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Pressemitteilung | Mittwoch, 19. Juni 2019

Gesundheitsschädliche Luftverschmutzung: Neue internationale Initiative fordert weltweites Gegensteuern

Gemeinsame Pressemitteilung der Academy of Science of South Africa, der Academia Brasileira de Ciências, der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der U.S. National Academy of Medicine und der U.S. National Academy of Sciences

Die Nationalakademien der Wissenschaften und der Medizin aus Südafrika, Brasilien, Deutschland und den USA haben sich im Kampf gegen gesundheitsschädliche Luftverschmutzung für einen dringenden Handlungsaufruf zusammengeschlossen. Sie fordern einen neuen weltweiten Pakt, um angesichts des wachsenden Problems der Luftverschmutzung die Zusammenarbeit zu verbessern. Regierungen, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger auf der ganzen Welt müssen tätig werden, so die Akademien. Die Akademien starteten ihre Initiative mit der Veröffentlichung einer wissenschaftspolitischen Stellungnahme, die heute im UN-Hauptquartier an führende Vertreterinnen und Vertreter der UN sowie hochrangige Diplomatinnen und Diplomaten aus Südafrika, Brasilien, Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika überreicht wurde.

In ihrer Stellungnahme empfehlen die fünf Nationalakademien sofortiges Handeln auf allen Ebenen der Gesellschaft. Darunter fallen die weltweite Emissionsminderung und die angemessene Überwachung der wichtigsten Schadstoffe – insbesondere PM2,5. Diese Feinstaub-Partikel gehören zu den kleinsten in unserer Atemluft. Sie können in alle Organe des Körpers gelangen und sie auf diese Weise schädigen. Die Wissenschaftsakademien betonen, dass die Suche nach Lösungen des Problems finanziell besser gefördert und dass in Maßnahmen zur Minderung der Luftverschmutzung umfangreich investiert werden muss. So könne zudem globale Erwärmung vermindert und das 1,5-Grad-Ziel erreicht werden.

Mit der Stellungnahme möchten die Akademien einen weiteren wissenschaftlichen Beitrag zu dem vom UN-Generalsekretär ausgerichteten Global Climate Action Summit im September dieses Jahres leisten, bei dem Luftverschmutzung und Gesundheit ein zentrales Thema sein wird. Die fünf Nationalakademien fordern Wissenschaftsakademien und Forschungsinstitute sowie einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der ganzen Welt auf, die Initiative zu unterstützen und die Forschung und wissenschaftspolitischen Maßnahmen im Bereich „Luftverschmutzung und Gesundheit“ zu verstärken.

