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Press Release | Friday, 23. May 2003

Öffentliche Vorträge der Leopoldina

Zu den Themen "Angeborene Immunität: Die Abwehrmechanismen der Fruchtfliege Drosophila" (J.A. Hoffmann, Straßburg) und "Stammzellen in der Reproduktionsmedizin – Möglichkeiten und Grenzen" (W. Holzgreve, Basel)

Termin: Dienstag, 27. Mai 2003, 16.30 Uhr
Ort: Vortragsgebäude der Akademie Leopoldina, Emil-Abderhalden-Straße 36, 06108 Halle (Saale)

  • Prof. Dr. Jules A. Hoffmann, Straßburg, Mitglied der Akademie: "The Drosophila Host Defense: A Paradigm for Innate Immunity"

    Zur Abwehr von Krankheitserregern hat der Mensch verschiedene Mechanismen entwickelt. Weiße Blutzellen können Eindringlinge (Fremdkörper, Bakterien, Mikroben) verschlingen und zersetzen. Im Blutplasma befinden sich aber auch Eiweiße (Proteine), die zum Komplementsystem gehören, welche, durch Eindringlinge aktiviert, in einer Kaskade von hintereinander geschalteten Reaktionen zusammenspielen, um die Eindringlinge zu erfassen und zu zerstören. Insekten besitzen kein Komplementsystem. Wie sie sich stattdessen gegen Mikroben wehren, ist Gegenstand des Vortrags von Jules A. Hoffmann. Seinen bahnbrechenden Arbeiten der vergangenen zehn Jahre ist es zu verdanken, dass sich die Fruchtfliege Drosophila zum Modellobjekt bei der Erforschung angeborener Immunität entwickelt hat. Hoffmann wird in seinem Vortrag ausführen, welche Peptide (kleine Eiweiße) die Fruchtfliege Drosophila nach dem Eindringen von Pilzen oder Bakterien produziert, durch die sie resistent gegenüber diesen Mikroben wird. Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.
  • Prof. Dr. med. Dr. h.c. Wolfgang Holzgreve, Basel, Mitglied der Akademie: "Stammzellen in der Reproduktionsmedizin – Möglichkeiten und Grenzen"

    Beim Blutkrebs (Leukämie) werden auf Grund einer Veränderung des Erbmaterials einzelner Zellen weiße Blutkörperchen unkontrolliert im Übermaß produziert, die anschließend normale Blutzellen verdrängen. Warum Leukämie auftritt und warum der Körper die veränderten Zellen nicht erkennt, ist in vielen Fällen unklar. Eine mögliche Therapie der Leukämie ist die Stammzelltransplantation. Stammzellen haben die Fähigkeit, in alle Zellen des Blutes auszureifen. Über viele Jahre war die Entnahme von Knochenmark aus geeigneten Spendern die wichtigste Quelle zur Gewinnung von Stammzellen. Wolfgang Holzgreve wird in seinem Vortrag erläutern, dass Nabelschnurblut, welches bei der Geburt aufgefangen werden kann, besonders reich an Stammzellen ist und sich für die Behandlung Leukämie-Kranker bestens eignet. Im Prinzip lassen sich diese Stammzellen auch konservieren, um sie bei späterer Erkrankung dem Spender zurückgeben zu können, eine wissenschaftlich wie ethisch neue Herausforderung für den Mediziner. Stammzelltransplantationen werden aber auch seit kurzem erfolgreich vor der Geburt (in- utero) angewendet, um angeborene schwere Erkrankungen des Immunsystems zu behandeln.
  • Zu den Referenten:

    Jules A. Hoffmann
    hat in Straßburg Biologie studiert. Seine Postdoktorandenzeit hat er in Marburg bei Professor Peter Karlson verbracht. Er ist Direktor des Instituts für Molekular- und Zellbiologie des CNRS (CENTRE NATIONAL DE LA RECHERCHE SCIENTIFIQUE) in Straßburg, seit 1990 Directeur de Recherche de classe exceptionnelle des CNRS und derzeit Präsident des Nationalkomitees für Forschung des CNRS. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen auf der Erforschung der Biochemie der Häutungshormone von Insekten. Er konnte als Erster zeigen, dass, wie bei Säugetieren, auch bei Insekten mütterliche Hormone die Embryonalentwicklung beeinflussen. Durch seine Arbeiten hat sich die Fruchtfliege Drosophila zum Modellobjekt bei der Erforschung angeborener Immunität entwickelt. Hoffmann erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise, u.a. den Sandoz-Wander-Preis (1978), den Pergamon Preis (1980), den Alexander von Humboldt-Forschungspreis (1984), den Grand Prix Joannidès de l’Académie des Sciences, Paris, (1992) und den William B. Coley Price, Cancer Research Institute, USA, (2003). Im Jahr 1988 wählte die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina Jules A. Hoffmann zum Mitglied (Sektion Genetik/Molekularbiologie und Zellbiologie).

    Wolfgang Holzgreve
    studierte Humanmedizin in Münster und absolvierte seine Facharztausbildung an der Frauenklinik in Münster, unterbrochen von einem längeren Forschungsaufenthalt am Department of Obstetrics, Gynecology and Reproductive Sciences der University of California in San Francisco. 1991 übernahm er in Münster eine C3-Professur für Frauenheilkunde, seit 1995 ist er Ordinarius für Geburtshilfe an der Universitäts-Frauenklinik in Basel. Zu seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten zählt die vorgeburtliche Diagnostik, die versucht, Missbildungssyndrome und Störungen der Geschlechtsdifferenzierung pränatal zu erfassen. Er hat diese diagnostischen Verfahren immer weiter präzisiert und verfeinert. Ziel ist es, angeborene Fehlbildungen frühzeitig zu erkennen, und er hat dazu auch ein Patent erworben. Holzgreve hat vielfältige Auszeichnungen erhalten. Er ist u.a. Träger des Forschungspreises der Haackert-Stiftung zur Förderung der Pränatalen Medizin (1993) und erhielt die Ehrendoktorwürde der Medizinischen Universität Debrecen, Ungarn (1994). Im Jahr 2001 wählte die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina Wolfgang Holzgreve zum Mitglied (Sektion Gynäkologie und Pädiatrie).

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