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SUMMARY:Geist – Gehirn – Genom – Gesellschaft
DESCRIPTION:Wir stehen an der Schwelle zu einem neuen Bild von uns selbst, 
 ein zukünftiges Bild, das momentan nur in ganz vagen Zügen zu erkennen ist.
  Während wir noch diskutieren, inwieweit Geist und Gehirn zwei Seiten der g
 leichen Medaille sind, entstehen genetische Erklärungsmodelle, die die geis
 tigen Merkmale mit einem kleinen Umweg über das Gehirn durch genotypische F
 aktoren zu erklären versuchen. Zeitgleich zeigt die Epigenetik, wie gesells
 chaftliche Ereignisse die Auswahl derjenigen Gene verändern, die tatsächlic
 h in einem Organismus zum Einsatz kommen. Letztendlich beschreibt die Epige
 netik somit einen der vielen Pfade, mit denen gesellschaftliche Faktoren al
 s synaptische Gewichte materialisiert zu einem Teil unseres Denkens und Han
 delns werden. Doch wie resultiert das Individuum aus der Ko-Konstruktion vo
 n Geist, Gehirn, Genom, und Gesellschaft?Die individuelle Architektur von K
 ognition, Affekt, Handeln lässt sich weder allein aus der Neurobiologie noc
 h allein aus kulturellen Faktoren ableiten. Der menschliche Geist resultier
 t vielmehr aus dem Wechselspiel von Gehirn und Gesellschaft. An diesen dual
 en Interaktionsprozess haben wir uns gewöhnt. Nun müssen wir in diese Ko-Ko
 nstruktion aber auch die genetischen Faktoren inkorporieren, die mit rasend
 er Geschwindigkeit neue Erkenntnisse schaffen, aber auch gänzlich neue Frag
 en aufwerfen. Wir kennen die Sequenz des menschlichen Genoms mit seinen übe
 r drei Milliarden Basen, aber auch diejenige von Hefe und vielen anderen Or
 ganismen. Wir können heute ein Hefe-Gen durch ein menschliches ersetzen; di
 e Hefe kann damit leben. Wir können Organismen neue Eigenschaften verleihen
 , etwa Mais gegen Schädlinge schützen oder die Wirksamkeit zellulosebasiert
 er Spritproduktion (E10) steigern. Wir beginnen Erbkrankheiten zu verstehen
 , zum Beispiel Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und Chorea Huntington, und 
 können genetische Risikofaktoren für verschiedene Arten von Krebs einschätz
 en. Der Zugriff auf die eigenen spezifischen Basensequenzen ist mit weniger
  als tausend Euro bald für viele möglich. Wir können die Gene unserer poten
 tiellen Nachkommen ermitteln aber sollten wir sie unter bestimmten Randbedi
 ngungen selektieren dürfen? Sollten wir Ausnahmen erlauben, etwa um bestimm
 te Erbkrankheiten auszulöschen? Und wie gehen wir mit dieser Diskussion um,
  wenn wir die genetischen Mechanismen psychischer Prädispositionen entschlü
 sselt haben?Mittlerweile muss die Trias aus Geist, Gehirn und Genom um die 
 Epigenetik erweitert werden, die die gesellschaftlichen Faktoren wieder stä
 rker in den Fokus rückt. Die ersten Untersuchungen an Menschen belegen, was
  wir aus den epigenetischen Forschungen am Tier schon seit einer Dekade wis
 sen: die Auswahl der tatsächlich exprimierten Gene wird durch unsere Umwelt
  verändert, eine Regulation, die bereits im Mutterleib beginnt. Wir können 
 beispielsweise die Wahrscheinlichkeit ermitteln, mit der die Mutter eines 1
 0-jährigen während ihrer Schwangerschaft fortgesetzter Gewalt ausgesetzt ge
 wesen war. Dann nämlich wird aus dem gleichen Genom ein anderer Mensch mit 
 einer anderen Stressachse, einem anderen Gehirn konstruiert, in dem sich ei
 n anderer Geist beheimaten wird. Die Genexpression gerade im neuronalen Ber
 eich wird durch psychosoziale Bedingungen moduliert. Somit verändern wir ph
 ysisch unsere Gehirne sowie die der folgenden Generationen durch Veränderun
 gen der Umwelt. Sind wir uns dieser Konsequenzen bewusst?Das 4G-Netzwerk „G
 eist, Gehirn, Genom und Gesellschaft“ schafft Probleme und Möglichkeiten, d
 eren Tragweite wir momentan nur erahnen können. Aber in seinem Kern stellt 
 dieses Netzwerk mit neuen Erkenntnissen eine der ältesten Fragen der Mensch
 heit: wie wurde ich zu der Person, die ich bin?\n\nFoto: © Elke Vogelsang\n
 \nWeitere Informationen\n\nProgramm und Abstracts der Vorträge\n\nThinking,
  Fast and Slow - Abendvortrag des Nobelpreisträgers Daniel Kahneman\n\n„Arm
  anhexen“ – welche Illusionen schafft das Gehirn? (Video bei YouTube)
LOCATION:Halle (Saale)
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