K. Zimmer, Preisträgerin 2013, im Interview

Aline K. Zimmer, Preisträgerin 2013, im Interview

Preisträgerin Aline Zimmer. Foto: Markus Scholz für die Leopoldina.

Mit dem Leopoldina-Preis für junge Wissenschaftler ist in diesem Jahr Dr. Aline K. Zimmer ausgezeichnet worden. Sie befasste sich in ihrer Promotion mit der „Missionsanalyse und dem konzeptionellen Entwurf von bemannten Raumfahrzeugen zur Exploration von erdnahen Asteroiden“. Die Luft- und Raumfahrtingenieurin forscht seit Anfang 2013 am NASA Jet Propulsion Laboratory in Pasadena (USA). Im Interview spricht sie über die Bedeutung des Preises, die Herausforderungen für die bemannte Raumfahrt und die Karrieremöglichkeiten für junge Wissenschaftler in Deutschland und den USA.

Was war Ihr erster Gedanke, als Sie davon erfahren haben, dass Sie mit dem Leopoldina-Preis für junge Wissenschaftler ausgezeichnet werden?

Zimmer: Ich war völlig überrascht, denn ich wusste nicht einmal von der Nominierung. Mein Doktorvater hat mich vorgeschlagen, ohne dass ich davon wusste. Ich wohne in Amerika und wegen der Zeitverschiebung habe ich die E-Mail nachts bekommen, in der ich von dem Preis erfahren habe. Ich bin aufgewacht, habe aufs Handy geguckt und wusste mit der Nachricht erst einmal gar nichts anzufangen. Dann wurde mir nach und nach klar, was das eigentlich bedeutet. Das ist eine Riesen-Ehre, eine riesige Auszeichnung, die mich sehr freut.

Finden Sie es ein bisschen seltsam, explizit als junge Wissenschaftlerin ausgezeichnet zu werden? Sie könnten ja auch die Ansicht vertreten: Meine Arbeit soll für sich stehen und für sich sprechen – unabhängig von meinem Alter.

Zimmer: Sicher. Aber ich kann mich natürlich nicht mit jemandem messen, der schon eine lange Karriere hinter sich hat. Diese Wissenschaftler haben schon viel mehr geleistet. Deshalb finde ich es schön, dass es umgekehrt für den Nachwuchs überhaupt Preise gibt und man nicht erst 20, 30 Jahre lang Karriere machen muss. (lacht)

Ist der Preis insofern für Sie ein Ansporn?

Zimmer: Auf jeden Fall. Denn die Einordnung der eigenen Forschung ist immer schwierig: Das, woran ich selber forsche, verstehe ich. In das, was die anderen erforschen, hat man oft wenig Einblick. Man kann es schwer beurteilen und man kann sich da schwer vergleichen. So ein Preis ist deshalb für mich auch die Bestätigung, dass es wohl nicht ganz trivial ist, was ich da mache.

Wenn der Preis für Sie auch Rückenwind bedeutet – wohin soll er Sie denn noch tragen? Was haben Sie für Ziele für Ihre weitere wissenschaftliche Laufbahn?

Zimmer: Für mich war es immer ein Traum, für die NASA zu arbeiten. Das hat mich immer angetrieben – und das habe ich mittlerweile erreicht. Insofern bin ich zum ersten Mal in meinem Leben an einem Punkt, an dem ich sage: Jetzt bin ich erst einmal angekommen, ich mache meine Arbeit und gucke, was kommt. Ich weiß nicht, ob ich auf lange Sicht wieder nach Deutschland möchte oder ob ich in Amerika bleibe. Ich könnte mir auch gut vorstellen, wieder an die Uni zurückzugehen und vielleicht zu lehren. Aber das ist alles noch offen.

Es als Nicht-Amerikanerin und junge Frau zur NASA zu schaffen, ist ziemlich ungewöhnlich. Merken Sie das, fühlen Sie sich manchmal als Exotin?

Zimmer: Es stimmt: Es als Nicht-Amerikaner dorthin zu schaffen, ist immer schwierig. Denn jeder Gedankenaustausch zwischen einem Amerikaner und einem Nicht-Amerikaner gilt dort als Export und fällt deshalb unter das Waffenexportgesetz. Das macht es einem natürlich sehr schwer, weil man auf der falschen Seite des Gesetzes steht. Aber meine Kollegen sind sehr entgegenkommend – sie stören sich an dieser Regelung allerdings genauso wie ich. Früher oder später werde ich eine Green Card haben, dann wird das sicherlich einfacher.

Wie schätzen Sie die Situation für Nachwuchswissenschaftler in den USA und in Deutschland insgesamt ein?

