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Andrea Bréard erhält Alexander von Humboldt-Professur

Andrea Bréard erhält Alexander von Humboldt-Professur

Prof. Dr. Dr. Andrea Bréard
Foto: Gudrun-Holde Ortner

Die deutsche Sinologin und Mathematikerin Andrea Bréard ist mit der Alexander von Humboldt-Professur 2020 ausgezeichnet worden. Der höchstdotierte Forschungspreis Deutschlands wurde ihr pandemiebedingt erst am 12. Mai 2022 bei einer Veranstaltung in Berlin überreicht. Mit ihrer Forschung leistet Andrea Bréard einen wichtigen Beitrag zu einer dezentralisierten Wissenschaftsgeschichte und zum Verständnis kultureller und politischer Bedingungen. Seit 2021 ist sie Mitglied der Leopoldina in der Sektion Wissenschafts- und Medizingeschichte.

Die Forschung der Sinologin und Mathematikerin findet an den Schnittstellen beider Disziplinen statt. Das Hauptaugenmerk ihrer Arbeit liegt insbesondere auf der chinesischen Mathematik vom späten imperialen Zeitalter bis ins 20. Jahrhundert. Mit ihrem Team untersucht Bréard außerdem die Rolle der Quantifizierung in Wissenschaft, Staat und Gesellschaft in Hinblick auf deren transnationale und konzeptuelle Verstrickungen im modernen China. So beschäftigt sie sich zum Beispiel mit der Frage, durch welche sozialen und politischen Kontexte die Konstruktion und Legitimation statistischer Zahlen geprägt sind – nicht nur in Form eines mathematischen Beweises, sondern auch kulturtechnisch im Sinne einer Einbettung in Narrative. Sie übersetzt einschlägige Quellentexte in westliche Sprachen und auf Chinesisch und stellt diese in kritisch kommentierten Editionen einem wissenschaftshistorisch interessierten Publikum zur Verfügung.

Andrea Bréard studierte Mathematik und Informatik an der Technischen Universität München. Nach ihrem Diplom folgte 1992 ein Studium der Wissenschaftsgeschichte an der Fudan University in Shanghai/China. 1997 wurde sie an der Technischen Universität Berlin in Philosophie, Kommunikations- und Geisteswissenschaften promoviert.  Ein Jahr später erhielt sie ihre Promotion an der Université Paris Diderot/Frankreich in Epistemologie und Wissenschaftsgeschichte. Nach einem Forschungsaufenthalt am Department of Mathematics der City University of New York/USA und während ihrer Zeit als Professorin an der Université de Lille/Frankreich (2005 – 2017) habilitierte sie sich 2008 an der Technischen Universität Berlin. Zwischen 2009 und 2012 war sie zudem Professorin am Department of Humanities and Social Sciences der École Polytechnique in Palaiseau/Frankreich. 2014 und von 2017 bis 2018 nahm sie Vertretungsprofessuren in der Sinologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Goethe-Universität Frankfurt am Main wahr. Zwischen 2017 und 2021 war sie Professorin für Wissenschaftsgeschichte an der Faculté des Sciences d’Orsay der Université Paris-Saclay, Orsay/Frankreich und 2019 sowie 2020 Gastprofessorin an der School of Statistics der Renmin University of China in Peking/China. Seit letztem Jahr hat Andrea Bréard die Humboldt-Professur für Sinologie mit Schwerpunkt Geistes- und Kulturgeschichte Chinas am Institut für Sprachen und Kulturen des Nahen Ostens und Ostasiens der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg inne.

Die Humboldt-Professuren gelten als Deutschlands höchstdotierter internationaler Forschungspreis Deutschlands. Hiermit zeichnet die Alexander von Humboldt-Stiftung führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Fachdisziplinen aus, die im Ausland tätig sind. Mit Hilfe des Preisgeldes von bis zu fünf Millionen Euro über fünf Jahre soll ihnen eine langfristige Perspektive für ihre Forschung in Deutschland geboten werden.