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Jürgen Heinze erhält die Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille 2021

Jürgen Heinze erhält die Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille 2021

Prof. Dr. Jürgen Heinze

Der Verhaltens- und Evolutionsbiologe Jürgen Heinze ist mit der Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille 2021 geehrt worden. Er erhält den Wissenschaftspreis der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG) für seine wissenschaftlichen Arbeiten zum Verhalten und der Evolution sozialer Insekten sowie seinen Einsatz für die zoologische Forschung im Allgemeinen. Die Auszeichnung gilt als bedeutendster Wissenschaftspreis der Zoologie im deutschsprachigen Raum und ist mit 10.000 Euro dotiert.

Jürgen Heinze erforscht staatenbildende Insekten, insbesondere die Evolution von Gruppenstrukturen und Fortpflanzungstaktiken bei Ameisen. Er konnte unter anderem zeigen, dass sich Ameisenstaaten durch komplexe Netzwerke auszeichnen, in denen Manipulation und Überwachung herrschen. Er fand heraus, dass Ameisen Strategien zur Lösung von Konflikten in ihrem Staat entwickeln, die – wie ihre gesamte Kommunikation – zum Teil über Duftstoffe funktionieren. Der Verhaltens- und Evolutionsbiologe zeigte in seinen Studien, dass bei Ameisen – im Unterschied zu den meisten anderen Tieren – ein positiver Zusammenhang zwischen Lebensdauer und Fortpflanzungserfolg besteht: Die Königinnen erreichen ein hohes Alter und sind zugleich sehr fruchtbar. Zudem sucht er nach den Ursachen für die unterschiedliche Lebensdauer von Königinnen und Arbeiterinnen und studiert, welche Zusammenhänge zwischen Nahrungsangebot, Fortpflanzung und Alterung bestehen. In weiteren Arbeiten widmet sich Heinze den Unterschieden in der Genexpression zwischen reproduktiven und nicht-reproduktiven Tieren im Staat einer klonalen Ameise und untersucht, durch welche Umweltfaktoren diese Unterschiede hervorgerufen werden.

Jürgen Heinze studierte Biologie an der Technischen Universität Darmstadt und wurde 1988 promoviert. Anschließend forschte er als Postdoktorand an der Harvard University in Cambridge/USA. Von 1989 bis 1995 war er wissenschaftlicher Assistent an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, wo er sich 1994 im Fach Zoologie habilitierte. Von 1995 bis 1996 erhielt er ein Heisenberg-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Heinze wurde 1996 Professor am Zoologischen Institut der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seit 2000 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Regensburg. 2018 wurde er Mitglied des Wissenschaftsrates und seit 2016 gehört er dem Expertengremium für die Exzellenzstrategie von Bund und Ländern an. Zuvor war er Mitglied im Senat der DFG sowie in der DFG-Fachkommission zur Exzellenzinitiative. 2008 wurde er in die Bayerische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Die Leopoldina wählte Jürgen Heinze 2004 zu ihrem Mitglied in der Sektion Organismische und Evolutionäre Biologie.

Die Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille wird in diesem Jahr zum 20. Mal verliehen und auf der Jahrestagung der DZG im August überreicht. Sie gilt als bedeutendster Wissenschaftspreis der Zoologie im deutschsprachigen Raum. Die DZG würdigt mit dieser Auszeichnung das Lebenswerk des Nobelpreisträgers und Mitglied des Ordens Pour le Mérite Karl Ritter von Frisch, der ebenfalls Mitglied der Leopoldina war. Der Preis wird für hervorragende und originelle Leistungen vergeben, insbesondere solche Werke, die eine Integration der Erkenntnis mehrerer biologischer Einzeldisziplinen darstellen. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert und wird zum größten Teil vom Inter-Research Wissenschaftsverlag, Oldendorf/Luhe gestiftet.

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