BEGIN:VCALENDAR
VERSION:2.0
PRODID:https://github.com/derhansen/sf_event_mgt
METHOD:PUBLISH
BEGIN:VEVENT
UID:1325-96@www.leopoldina.org
CLASS: PUBLIC
SUMMARY:Die Neurobiologie der Schizophrenie: Eine progressive Enzephalopath
 ie oder eine Störung der regenerativen Kapazität des zentralen Nervensystem
 s
DESCRIPTION:Monatssitzung der LeopoldinaVortragsgebäude der AkademieEmil-Ab
 derhalden-Str. 36, 06108 Halle (Saale)Mit der Einführung des Krankheitsbild
 es Schizophrenie von Kraepelin, die er Dementia precox nannte, wurde der Gr
 undstein gelegt zu der Vorstellung, dass es grundsätzlich mit einer schlech
 ten Prognose verbunden sei, und dass ihm ein neurodegenerativer Prozess zug
 runde liege. So gibt es eine recht konsistente Literatur auf der Grundlage 
 bildgebender Verfahren, die eine Reduktion des Gehirnvolumens im Verlauf de
 r Erkrankung nahelegen. Andererseits bestätigen systematische postmorten-Un
 tersuchungen eine subtile Aktivierung der Mikroglia, geben aber keine Hinwe
 ise auf einen klassisch degenerativen Prozess. Weder kommt es zu einem sign
 ifikanten Verlust von Makroneuronen, noch zu einer signifikanten Erhöhung d
 er Astroglia. Wir haben dieses Phänomen selber systematisch für den Hippoka
 mpus untersucht, der bei der Schizophrenie eine signifikante Volumenredukti
 on zwischen 5 und 10% aufweist. Ist diese Volumenreduktion nicht auf einen 
 Neuronenverlust zurückzuführen, so sind logischerweise hierfür nicht-neuron
 ale Prozesse, d.h. eine Reduktion der Dendriten, Axone oder synaptischer Pr
 oteine anzuschuldigen. Unter der Vorstellung, dass dem Volumenverlust nicht
  eine irreversible sondern eine reversible Veränderung zugrunde liegt, habe
 n wir eine kontrollierte Studie bei Patienten mit einer chronischen Schizop
 hrenie durchgeführt, die für 3 Monate wöchentlich á 30 Minuten auf dem Fahr
 radergometer trainieren mussten und verglichen diese mit zwei Kontrollgrupp
 en, zum einen einer Kontrollgruppe bestehend aus schizophrenen Patienten, d
 ie 3mal pro Woche 30 Minuten Tischfussball spielten und einer zweiten Kontr
 ollgruppe aus gesunden Probanden, die ebenfalls fahrradergometrisch trainie
 rten. In der Gruppe der Patienten, die mit dem Fahrradergometer trainierten
  fand sich, dass die Volumenreduktion des Hippokampus wettgemacht werden ko
 nnte und, dass das hiermit assoziierte kognitive Defizit sich besserte. Par
 ameter aus der Magnetresonanzspektroskopie (NAA/Kreatin-Verhältnis) wiesen 
 daraufhin, dass dieses 3monatige Fahrradergometertraining zu einer Verbesse
 rung der neuronalen Integrität führt, das in der Literatur mit einer Verbes
 serung der neuronalen Plastizität erklärt wird.Zusammengefasst weisen unser
 e Untersuchungen in den letzten Jahren daraufhin, dass die Schizophrenie ni
 cht, wie ursprünglich angenommen, eine primär degenerative Erkrankung ist, 
 sondern vielmehr Mechanismen gestört sind, die die Regenerationsfähigkeit d
 es menschlichen Gehirns gewährleisten. Genexpressionsstudien in unserem Lab
 or weisen darauf hin, dass möglicherweise dieser Dysfunktion eine Störung v
 on immunmodulatorischen Genen zugrunde liegt, die auch an der Steuerung der
  synaptischen Plastizität beteiligt sind.
LOCATION:Halle (Saale)
DTSTAMP:20251112T170935Z
DTSTART:20100222T230000Z
END:VEVENT
END:VCALENDAR