Zimmer: Ich denke, beide Länder bieten sehr viele Möglichkeiten. Man kann sicher nicht pauschal sagen, das eine wäre besser als das andere. Für mich gab es immer den Traum von der NASA, deshalb bin ich jetzt erst einmal nach Amerika gegangen. In meinem Bereich, also in der Raumfahrt, steht dort natürlich auch viel mehr Geld zur Verfügung als in Europa. In anderen Bereichen wird das ganz anders aussehen.

Für die bemannte Raumfahrt ist es insgesamt aber eine schwierige Zeit. Es werden Mittel gekürzt und Projekte gestrichen, auch in den USA.

Zimmer: Das stimmt, es ist momentan schwierig, es fehlt da vorne und hinten an Geld. Dazu kommt das Problem, dass man sich gerade in Amerika noch gar nicht einig ist, wo man überhaupt hin möchte. Das ist in erster Linie eine politische Diskussion. Präsident Obama macht das rückgängig, was Präsident Bush angefangen hat, und wenn jeder nur im Zeitraum von Legislaturperioden denkt, ist es schwierig, langfristig zu planen. Trotzdem wird beispielsweise die nächste Schwerlastrakete gebaut, die dazugehörige bemannte Kapsel wird auch gebaut. Es bewegt sich schon etwas, aber es ist leider noch nicht so klar, wohin. Ich denke, wenn die Richtung klarer wäre, würde auch mehr mitgezogen.

Sie sind davon ja auch unmittelbar betroffen. Ist es nicht frustrierend, wenn man befürchten muss, dass die Konzepte, die man entwickelt, möglicherweise niemals realisiert werden?

Zimmer: Mich hat das nie abgeschreckt. Meine Dissertation zum Beispiel beschreibt einen möglichen Weg zur Landung auf erdnahen Asteroiden, aber ich gehe nicht davon aus, dass irgendjemand mal genau diese Mission fliegt. Dafür habe ich auf dem Weg dorthin Dinge entdeckt, die trotzdem hilfreich sind, auch wenn man sie vielleicht für ganz andere Zwecke nutzt. Das ist ja ganz oft so in der Wissenschaft.

An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit?

Zimmer: Ich arbeite gerade an sogenannten Vorphase-Studien, das heißt an Machbarkeitsstudien für ganz verschiedene Projekte. Ein Beispiel ist eine Mission zum Saturnmond Titan, eine andere ist die Idee, einen Asteroiden umzulenken und in eine Mondumlaufbahn zu bringen. Es ist sehr vielfältig und man hat sehr oft sehr neue Projekte.

Was würden Sie jemanden entgegnen, der Ihnen sagt, die Menschheit hätte doch wohl gerade andere Sorgen als die Landung auf einem Asteroiden?

Zimmer: Das ist ein guter Punkt, und es gibt da mehrere Ansätze. Zunächst ist die Wahrnehmung oft falsch, dass für die Weltraumforschung so viel Geld ausgegeben wird. In ein paar Jahren geben die USA so viel Geld für Rüstung aus, wie sie seit den 1960er Jahren insgesamt in die Raumfahrt investiert haben. Darüber hinaus fließt das Geld ja nicht in den Weltraum, sondern in Projekte hier. Es geht an Firmen, die Raumfahrzeuge bauen, oder in die Technologieentwicklung. Das ist meines Erachtens gut investiertes Geld. Außerdem muss man bei der bemannten Raumfahrt auch sehen: Der Mensch hat offensichtlich ein Bestreben, seine Grenzen zu erweitern, Neues zu entdecken und zu erkunden. Das ist uns zu eigen, seit Columbus übers Meer gesegelt ist. Das muss gar nicht aus Notwendigkeit geschehen, weil uns die Erde zu klein geworden wäre. Ich glaube, es ist eher dieses intrinsische Bestreben, unsere Grenzen zu erweitern.

Dieses Bestreben ist ja in gewisser Weise exemplarisch für Wissenschaft und für Forschungsdrang. War das für Sie auch die Motivation, sich für die Weltraumforschung zu begeistern?

Zimmer:  Dieses Interesse war bei mir eigentlich immer schon da. Ich finde es unglaublich faszinierend, diese Vorstellung, man könne da irgendwo hinfliegen, zu fremden Welten, die unglaublich weit weg sind und völlig anders als alles, was für uns normal ist. Das gilt auch für Dinge, an denen ich täglich arbeite und die deshalb für mich schon fast normal geworden sind. Wenn man sich bewusst macht, was es heißt, dass die „Voyager“-Sonde jetzt das Sonnensystem verlassen hat – das ist kaum zu begreifen.

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