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Nachricht │ Montag, 29. November 2010

Parlamentarischer Abend „Synthetische Biologie“

Parlamentarischer Abend „Synthetische Biologie“

Parlamentarischer Abend in Berlin

Zu einer Premiere konnte der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Professor Matthias Kleiner, die rund 80 Gäste im Foyer des Wissenschaftsforums am Berliner Gendarmenmarkt begrüßen. Erstmals veranstalteten die DFG, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, und die Akademie der Technikwissenschaften, acatech, einen gemeinsamen Parlamentarischen Abend. Thema war die „Synthetische Biologie“, zu der die drei Forschungsorganisationen schon im Sommer 2009 eine gemeinsame Stellungnahme vorgelegt hatten.

Kleiner betonte, dass sich die Synthetische Biologie derzeit noch vorwiegend auf der Ebene der Grundlagenforschung bewege. Ihr Ziel sei vor allem ein besseres Verständnis von biologischen und zellulären Prozessen; ein wichtiges Forschungsgebiet mit interessanten Anwendungsmöglichkeiten. Auch wenn die Synthetische Biologie nicht nur Chancen, sondern auch Risiken berge, könne man von synthetischem Leben nicht sprechen.

Auch wenn derzeit kein Bedarf an Gesetzesänderungen gesehen werde, wollten die drei Wissenschaftsorganisationen ihrer Aufgabe der Beratung von Politik und Gesellschaft durch ein kontinuierliches Monitoring dieses wichtigen neuen Forschungsfeldes nachkommen. Der DFG-Präsident unterstrich die Notwendigkeit, frühzeitig die Diskussion mit der Öffentlichkeit hinsichtlich ethischer Fragen zu suchen. 

Frau Professor Bärbel Friedrich, Mikrobiologin von der Humboldt-Universität Berlin, Vizepräsidentin der Leopoldina und Mitautorin der Stellungnahme, gab in ihrem einführenden Beitrag zunächst eine Definition des Begriffs: „Unter Synthetischer Biologie verstehen wir die Konstruktion biologischer Systeme mit neuen Eigenschaften, wie sie aus der Natur nicht bekannt sind“, so die Expertin. In der Produktpalette der synthetischen Biologie zählte Frau Friedrich Pharmaka aus Pathway Engineering sowie Biobrennstoffe und Polymere auf.

Besonderes Kennzeichen des neuen Forschungsgebietes sei die Interdisziplinarität. Gentechnologie, funktionelle Genomforschung, Bioinformatik, Systembiologie, Physik, Chemie, Biowissenschaften und Ingenieurwissenschaftliche Disziplinen arbeiteten zusammen. Eine wichtige Anwendungsmöglichkeit sieht die Mikrobiologin in der Herstellung von Biosprit aus Abfallstoffen. Hinsichtlich der Frage der Sicherheit führte Frau Friedrich das Vorsorgeprinzip an. Danach gilt das vermutete Risiko als ein vorhandenes Risiko, so dass für umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen gesorgt sei.

Professor Alfred Pühler vom Zentrum für Biotechnologie der Universität Bielefeld, ebenfalls Mitautor der Stellungnahme, sprach über das Minimalgenom und Metabolic Engineering als Teilbereiche der Synthetischen Biologie, die bei biotechnologischen Produktionsverfahren eine herausragende Rolle spielten könnten. Er betonte, dass es sich bei der Synthetischen Biologie um eine Technologisierung der Biologie und nicht um künstliches Leben handele.

Professor Jörg Hinrich Hacker, Präsident der Leopoldina, fasste  in Vertretung des verhinderten Ethikers Klaus Tanner die Überlegungen zur Ethischen Urlaubsbildung zusammen. Nötig sei die Entwicklung einer Kultur des Umgangs mit dem technisch Möglichen. Aber – so Hacker deutlich – die Furcht vor künstlichem Leben sei unbegründet. Die Komplexität sei so groß, dass alle Akademien der Welt zusammen wohl einen Floh töten könnten, aber keinen Floh schaffen.

Die sich anschließende lebhafte Diskussion, in die sich auch die anwesenden Bundestagsabgeordneten einbrachten, kreiste um die Themen Patentierung, Medikamentenentwicklung und immer wieder der Sicherheit der neuen Forschungsmöglichkeiten.

Professor Reinhart Hüttl, Präsident der acatech, betonte in seinem Schlusswort, dass marktfähige Anwendungen aus der Synthetischen Biologie noch lange nicht zu erwarten seien, aber sehr wohl eine Reihe neuer Chancen eröffnet würden. Er dankte den Partnern für die kontinuierliche Kooperation und sagte zu, die Öffentlichkeit auch weiterhin einzubeziehen. (Eva-Maria Streier / DFG)

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