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Prof. Dr.

Oliver Brüstle

Wahljahr: 2009
Sektion: Humangenetik und Molekulare Medizin
Stadt: Bonn
Land: Deutschland
CV Oliver Brüstle - Deutsch (pdf)

Forschung

Forschungsschwerpunkte: Stammzellforschung, Neuropathologie

Oliver Brüstle gehört zu den Wegbereitern der Stammzellforschung in Deutschland. Immer wieder hat er sich für die Arbeit mit pluripotenten und insbesondere embryonalen Stammzellen eingesetzt. Seine Beiträge haben in Deutschland die wissenschaftliche und politische Diskussion zu diesem Thema geprägt und befördert.

Sein Forschungsinteresse gilt vor allem dem Zellersatz im Nervensystem. Sein Team verfolgt dabei das Ziel, im Rahmen neurologischer Erkrankungen zugrunde gegangene Zellen mit Hilfe von Stammzellen zu ersetzen. Bereits 1999 veröffentlichte er eine Studie, in der es erstmals gelungen war, in einem Tiermodell einer menschlichen Erkrankung defekte Nervenzellhüllen mit Hilfe embryonaler Stammzellen zu reparieren.

Ein weiterer zentraler Aspekt von Brüstles Arbeit ist die Nutzung von pluripotenten und reprogrammierten Stammzellen für Krankheitsforschung und Wirkstoffentwicklung. Ein Beispiel dafür ist eine Forschungsarbeit, in deren Rahmen sein Team die molekularen Triggermechanismen für die Entstehung der Machado-Joseph-Erkrankung entschlüsseln konnte. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Störung der Bewegungskoordination, die ursprünglich bei portugiesischstämmigen Bewohnern der Azoren beschrieben wurde und die heute die häufigste dominant vererbte Ataxie (Bewegungsstörung) in Deutschland darstellt. Die Mehrzahl der Patienten entwickelt Gangstörungen und eine Reihe anderer neurologischer Symptome.

Als erster deutscher Forscher beantragte Oliver Brüstle im Jahr 2000 bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Fördermittel für die Arbeit an embryonalen Stammzellen. Damit löste er eine deutschlandweite ethische und politische Debatte aus, die im Jahr 2002 in der Verabschiedung des sogenannten Stammzellgesetzes mündete. Dieses gestattet die Forschung an humanen embryonalen Stammzellen unter streng geregelten Bedingungen. Nach seinem Inkrafttreten importierte Brüstle mehrere Stammzelllinien aus Israel für seine Forschungsarbeit. Bekannt wurde er außerdem durch seinen Einsatz für die Patentierung von Stammzell-basierten Verfahren. Solche Patente sind nach Brüstles Auffassung eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung akademischer Forschungsergebnisse in biomedizinische Produkte und Therapien. Eines seiner Patente zur Herstellung neuraler Zellen aus embryonalen Stammzellen und deren Verwendung zur Behandlung neuraler Defekte hat die Debatte und Entscheidungen zur Patentgesetzgebung in diesem Gebiet europaweit beeinflusst.

Oliver Brüstle plädiert für eine enge Vernetzung von Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Stammzellforschung. Er war Co-Initiator und Gründungspräsident des im Jahr 2013 etablierten Deutschen Stammzellnetzwerks und ist seit 2002 Mitglied im Vorstand des Kompetenznetzwerks Stammzellforschung des Landes Nordrhein-Westfalen, dessen Vorsitz er 2015 übernommen hat.

Werdegang

  • seit 2002 Direktor des Instituts für Rekonstruktive Neurobiologie an der Universität Bonn sowie Mitgründer und Geschäftsführer der LIFE&BRAIN GmbH in Bonn
  • 1999 Habilitation an der Universität Bonn
  • 1997-2002 Nachwuchsgruppenleiter am Institut für Neuropathologie der Universität Bonn
  • 1993-1997 Postdoctoral fellow am National Institute of Neurological Disorders and Stroke, National Institutes of Health, Bethesda, Maryland, USA
  • 1993-1995 Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • 1991-1993 Arzt und Wissenschaftler an der Neurochirurgischen Klinik der Universität Erlangen
  • 1989-1991 Arzt und Wissenschaftler am Institut für Neuropathologie der Universität Zürich
  • 1989 Promotion am Institut für Anatomie und Zellbiologie der Universität Ulm
  • 1982-1989 Studium der Humanmedizin an den Universitäten Ulm und Chapel Hill (North Carolina)

Projekte

  • seit 2013 Mitglied des Board of Directors des Europäischen Stammzellkonsortiums „NeuroStemCellRepair“
  • seit 2010 Konsortialführer des NRW-Konsortialprojekts „StemCellFactory“
  • 2008-2012 Mitglied des Board of Directors des multinationalen Europäischen Forschungskonsortiums „NEuroStemCell“
  • 2006-2009 Mitglied des Board of Directors des Europäischen Forschungskonsortiums „ESTOOLS“

Funktionen

  • seit 2016 Mitglied des Senats der Leopoldina
  • seit 2015 Vorstandsvorsitzender des Kompetenznetzwerks Stammzellforschung Nordrhein-Westfalen
  • 2002-2015 Sprecher des biomedizinischen Lenkungskreises und Vorstandsmitglied des Kompetenznetzwerks Stammzellforschung Nordrhein-Westfalen
  • 2013-2014 Gründungspräsident des Deutschen Stammzellnetzwerks
  • seit 2014 Steering group member, International Stem Cell Banking Initiative (ISCBI)
  • seit 2009 Steering group member, International Stem Cell Initiative (ISCI)
  • seit 2008 Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Frankfurter Zukunftsrats e.V.
  • seit 2003 Wissenschaftlicher Direktor der LIFE & BRAIN GmbH

Auszeichnungen und Mitgleidschaften

  • seit 2014 Mitglied der European Molecular Biology Organization (EMBO)
  • seit 2009 Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften     Leopoldina
  • 2000 Rudolf von Bennigsen-Foerder-Preis für innovative Projekte von Nachwuchswissenschaftlern
  • 1995-1997 Visiting Associate Fellowship der National Institutes of Health (NIH), USA

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