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Mobilitätswende schnell einleiten

Mobilitätswende schnell einleiten

Foto: AdobeStock / Givaga

Der Verkehr trägt mit rund 20 Prozent wesentlich zu den CO2-Emissionen Deutschlands bei, Tendenz steigend. Der Straßenverkehr läuft noch fast ausschließlich mit fossilen Brennstoffen. Herkömmliche Verbrennungsmotoren haben einen niedrigeren Wirkungsgrad als Elektromotoren und stoßen zudem CO2 aus. Beim Personen- und Gütertransport werden nur 19 Prozent bzw. 25 Prozent durch umweltfreundliche betriebene Transportmittel erbracht.

Alle Statistiken deuten darauf hin, dass die Mobilität weiter steigt, sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr. Dadurch sind diese Bereiche besonders wichtig. Über drei konzeptionelle Hebel sollte die CO2-Emission im Verkehr reduziert werden: vermeiden, verlagern, effizienter machen.

Verkehr vermeiden

Die weiten Logistikketten sind heute nur möglich, weil Transportleistungen zu billig sind und den Umweltverbrauch nicht hinreichend berücksichtigen. Der weltweite Verkehr in internationalen Logistikketten muss reduziert werden, z.B. durch Förderung regionaler Produktionsverbünde.

Der urbane Lieferverkehr verursacht zunehmend Emissionen in den Städten. Durch optimierte Logistikkonzepte, polyzentrische Einkaufsgebiete und über den öffentlichen Nahverkehr und verbesserte Fahrradinfrastrukturen angebundene Handels- und Dienstleistungen kann der Verkehr reduziert werden. Die Stadtentwicklung muss an die veränderten Lebens- und Mobilitätsgewohnheiten der Menschen angepasst werden, um mittel- bis langfristig insbesondere den individuellen Kurzstreckenverkehr zu reduzieren, ohne gleichzeitig die Mobilitätsansprüche einzuschränken. Eine fahrrad- und fußgängerfreundliche Infrastruktur ist immer noch das beste Mittel. Es hilft gegen klimaschädliche Emissionen, gesundheitsschädliche Feinstaub- und Stickoxidbelastungen sowie den städtischen Flächenverbrauch

Der Flug- und Schiffsverkehr ist für Klima und Umwelt besonders belastend. So fahren Schiffe zumeist noch mit Schweröl und haben keine Abgasreinigung, wie sie im Straßenverkehr üblich ist . Flugzeuge stoßen sehr viel CO2 aus und tun dies zudem in großen Höhen, wodurch der Treibhauseffekt erhöht ist. Der internationale Flugverkehr ist über entsprechende Abkommen mittelfristig zu regeln.

Verkehr verlagern

Ein größerer Anteil des Personen- und Gütertransports sollten von der Straße auf die Schiene und im urbanen Nahraum auf das Fahrrad verlagert werden. Der öffentliche Personennah- und Fernverkehr und der Gütertransport auf der Schiene müssen massiv ausgebaut und qualitativ verbessert werden. Der heutige Anteil der Schiene an der Gesamtverkehrsleistung ist viel zu niedrig.

Verkehr effizienter machen

Im motorisierten Straßenverkehr ist eine Umstellung auf stark hybridisierte und batterieelektrische Fahrzeuge insbesondere im Nahverkehr geboten.  Schnelle Veränderungen können nur durch eine massive Elektrifizierung im Straßenverkehr erreicht werden. Hierzu existieren verschiedene Ansätze. Die Elektrifizierung im Verkehr macht allerdings nur Sinn in Verbindung mit einem zunehmend regenerativen Energiesektor. Nur wenn der verwendete Strom aus regenerativen Quellen kommt, kann sich die CO2-Bilanz verbessern. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen (insbesondere „überschüssige“ Solar- und Windenergie) und der Aufbau neuer Power-to-Gas- oder Power-to-Liquid-Technologien sind hier besonders gefordert.

Brennstoffzellen-Antriebe könnten in Zukunft eine Alternativtechnologie werden: Sie lassen sich mit grünem Wasserstoff betreiben, hergestellt über Elektrolyse aus elektrischem Strom und Wasser. Noch benötigt das die 2 bis 2,5-fache Primärenergie im Vergleich zu batterieelektrischen Fahrzeugen. Speicher für gasförmigen Wasserstoff stehen heute schon zur Verfügung. In Erprobung sind alternative flüssigkeitsbasierte Speicher, wie beispielsweise die aussichtsreiche LOHC-Technologie (Liquid Organic Hydrogen Carrier, ein flüssiges Speichermaterial für Wasserstoff). Eine erhöhte Produktion von erneuerbaren Kraftstoffen aus Biomasse und biogenen Prozessen ist nur sinnvoll, wenn es gelingt, ökonomisch und ökologisch verträglich Reststoffe als Ressourcen einzusetzen oder gänzlich neue halbsynthetische Verfahren erfolgreich voranzutreiben.

Bei der Neuzulassung von Fahrzeugen sollten umgehend strengere CO2-Emissions-Auflagen gelten. Um die Bevölkerung für den Umstieg zu motivieren, braucht es verschiedene Maßnahmen, z.B., dass die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge ausgebaut und der urbane Liefer- und ÖPNV-Verkehr auf Elektrofahrzeuge umgestellt wird. Elektrofahrzeuge bekommen mehr Parkplätzen und freie Fahrt durch reservierte Fahrspuren. Es braucht auch eine vernetzte und sichere Fahrradinfrastruktur. Die öffentliche Hand sollte bei der Umstellung der Fahrzeugflotten mit gutem Beispiel vorangehen.

Alle Maßnahmen, die im Verkehrsbereich dem Klimaschutz dienen, sind gleichzeitig Maßnahmen zur Förderung der Luftreinhaltung und der Gesundheit. Maßnahmen, die den Ausstoß von CO2 und anderen Klimagase reduzieren, führen in der Regel auch zu einer Abnahme anderer gesundheitsschädlicher Stoffe, insbesondere dem Feinstaub. Klimaschutz ist so auch Gesundheitsschutz.

Weitere Informationen

Arbeitsgruppe Klimaziele 2030

Arbeitsgruppe Grenzwerte der Luftverschmutzung

Stellungnahme „Saubere Luft – Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen“ (2019)

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