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Press Release | Wednesday, 19. March 2003

Öffentliche Vorträge der Leopoldina

Zu den Themen "Biologie und Evolution der Blüten basaler Blütenpflanzen" (P. K. Endress, Zürich) und "Die Analyse genetisch komplexer Krankheiten" (P. Propping, Bonn)

Termin: Dienstag, 25. März 2003, 16.30 Uhr
Ort: Vortragsgebäude der Akademie Leopoldina, Emil-Abderhalden-Straße 36, 06108 Halle (Saale)

  • Zu den Vorträgen:

Prof. Dr. Peter K. Endress, Zürich, Mitglied der Akademie
Biologie und Evolution der Blüten basaler Blütenpflanzen

Blüten sind wichtiger in unserem Leben, als wir uns oft bewusst werden lassen. Sie sind nicht nur schön, sondern sind, in Form der Früchte, unser tägliches Brot. Ein rasch sich entwickelnder Forschungszweig, die molekulare Entwicklungsbiologie bei Pflanzen, konzentriert sich auf Blüten. So kommt es, dass man zunehmend mehr weiß über die Blüten weniger Modellpflanzen, wie Arabidopsis und Löwenmäulchen. Dies ist allerdings nur ein winziger Ausschnitt aus der ungeheuren Vielfalt der Blütenpflanzen; zudem sind diese Modellpflanzen Vertreter stammesgeschichtlich jüngerer Gruppen innerhalb der Blütenpflanzen. Aber wie müssen wir uns ursprüngliche Blüten vorstellen? Eine Antwort darauf gibt ein anderes, ebenso erfolgreiches Forschungsgebiet, die molekulare Systematik der Pflanzen, die in den letzten Jahren den Stammbaum der Blütenpflanzen in manchen Bereichen erhellen konnte. Insbesondere gelang es, die basalsten Äste des Stammbaumes zu identifizieren. Zudem erweitern gut erhaltene fossile Blüten aus der Anfangszeit der Blütenpflanzen, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten entdeckt wurden, unser Weltbild. Relikte dieser basalen Äste, die heutzutage lebend vor allem noch im westpazifischen Gebiet vorkommen, waren bis in die jüngste Zeit relativ wenig beachtete und wenig bekannte Pflanzen. Peter Endress wird in seinem Vortrag erläutern, welchen Beitrag diese Pflanzen zur frühen Evolution der Blüten beitragen. Er wird schlussfolgern, dass das, was noch bis vor kurzem über die Evolution der Blütenpflanzen in unseren Lehrbüchern stand, gründlich revidiert werden muss.


Prof. Dr. Peter Propping, Bonn, Mitglied der Akademie
Die Analyse genetisch komplexer Krankheiten

Erkrankungen, die auf die Veränderung (Mutation) eines einzigen Gens zurückzuführen sind (monogene Krankheiten), sind in den vergangenen 25 Jahren intensiv erforscht worden, die Aufklärung der genetischen Grundlage dieser monogen erblichen Merkmale und Krankheiten ist eine Erfolgsgeschichte der Humangenetik. Bisher konnten über 1700 monogen erbliche Krankheiten – die meisten von ihnen sind in der Bevölkerung selten – auf Veränderungen in einzelnen Genen zurückgeführt werden. Eine derartige Krankheit ist Folge einer schweren Funktionsstörung, die vom Organismus nicht kompensiert werden kann. Viele Krankheiten, insbesondere die in der Bevölkerung häufig auftretenden wie Diabetes mellitus, Hypertonie, Epilepsie, seelische Krankheiten, sind zwar auch durch genetische Faktoren mitbedingt, können aber nicht allein dadurch erklärt werden. Diese Krankheiten kommen durch die Kombination der Wirkung mehrerer Gene, deren Wechselwirkung, Erbe-Umwelt-Interaktion und durch äußere Einflüsse zustande. Peter Propping wird in seinem Vortrag anhand der Analyse seelischer Krankheiten (manisch-depressive Krankheit, Schizophrenie) darstellen, mit welchen Methoden man die Grundlagen genetisch komplexer Krankheiten bearbeiten kann und was über die Ursachen bisher bekannt ist. Die Aufklärung der Krankheitsursachen kann neue Ansätze für die Behandlung und Prävention vermitteln, auf die man ohne das Ursachenverständnis nicht gekommen wäre. 

  • Zu den Referenten:

Peter Endress hat seine akademische Laufbahn an der Universität in Zürich absolviert, dort das Diplom als Naturwissenschaftler erhalten, promoviert und sich am Institut für Systematische Botanik habilitiert. Danach wurde er außerplanmäßiger Professor und 1987 Ordinarius. Zahlreiche Forschungsreisen haben ihn in fast alle Erdteile geführt. Neben längeren Studienaufenthalten in allen großen Herbarien in den USA sind Exkursionen und Expeditionen in Nordafrika, Zentralamerika, Neu Guinea, Neu Kaledonien und Australien erwähnenswert. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte sind die Evolution der Blütenpflanzen und ihre Erforschung anhand der Reproduktionsorgane. Endress ist Mitglied in zahlreichen nationalen wie internationalen Gesellschaften, war Vizepräsident (1991-1993) und Präsident (1994-1996) der Schweizerischen Botanischen Gesellschaft, ist der erste Preisträger des Rolf Dahlgren Preises der Royal Physiographical Society of Lund (1990) und ist Korrespondierendes Mitglied der Botanical Society of America (1992). Im Jahr 2000 wählte die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina Endress zum Mitglied (Sektion Organismische und evolutionäre Biologie). 

Peter Propping hat an der Freien Universität Berlin Humanmedizin studiert und promoviert, sich an der Universität Heidelberg für das Fach Humangenetik habilitiert, war als Heisenberg-Stipendiat für psychiatrische Genetik am Institut für Humangenetik in Heidelberg und gleichzeitig am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim tätig, bevor er eine C4-Professur für Humangenetik an der Universität Bonn übernahm (1984). Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen seither auf der Analyse genetisch komplexer Krankheiten wie der Genetik erblicher Krebserkrankungen, der Genetik idiopathischer Epilepsien bzw. genetischer Veränderungen als Ursache geistiger Behinderungen. Propping ist Mitglied im Beirat internationaler Zeitschriften und betätigt sich in der akademischen und berufsständischen Selbstverwaltung. Er ist u.a. Sprecher des Graduiertenkollegs "Pathogenese von Krankheiten des Nervensystems" (seit 1996), Koordinator des nationalen Verbundprojektes "Familiärer Darmkrebs" der Deutschen Krebshilfe (seit 1999), Mitglied im Nationalen Ethikrat (seit 2001) und Prodekan der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn (seit 2001). Im Jahr 2001 wählte die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina Propping zum Mitglied (Sektion Humangenetik und Molekulare Medizin).

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