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Press Release | Wednesday, 18. February 2004

Öffentliche Vorträge der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina

Zu den Themen "Diskriminierung und Toleranz: Ein Problem von Ungleichheit und Verschiedenheit zwischen Gruppen" (A. Mummendey, Jena) und "Wie Zellen ihr Schicksal festlegen: Die Entwicklung spezialisierter Zelltypen aus embryonalen Zellen und Stammzellen" (Th. Braun, Halle)

Termin: Dienstag, 24. Februar 2004, 16.30 Uhr
Ort: Vortragsgebäude der Akademie Leopoldina, Emil-Abderhalden-Straße 36, 06108 Halle (Saale)

  • Prof. Dr. Amélie Mummendey, Jena, Mitglied der Akademie: "Diskriminierung und Toleranz: Ein Problem von Ungleichheit und Verschiedenheit zwischen Gruppen"

    In Zeiten unbegrenzter Kommunikation, wirtschaftlicher Globalisierung und hoher sozialer Mobilität wird die Konfrontation mit kultureller Diversität zur Normalität, wird der Umgang mit Andersartigkeit alltägliche Notwendigkeit. Die sozialpsychologische Forschung beschäftigt sich seit langem mit Problemen von Beziehungen zwischen sozialen Gruppen. Allerdings hat sie ihr Augenmerk primär auf die Analyse negativer Aspekte und Formen gerichtet. Die Frage jedoch, ob und wie problemlose oder gar konstruktive Formen des Umgangs mit Andersartigkeit zu erreichen sind, erfordert die explizite Beschäftigung mit der Frage nach Rahmen und Bedingungen für Pluralität und Toleranz. Der Vortrag wird sich der Frage nach den Bedingungen für Diskriminierung und Toleranz zuwenden und auf der Grundlage eigener Forschungen Perspektiven für die Vereinbarkeit von Diversität und Gemeinschaft diskutieren.

    Amélie Mummendey
     hat in Bonn Psychologie studiert. Die Promotion erfolgte in Mainz (1970), die Habilitation in Münster (1974). Dort war sie danach wissenschaftlich weiter tätig, ab 1980 als C3-Professorin. Sie lehnte Rufe auf C4-Positionen nach Hamburg (1990) und nach Bonn (1993) ab und nahm 1997 den Ruf als Universitätsprofessorin für Sozialpsychologie (C4) an die Friedrich-Schiller-Universität Jena an. Forschungsinteressen: Kooperation und Konflikt zwischen sozialen Gruppen; Strategien zur Bewältigung von bedrohter oder negativer Identität.

    Amélie Mummendey war viele Jahre Mitglied des Wissenschaftsrats und zuletzt Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission (2000-2003). Sie ist Mitglied zahlreicher in- und ausländischer wissenschaftlicher und wissenschaftspolitischer Gesellschaften und Gutachter bzw. Herausgeber bedeutender internationaler Zeitschriften. Der Berufsverband Deutscher Psychologen, die Deutsche Gesellschaft für Psychologie und die Christoph Dornier Stiftung ehrten sie 2001 mit der Verleihung des Deutschen Psychologenpreises. Im Jahr 2001 wählte die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina Amélie Mummendey zum Mitglied (Sektion Empirische Psychologie und Kognitionswissenschaften).
  • Prof. Dr. Dr. Thomas Braun, Halle, Mitglied der Akademie: "Wie Zellen ihr Schicksal festlegen: Die Entwicklung spezialisierter Zelltypen aus embryonalen Zellen und Stammzellen"

    Während der Embryonalentwicklung kommt es zu einer fortschreitenden Spezialisierung von Zellen. Das Programm, dem die verschiedenen Zellarten folgen, entwickelt sich in der Regel aus einem Zusammenspiel induktiver Prozesse und zellautonomer Einflüsse, die in dem "molekularen Gedächtnis" einer jeden Zelle niedergelegt sind. Das Schicksal einiger Zelltypen, so z.B. von Skelettmuskelzellen, aber auch von Neuronen, wird von bestimmten Genen gesteuert, die über das Schicksal der Zellen entscheiden. In den letzten Jahren konnte eine Vielzahl von Genen identifiziert werden, die eine permissive oder instruktive Bedeutung für die Festlegung des Zellschicksals haben oder für eine gerichtete Verteilung von determinierten Zellen im Organismus verantwortlich zeichnen. Viele dieser Gene sind nicht nur für die ontogenetische Festlegung von Zellschicksalen verantwortlich, sondern spielen auch eine entscheidende Rolle bei Reparaturvorgängen im erwachsenen (adulten) Organismus, was zu einer Erneuerung oder Reparatur vieler Organe aus adulten Stammzellen führen kann. Das komplexe Wechselspiel der verschiedenen permissiv und instruktiv wirkenden Gene zu verstehen, ist das primäre Anliegen der Forschung von Thomas Braun, über die er in seinem Vortrag berichten wird. Sie ist gleichzeitig von größter Bedeutung für eine biomedizinische Forschung, die auf mögliche therapieorientierte Anwendungen abzielt.

    Thomas Braun 
    hat Medizin und Philosophie in Göttingen und Hamburg studiert und wurde mit einem humangenetischen Thema promoviert (1987). Neben wissenschaftlicher Tätigkeit in Hamburg erfolgten Forschungsaufenthalte an der Universität Oxford, beim Medical Research Council, Cambridge, UK, und am Whitehead Institute for Biomedical Research des MIT in Cambridge, USA. Nach der Habilitation in Hamburg (1993) forschte er am Institut für Biochemie und Biotechnologie der TU Braunschweig (1992-1997), von 1997 bis 1998 war er C3-Professor für Medizinische Strahlenkunde und Zellforschung am gleichnamigen Institut in Würzburg. Seit 1998 ist er Professor (C4) für Biochemie und Direktor des Instituts für Physiologische Chemie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Forschungsschwerpunkt: Differenzierung und Pathobiochemie von Muskelzellen.

    Thomas Braun ist seit 2000 Prodekan für Forschung und Struktur der Medizinischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg.Im Jahr 2001 wählte die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina Thomas Braun zum Mitglied (Sektion Humangenetik und Molekulare Medizin).

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