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Richard Kuhn

Nobelpreis für Chemie 1938

Wahljahr: 1936
Sektion: Chemie
Stadt: Heidelberg
Land: Deutschland
CV Richard Kuhn - Deutsch (PDF)

Forschung

Richard Kuhn war ein deutsch-österreichischer Wissenschaftler. Zu seinen Forschungen zählten Arbeiten zur Isolierung, Synthese und biologischen Wirkungsweise von Naturstoffen genauso wie solche über theoretische Probleme der organischen Chemie, über stereochemische Fragen und über Beziehungen zwischen Struktur und physikalischen Eigenschaften organischer Verbindungen. Für seine Arbeiten über Carotinoide und Vitamine wurde er 1938 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.

Werdegang

Richard Kuhn begann 1918 ein Chemiestudium an der Universität Wien. 1919 wechselte er gemeinsam mit seinem Schulfreund, dem späteren Nobelpreisträger Wolfgang Pauli, an die Ludwig-Maximilians-Universität nach München. Dort wurde er 1922 mit einer Arbeit über die Spezifität der Enzyme promoviert. Nach seiner Habilitation erhielt er dort 1925 eine Stelle als Privatdozent. Ein Jahr später wurde er Professor für Allgemeine und Analytische Chemie an der ETH Zürich, wo er mit der Erforschung von Vitaminen und pflanzlichen Carotinoiden begann. Ab 1928 lehrte er an der Universität Heidelberg. Darüber hinaus wurde er im Oktober 1929 zum Leiter der Abteilung Chemie an das neu gegründeten Kaiser-Wilhelm-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg berufen, dessen Direktor er 1937 wurde. Zugleich wurde er Honorarprofessor an der Universität Heidelberg. 1938 lehrte er als Gastprofessor für physiologische Chemie an der University of Pennsylvania in Philadelphia. Im gleichen Jahr gelang ihm die Synthese des Vitamins B6.
Kuhns Rolle im Dritten Reich wurde nach dem Ende des Nationalsozialismus sehr kritisch bewertet. So belegen historische Quellen, dass er 1933 jüdische Mitarbeiter entlassen und drei Jahre später seinen Kollegen, den Biochemiker Otto Fritz Meyerhof, bei der Verwaltung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft denunziert haben soll, der am Kaiser-Wilhelm-Institut noch drei nicht-arische Wissenschaftler beschäftigt hatte. Außerdem war Kuhn seit 1943 an der Erforschung von Nerven- und Giftgasen beteiligt. Zudem soll er über Menschenversuche der Nationalsozialisten informiert gewesen sein.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lehrte Kuhn in den Vereinigten Staaten und kehrte erst 1953 nach Deutschland zurück. Er wurde erneut Direktor am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung, das er bereits von 1937 bis 1945 geleitet hatte, als es noch Kaiser-Wilhelm-Institut hieß. Ab 1954 war er dort Vorsitzender der Chemisch-Physikalisch-Technischen Sektion. Darüber hinaus wurde er 1955 Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft.

Nobelpreis

Richard Kuhn leistete wesentliche Beiträge zur Erforschung und Aufklärung von Vitaminen. Zudem arbeitete er an Carotinoiden, jenen Substanzen, die praktisch in allen Organismen eine zentrale Rolle spielen. Viele seiner Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet fand er unabhängig und nahezu zeitgleich mit dem Schweizer Chemiker Paul Karrer, der für seine Forschungen bereits ein Jahr vor Kuhn mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet worden war. So gelang Kuhn die Aufklärung der Struktur der Vitamine A und B2.
Den ihm im Jahr 1938 zugesprochenen Nobelpreis Chemie konnte er jedoch erst zehn Jahre später entgegennehmen. Grund dafür war ein Erlass von Adolf Hitler, der allen Deutschen verbot, eine solche Ehrung anzunehmen.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften

Für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt Kuhn zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter die Louis-Pasteur-Medaille (1935), Cothenius-Medaille der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle (1937), Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main (1942), Emil-von-Behring-Preis der Universität Marburg (1944), Wilhelm-Exner Medaille (1952), Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preis sowie die Goldene Muckerjee-Medaille der Indian Association for the Cultivation of Science, Calcutta sowie den Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste (alle 1958), Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst sowie den Orden Cruzeiro do Sul der Brasilianischen Regierung (beide 1961) und außerdem das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1964) und die Hermann-Weigmann-Gedenkmünze, Kiel (1966).
Kuhn war Mitglied in vielen wissenschaftlichen Vereinigungen und Akademien, darunter der Akademie der Wissenschaften Heidelberg (1931), Indian Society of Biological Chemistry, Bangalore sowie Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (beide 1936), Société Philomatique de Paris à la Sorbonne sowie Polnische Chemische Gesellschaft, Warschau (beide 1939), National Institute of Sciences of India, New Delhi (1951), Japanese Biochemical Society, Tokio (1958) und die New York Academy of Sciences (1959).
Kuhn war Ehrendoktor der Universität Wien, der Technischen Hochschule in München (beide 1960) sowie der Universität von St. Maria, Brasilien (1961).

Zur Person

Richard Kuhn wurde am 3. Dezember 1900 als Sohn des kaiserlich-königlichen Hofrats und Ingenieurs Richard Kuhn und seiner Ehefrau Angelika, einer Volksschullehrerin, in Wien geboren. Er wurde zunächst von seiner Mutter privat unterrichtet und besuchte später die Volksschule sowie das Döblinger Gymnasium, wo er zwischen 1910 und 1918 mit dem späteren Nobelpreisträger Wolfgang Pauli in einer Klasse lernte.
Nach dem Abitur leistete er Militärdienst. 1928 heiratete Kuhn Daisy Hartmann. Das Paar bekam zwei Söhne und vier Töchter.
Bis zum Jahr 2005 verlieh die Gesellschaft Deutscher Chemiker die nach Kuhn bekannte Richard-Kuhn-Medaille, die 1968 von der BASF gestiftet worden war. Aufgrund von Kuhns kritisch zu bewertender Rolle im Dritten Reich entschloss sich der Vorstand der Gesellschaft, diese Ehrung nicht mehr zu vergeben.
In Kuhn Geburtsstadt Wien wurde im Jahr 1973 ein Weg nach ihm benannt.
Richard Kuhn starb am 31. Juli 1967 in Heidelberg.

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