G7-Politikberatung

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Die Leopoldina bringt die Stimme der Wissenschaft in die G7-Gipfeltreffen ein. Gemeinsam mit den Akademien der G7-Staaten erarbeitet sie wissenschaftsbasierte Empfehlungen zu global relevanten Themen und stärkt so die Verbindung von Wissenschaft und Politik.

Zuletzt bearbeitet: 20. Mai 2026

Die jährlichen Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefinnen und -chefs der G7-Staaten werden von den Wissenschaftsakademien dieser Länder begleitet. Sie erarbeiten wissenschaftsbasierte Stellungnahmen zu den Themen der Gipfelagenda. Die Federführung übernimmt jeweils die Akademie des Gastgeberlandes – so auch die Leopoldina im Jahr 2022 während der deutschen G7-Präsidentschaft.

Die Beratung der G7-Gipfel ist ein wichtiges Instrument, um wissenschaftliche Expertise in politische Entscheidungsprozesse einzubringen. Die Akademien arbeiten dafür im Format Science7 (S7) zusammen. Die gemeinsamen Empfehlungen werden vor den Gipfeltreffen veröffentlicht und der jeweiligen G7-Präsidentschaft im Rahmen einer Wissenschaftskonferenz übergeben.

Anlässlich der deutschen G7-Präsidentschaft 2022 mandatierte die Bundesregierung die Leopoldina mit der Federführung des Science7-Prozesses. Thematische Schwerpunkte waren Ozean- und Klimafragen, antivirale Medikamente und One Health. Bereits im Jahr 2015 hatte die Leopoldina die Stellungnahmen der G7-Akademien zu Antibiotikaresistenzen, Tropenkrankheiten und der Zukunft der Meere koordiniert.

Der G7 gehören Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten an. Zudem ist die Europäische Union vertreten.

G7-Stellungnahmen 2026

Neurologische und mentale Gesundheit 
Neurologische oder psychische Erkrankungen betreffen nahezu jeden dritten Menschen im Laufe des Lebens. Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich, Schätzungen zufolge belaufen sich diese weltweit auf jährlich fünf Billionen US-Dollar. Die G7-Akademien empfehlen deshalb, „Brain Health“ als wichtiges Thema in allen Lebensabschnitten eines Menschen – von der frühen Kindheit bis ins hohe Alter – zu behandeln und nicht allein in der Gesundheitspolitik zu verorten, sondern politikfeldübergreifend zu betrachten. Dazu wird empfohlen, auf G7-Ebene einen „Brain Health Advisory Council“ einzurichten – einen Beirat, der wissenschaftsbasierte Leitlinien für politische Maßnahmen formulieren, aufkommende Innovationen identifizieren und die Einhaltung ethischer Maßstäbe beaufsichtigen könnte. Um sowohl wissenschaftliche als auch klinische Erfolge in der Hirnforschung zu beschleunigen, werden die G7-Staaten aufgefordert, eine Initiative für Investitionen und Innovation auszurufen, um die Finanzierung durch öffentliche Ressourcen und privates Kapital zu sichern. Für den medizinischen Fortschritt sei es außerdem wichtig, die Potenziale großer Datenbestände, künstlicher Intelligenz, moderner Bildgebung und Genomforschung zu nutzen. Da neurologische und psychische Erkrankungen für Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen eine besondere Herausforderung darstellen, sollten die empfohlenen Initiativen auch über die G7-Ebene hinaus geplant werden. G7-Stellungnahme „Advancing Brain Health (including Mental Health)“ (2026)

Arktis als Frühwarnsystem 
Die Arktis erwärmte sich in den vergangenen 40 Jahren nahezu viermal so stark wie der globale Durchschnitt. Die Folgen sind vor Ort sichtbar: Meereis und Gletscher gehen zurück, Permafrostböden tauen, Küsten erodieren, Waldbrände nehmen zu und Ökosysteme verändern sich. Die Veränderungen bleiben jedoch nicht auf die Region beschränkt. Tauende Permafrostböden können große Mengen Kohlendioxid und Methan freisetzen. Das Abschmelzen des Grönländischen Eisschildes trägt zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Veränderungen in der Arktis können außerdem Meeresströmungen, Wettermuster und Ökosysteme weit über die Region hinaus beeinflussen. Die Stellungnahme beschreibt die Arktis deshalb als Frühwarnsystem. Die G7-Akademien rufen die G7-Staaten dazu auf, am Pariser Klimaschutzabkommen festzuhalten und Treibhausgasemissionen rasch und dauerhaft zu senken. Sie fordern zudem ein Moratorium für Geoengineering in der Arktis. Zugleich sollten internationale und interdisziplinäre Forschungskooperationen zu den Veränderungen in der Arktis gestärkt und indigenes und lokales Wissen einbezogen werden. G7-Stellungnahme „The Global Arctic“ (2026)
 
Große Satellitenkonstellationen 
Immer mehr Satelliten werden in niedrige und mittlere Erdumlaufbahnen gebracht. Große Satellitenkonstellationen können weltweit den Internetzugang verbessern, Kommunikation in abgelegenen Regionen ermöglichen und die Erdbeobachtung in nahezu Echtzeit unterstützen. Gleichzeitig entstehen Risiken: Die wachsende Zahl von Satelliten erhöht die Gefahr von Kollisionen und Weltraumschrott. Außerdem ist unklar, wie stark häufige Raketenstarts und Wiedereintritte von Satelliten und Raketenstufen die obere Atmosphäre mit Chemikalien und Staubpartikeln belasten. Die G7-Akademien empfehlen, Forschung über die Auswirkungen der Raumfahrt für die Atmosphäre und die Entwicklung satellitengestützter Kommunikationsnetze zu unterstützen, zugleich aber klare Regeln für deren nachhaltige Nutzung zu schaffen. Dazu zählen verbindliche Standards für das „Deorbiting”, also das Entfernen ausgedienter Satelliten aus der Umlaufbahn, bessere Systeme zur Überwachung der Nutzung des Erdorbits und belastbare Abschätzungen, wie viele Objekte bestimmte Umlaufbahnen langfristig sicher aufnehmen können. G7-Stellungnahme „Large Satellite Constellations“ (2026)

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