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Pressemitteilung | Montag, 1. April 2002

Presseinformation 7/2002

Öffentliche naturwissenschaftliche Vorträge: "Umwelt-freundliche Stromerzeugung durch neue Solarzellen mit höherem Wirkungsgrad",
"'Lifestyle-Präparate' gegen Haarausfall, Übergewicht und Erektionsstörungen – Wirkungen und Risiken"

Termin:         Dienstag, 30. April 2002, 16.30 Uhr
Ort:               Vortragsgebäude der Akademie Leopoldina
                      Emil-Abderhalden-Straße 36, 06108 Halle (Saale)

  • Zu den Vorträgen:

 Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Joachim Queisser, Stuttgart, Mitglied der Akademie: "Solarzellen mit hohem Wirkungsgrad"

Eine Solarzelle wandelt die Energie des Sonnenlichts unmittelbar in elektrische Energie um. Abgas oder Abfall entsteht nicht; Lärm wird nicht erzeugt, denn eine Zelle arbeitet ohne bewegte Teile. Das Sonnenlicht dringt in das halbleitende Zellenmaterial ein und setzt dort ein negativ geladenes Elektron frei, in der Elektronenverteilung entsteht so ein positiv geladenes Loch. Beide Elektrizitätsträger, Loch und Elektron, gelangen über Kontakte nach außen, Strom und Spannung werden verfügbar – wie in einer üblichen Batterie. Silizium, das wichtigste Material zur Herstellung von Solarzellen, ist ein besonders gutes Material, denn es ist absolut ungiftig und in großen Mengen vorhanden, also billig. Der Wirkungsgrad der Energieumwandlung liegt derzeit allerdings bestenfalls bei etwa 30 %. Hans-Joachim Queisser, der vor etwa vierzig Jahren die theoretischen Grundlagen für die Solartechnik erarbeitete, wird in seinem Vortrag technische Verwirklichungen moderner Solarzellen für die Anwendung im Weltraum oder auf der Erde beschreiben. Er wird darüber hinaus Ansätze zur Verbesserung des Wirkungsgrades und der dringend notwendigen Senkung der Produktionskosten vorstellen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Hasso Scholz, Hamburg, Mitglied der Akademie: "Zur Pharmakologie sogenannter Lifestyle-Präparate: Sildenafil, Finasterid und Antiadiposita"

Meist setzen die Probleme mit zunehmendem Alter ein: Der Haarwuchs auf Stirn und Hinterkopf lässt bei Männern nach, es treten vermehrt Erektionsstörungen auf, und bei Männern wie Frauen kann die Figur außer Form geraten. Gegen diese "Beschwernisse" gibt es seit einiger Zeit Abhilfe, denn Pharmakologen haben sogenannte "Lifestyle-Präparate" entwickelt. Gegen Erektionsstörungen hilft der Wirkstoff Sildenafil (Viagraâ ), genetisch verursachtem Haarausfall von Männern kann durch Finasterid (Propeciaâ ) begegnet und Gewichtsreduktion durch Sibutramin (Reductilâ ) und Orlistat (Xenicalâ ) erreicht werden. Hasso Scholz wird in seinem Beitrag die pharmakologische Wirkungsweise dieser Präparate erläutern, aber auch nicht verschweigen, welche möglichen Nebenwirkungen auftreten können bzw. bei welchen Vorerkrankungen die Einnahme lebensbedrohlich ist.

  • Zu den Referenten:

Hans-Joachim Queisse hat in Berlin, den USA und Göttingen Experimentalphysik studiert. Nach der Promotion ging er 1959 nach Kalifornien zu William Shockley, dem Nobelpreisträger und Transistorerfinder, wo er die heute absolut anerkannte Theorie des maximalen Wirkungsgrads von Solarzellen entwickelte. Von 1964 bis 1966 arbeitete er in den berühmten Bell Telephone Laboratorien an optoelektronischen Problemen. Sein wichtigstes Patent beschreibt eine Infrarot-Leuchtdiode, die in Massenstückzahlen für Fernseh-Fernbedienungen genutzt wird. 1966 kam er als Ordentlicher Professor nach Frankfurt/Main, dann 1969 als Gründungsdirektor an das Max-Planck-Institut für Festkörperphysik in Stuttgart. Er erwarb sich nationale wie internationale Anerkennung in zahllosen wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Gremien und wurde vielfältig mit Ehrendoktorwürden, Medaillen, Mitgliedschaften und Ehrenmitgliedschaften von Akademien ausgezeichnet. Er war Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, lange Jahre Berater des Bundesforschungsministers, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Wacker- Chemitronic, dem damals größten Hersteller von Siliziumkristallen. Seit 1994 ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (Sektion Physik und Astrophysik/Astronomie).

Hasso Scholz hat ein Doppelstudium (Pharmazie und Humanmedizin) absolviert, in beiden Fächern eine Approbation erlangt und sich danach der experimentellen Pharmakologie zugewandt. Nach der Habilitation in Mainz und einem Forschungsaufenthalt am Pharmakologischen Institut in Zürich leitete er die Abteilung Biochemische Pharmakologie an der Medizinischen Hochschule Hannover und ist seit 1982 C4-Professor für Allgemeine Pharmakologie am Universitätskrankenhaus Eppendorf der Universität Hamburg. 1987-1990 war er Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für experimentelle und klinische Pharmakologie und Toxikologie, 1991-1992 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Herz- und Kreislaufforschung. Seit 1999 ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (Sektion Physiologie und Pharmakologie/Toxikologie).

  • Zur Akademie Leopoldina:

Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (gegründet 1652 in Schweinfurt) mit Sitz in Halle/Saale (seit 1878) ist eine überregionale Gelehrtengesellschaft mit gemeinnützigen Aufgaben und Zielen. Sie ist die älteste naturwissenschaftliche Akademie in Deutschland. Sie trägt durch die Jahresversammlungen, fachspezifische Meetings und Symposien, monatliche Vortragssitzungen und die vielfältigen persönlichen Kontakte der Mitglieder "zum Wohle des Menschen und der Natur" bei. Ihr gehören 1 000 Mitglieder in aller Welt an. Drei Viertel der Mitglieder kommen aus den Stammländern Deutschland, Schweiz und Österreich, ein Viertel aus weiteren ca. 30 Ländern. Zu Mitgliedern werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus naturwissenschaftlichen und medizinischen Disziplinen gewählt, die sich durch bedeutende Leistungen ausgezeichnet haben.

Die Leopoldina wird von einem ehrenamtlichen Präsidium geleitet. Präsident der Leopoldina ist seit 1990 der Biologe Prof. Dr. Benno Parthier (Halle/Saale). Vizepräsidenten sind derzeit der Psychologe Prof. Dr. Paul B. Baltes (Berlin), der Chemiker Prof. Dr. Gunter S. Fischer (Halle/Saale), der Virologe Prof. Dr. Volker ter Meulen (Würzburg) und der Chemiker Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker (München). Letzterer ist zugleich Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Bonn. Die laufenden Geschäfte der Leopoldina führt eine Generalsekretärin, die Neurobiologin Prof. Dr. Jutta Schnitzer-Ungefug. Die Leopoldina erhält ihre finanziellen Zuwendungen für die satzungsgemäßen Aufgaben zu 80 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu 20 Prozent vom Land Sachsen-Anhalt.

KONTAKT

Leopoldina

Caroline Wichmann

Leiterin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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