  • Himla Soodyall, Executive Officer der südafrikanischen Akademie der Wissenschaften, erklärt: „Die gesundheitsschädlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung sind gewaltig. Sie können sich in Form von Krankheiten, körperlichen Beeinträchtigungen und vorzeitigen Todesfällen über die gesamte Lebensdauer bemerkbar machen. Es ist an der Zeit, der Thematik in der Politik eine wesentlich höhere Priorität einzuräumen. Dabei ist es wichtig, Synergien mit anderen politischen Bereichen, zum Beispiel der nachhaltigen Entwicklung, des Klimawandels und der Nahrungsmittelsicherheit, zu fördern.“
  • Marcia McNutt, Präsidentin der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften, macht deutlich: „Wenn wir diese weltweite Herausforderung nicht prioritär angehen, wird die Luftverschmutzung weiterhin einen überaus hohen Tribut an vermeidbaren Krankheiten, Behinderungen und Todesfällen sowie an Pflegekosten fordern. Das Gute ist, dass die Luftverschmutzung kosteneffizient kontrolliert werden kann. Wir müssen viel entschlossener handeln. Die öffentlichen und privaten Investitionen, um die Luftverschmutzung zu bekämpfen, müssen dem Ausmaß des Problems entsprechen.”
  • Margaret Hamburg, Foreign Secretary der US-amerikanischen Medizinischen Akademie, meint: „Wir stehen erst am Anfang dessen, was wir erreichen wollen. Unsere fünf Akademien haben diesen Aufruf gestartet, aber um das Problem anzugehen, müssen sich noch viele weitere Akteure beteiligen. Wir laden Wissenschaftsakademien, Forschungsinstitute, Universitäten und einzelne Wissenschaftler weltweit ein, sich der Initiative anzuschließen, zur Lösung dieser globalen Krise beizutragen. Wir hoffen, dass auch die politischen Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit mit uns zusammenarbeiten, um die Gesundheit der Menschen und des Planeten zu verbessern.“
  • Luiz Davidovich, Präsident der Brasilianischen Akademie der Wissenschaften: „Die Luftverschmutzung und der Klimawandel haben eine wichtige, gemeinsame Quelle: die Verbrennung fossiler Brennstoffe. Daher leisten Maßnahmen gegen Luftverschmutzung ebenfalls einen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel.“
  • Jörg Hacker, Präsident der deutschen Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, erklärt: „Nationalakademien sind in der einzigartigen Position, sich mit komplexen Fragestellungen wie den Wechselwirkungen zwischen Luftverschmutzung und Gesundheit befassen zu können. Sie bieten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aller Disziplinen unabhängige Foren zum Austausch und zur Reflexion über ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse. Auf der Suche nach Lösungen für diese komplexen Probleme ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit dieser Art unerlässlich.“

Die negativen Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die menschliche Gesundheit über die gesamte Lebensdauer hinweg sind wissenschaftlich belegt. Obwohl Luftverschmutzung jeden beeinträchtigt – sogar ungeborene Kinder –, sind sehr junge, alte und geschwächte Menschen am meisten gefährdet. Unter die gesundheitlichen Auswirkungen fallen jährlich mindestens fünf Millionen vorzeitige Todesfälle und chronische Erkrankungen wie Herzkrankheiten, Asthma, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD), Diabetes, Allergien, Ekzeme und Hautalterung. Luftverschmutzung fördert Krebs und Schlaganfälle und verlangsamt das Lungenwachstum bei Kindern und Jugendlichen. Es gibt außerdem zunehmend Belege dafür, dass Luftverschmutzung Demenzerkrankungen bei Erwachsenen begünstigt und die Gehirnentwicklung bei Kindern beeinträchtigt.

Die Hauptursache für Luftverschmutzung ist die Verbrennung von fossilen Brennstoffen und Biomasse für Wärme, Strom, Transport und Nahrungsmittelerzeugung. Im Jahr 2015 wurden die durch Luftverschmutzung verursachten wirtschaftlichen Einbußen in 176 Ländern auf insgesamt 3,8 Billionen US-Dollar geschätzt. Dennoch sind Investitionen in Maßnahmen zur Verringerung der Luftverschmutzung leider vergleichsweise niedrig.

Den Akademien zufolge sind sowohl staatliche als auch private Investitionen unzureichend und werden dem Ausmaß des Problems nicht gerecht. Dabei kann Luftverschmutzung vermindert werden. Mit den richtigen Maßnahmen lassen sich Todesfälle und Leid aufgrund von schmutziger Luft verhindern. Da saubere Luft für das Leben auf der Erde genauso unerlässlich ist wie Wasser, muss die Bekämpfung und Minderung der Luftverschmutzung nun für alle Priorität haben.

Kontakt:
Dr. Kathrin Happe
Stellvertretende Leiterin der Abteilung Wissenschaft – Politik – Gesellschaft
Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
Tel.: +49 (0)345 472 39 – 862
E-Mail: kathrin.happe@leopoldina.org

Dr. Jan Nissen
Referent in der Abteilung Internationale Beziehungen
Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
Tel.: +49 (0)345 472 39 – 834
E-Mail: jan.nissen@leopoldina.org

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