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Erin Schuman erhält Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft

Erin Schuman erhält Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft

Prof. Dr. Erin Schuman
Foto: private source

Für ihre Forschungen zur Funktionsweise von Neuronen, die sie zu einer Pionierin der Neurobiologie gemacht haben, wird die US-amerikanische Hirnforscherin Erin Schuman mit dem Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft geehrt. Mit einem Preisgeld in Höhe von einer Million Euro gilt dieser als einer der höchstdotierten Forschungspreise weltweit. Erin Schuman ist Direktorin am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und seit 2017 Mitglied der Leopoldina in der Sektion Biochemie und Biophysik.

Erin M. Schumans wissenschaftliche Arbeit hat das Ziel, die Funktionsweise des Gehirns und des menschlichen Gedächtnisses besser zu verstehen. Sie konzentriert sich dabei auf die neuronalen Verknüpfungen im Nervensystem, die sogenannten Synapsen. Eine einzelne Nervenzelle kommuniziert über bis zu 200.000 Synapsen mit Sinneszellen, Muskelzellen, Drüsenzellen oder anderen Nervenzellen. Diese Interaktionen wären ohne eine Vielzahl von Proteinen als Botenstoffe nicht denkbar. Erin Schuman konnte zeigen, dass die Neubildung dieser Proteine in Nervenzellen nicht nur, wie in anderen Zelltypen, im Zellkörper stattfindet. In Nervenzellen verteilen sich alle Strukturen, die für die Neubildung von etwa 250 Millionen Proteinmolekülen am Tag benötigt werden – von kleinen Proteinfabriken (Ribosomen) bis hin zu den nötigen Informationen und Bauplänen (Boten-RNAs) – überall in der Zelle. Eine besondere Häufung der Eiweißfabriken wies Schuman in der Nähe der Synapsen nach. Ihre Arbeit zeigt, wie die Nervenzelle ihre logistische Aufgabe bei der Bildung von bis zu 2.000 unterschiedlichen Botenstoffen meistert: durch ein dezentralisiertes System der Proteinsynthese in der Nähe der Orte, wo der Umsatz der Proteine stattfindet. Nur so können Nervenzellen ihre hauptsächliche Aufgabe erfüllen: Informationen in Form von Gedächtnis zu speichern. Perspektivisch könnte Schumans Grundlagenforschung auch in der Medizin zum Einsatz kommen, da es zunehmend Hinweise darauf gäbe, „dass viele Hirnkrankheiten letztlich Erkrankungen der Synapsen sind“, sagte Schuman im Interview mit der Körber-Stiftung.

Erin Schuman studierte Psychologie und wurde 1990 an der Princeton University/USA in Neurowissenschaften promoviert. Nach ihrer Postdoc-Ausbildung an der Stanford University in Stanford/USA wechselte sie 1994 zur Biologie-Fakultät am California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena/USA und wurde außerdem als Forschungsbeauftragte des Howard Hughes Medical Institute berufen. 2009 folgte der Wechsel nach Europa, wo sie seitdem Direktorin am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main ist und seit 2015 bzw. 2021 zudem Professuren an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Radboud Universiteit in Nijmegen/Niederlande innehat. Darüber hinaus ist Erin Schuman in einer Vielzahl wissenschaftlicher Gesellschaften und Gremien aktiv, etwa in den Scientific Advisory Boards des Biozentrums (BZ) Basel/Schweiz, des Institut Jacques Monod in Paris/Frankreich oder des NTNU Kavli Institute for Systems Neuroscience in Trondheim/Norwegen. Bereits vor Erhalt des Körber-Preises wurde sie mit verschiedenen Auszeichnungen geehrt, etwa 2023 mit dem Brain Prize der Lundbeck Foundation in Kopenhagen/Dänemark oder 2020 mit dem Louis-Jeantet Prize for Medicine der Louis-Jeantet Foundation in Genf/Schweiz. Zudem ist Schuman Mitglied in der American Academy of Arts and Sciences/USA oder der National Academy of Sciences/USA sowie auswärtiges Mitglied der Royal Society/UK und gehört bereits seit 2017 der Academia Europaea sowie der Leopoldina als Mitglied an.

Mit dem mit einer Million Euro dotierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft erhält Erin Schuman nun einen der höchstdotierten Forschungspreise weltweit. Die Körber-Stiftung würdigt damit jährlich herausragende und in Europa tätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für innovative und vielversprechende Forschungsarbeiten in den Life und Physical Sciences. Erst im letzten Jahr erhielt Informatikerin und Leopoldina-Mitglied Cordelia Schmid den Körber-Preis und bereits zuvor wurden mehrfach Leopoldina-Mitglieder mit dieser Auszeichnung geehrt – unter anderen Anthony Hyman (2022), Bernhard Schölkopf (2019) sowie die späteren Nobelpreisträger Svante Pääbo (2018) und Stefan Hell (2011).