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Pressemitteilung | Montag, 18. Februar 2002

Presseinformation 5/2002

Öffentliche naturwissenschaftliche Vorträge: "Organbildung bei Mensch und Tier: Wie Zellkontakte Gewebe zusammenhalten", "Fett – wichtiger Nährstoff des Menschen: Warum Qualität vor Quantität stehen muss"

  • Termin: Dienstag, 26. Februar 2002, 16.30 Uhr
  • Ort: Vortragsgebäude der Akademie Leopoldina
    Emil-Abderhalden-Straße 36, 06108 Halle (Saale)
  • Zu den Vorträgen:

Prof. Dr. Brigitte M. Jockusch, Braunschweig, Mitglied der Akademie:
"Gewebebildung bei Mensch und Tier: das Knüpfen von Kontakten"

Damit aus einer einzelnen befruchteten Eizelle ein komplexer vielzelliger Organismus wie der Mensch werden kann, sind zum einen zahlreiche Teilungen notwendig. Zum anderen müssen die entstandenen Zellen – je nachdem, ob sie zu Haut-, Hirn- oder Herzzellen werden – ganz spezifische Eigenschaften annehmen, im Fachjargon "sich differenzieren". Im Gewebeverband – zum Beispiel zwischen den den Darm auskleidenden Epithelzellen – oder bei der Wundheilung ist dann die Ausbildung bestimmter Zellkontakte notwendig, damit der Verband zusammenhält. Unzureichende Zellkontakte können die Wundheilung stören oder – wie beim Krebs – zur Streuung von Krebszellen (Metastasierung) führen. Brigitte Jockusch ist Entwicklungsbiologin und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den (fibrillären) Stützelementen, die entscheidend für Entstehung und Aufrechterhaltung von Zellkontakten sind. Sie wird in ihrem Vortrag auf die Funktion einzelner Komponenten eingehen, an deren Aufklärung sie mit ihrer Gruppe maßgeblichen Anteil hat.

Prof. Dr. Günther Wolfram, Freising- Weihenstephan, Mitglied der Akademie
"Fett – ein janusköpfiger Nährstoff für den Menschen"

Fett ist wegen seiner hohen Energiedichte eine wichtige Energiequelle in der Ernährung des Menschen. Da zahlreiche lebensnotwendige Vitamine zudem nur in Fett löslich sind, ist die Aufnahme einer gewissen Fettmenge mit der Nahrung unabdingbar, um Mangelerscheinungen vorzubeugen. Aber auch einige Geschmacksstoffe sind nur in Fett und nicht in Wasser löslich, was uns dazu verführen kann, mehr als nötig zu konsumieren. Günther Wolfram ist Ernährungswissenschaftler und wird in seinem Vortrag auf die Wirkungen der verschiedenen Komponenten des Nahrungsfetts – gesättigte und ungesättigte Fettsäuren – in unserem Körper eingehen. Während langkettige ungesättigte Fettsäuren die Konzentration des LDL-Cholesterins im Blut und damit das Herzinfarktrisiko erhöhen, sind ungesättigte Fettsäuren Ausgangsstoffe von Botenstoffen, die der Entstehung von Blutgerinnseln entgegenwirken und damit Schlaganfällen vorbeugen. Seine Schlussfolgerung wird sein, dass bei Fett – wie bei keinem anderen Nährstoff – Qualität vor Quantität stehen muss.

  • Zu den Referenten:

Brigitte M. Jockusch hat in München und Tübingen Biologie, Chemie, Physik und Geographie studiert. Nach Tätigkeiten an der University of Wisconsin, Madison, USA, am MPI für Biologie in Tübingen, am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg bzw. als C3-Professorin an der Universität Bielefeld ist sie seit 1993 C4-Professorin an der Technischen Universität Braunschweig. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, wurde 1982 zum EMBO-Mitglied gewählt, war Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Zellbiologie (1985-1991) und Mitglied der Minerva-Kommission der MPG für deutsch- israelische Zusammenarbeit (1991-1999). Sie ist Mitglied im Aufsichtsrat der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig, Fachreferentin der DFG, Mitglied im Wissenschaftsrat und seit 2002 vom Land Niedersachsen berufenes Mitglied im Kuratorium der Volkswagenstiftung. Seit 2000 ist sie Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (Sektion Genetik/Molekularbiologie und Zellbiologie).

Günther Wolfram hat in München Medizin studiert und ist seit 1977 ordentlicher Professor für Ernährungslehre an der Technischen Universität München und Leiter des Instituts für Ernährungswissenschaften in Weihenstephan. Er ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften des In- und Auslandes, Herausgeber der Zeitschriften "Annals of Nutrition and Metabolism" und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin sowie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und der Gesellschaft für Ernährungsbiologie. Seit 2000 ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (Sektion Agrar- und Ernährungswissenschaften).

  • Zur Akademie Leopoldina:

Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (gegründet 1652 in Schweinfurt) mit Sitz in Halle/Saale (seit 1878) ist eine überregionale Gelehrtengesellschaft mit gemeinnützigen Aufgaben und Zielen. Sie ist die älteste naturwissenschaftliche Akademie in Deutschland. Sie trägt durch die Jahresversammlungen, fachspezifische Meetings und Symposien, monatliche Vortragssitzungen und die vielfältigen persönlichen Kontakte der Mitglieder "zum Wohle des Menschen und der Natur" bei. Ihr gehören 1 000 Mitglieder in aller Welt an. Drei Viertel der Mitglieder kommen aus den Stammländern Deutschland, Schweiz und Österreich, ein Viertel aus weiteren ca. 30 Ländern. Zu Mitgliedern werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus naturwissenschaftlichen und medizinischen Disziplinen gewählt, die sich durch bedeutende Leistungen ausgezeichnet haben.

Die Leopoldina wird von einem ehrenamtlichen Präsidium geleitet. Präsident der Leopoldina ist seit 1990 der Biologe Prof. Dr. Benno Parthier (Halle/Saale). Vizepräsidenten sind derzeit der Psychologe Prof. Dr. Paul B. Baltes (Berlin), der Chemiker Prof. Dr. Gunter S. Fischer (Halle/Saale), der Virologe Prof. Dr. Volker ter Meulen (Würzburg) und der Chemiker Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker (München). Letzterer ist zugleich Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Bonn. Die laufenden Geschäfte der Leopoldina führt eine Generalsekretärin, die Neurobiologin Prof. Dr. Jutta Schnitzer-Ungefug. Die Leopoldina erhält ihre finanziellen Zuwendungen für die satzungsgemäßen Aufgaben zu 80 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu 20 Prozent vom Land Sachsen-Anhalt.

KONTAKT

Leopoldina

Caroline Wichmann

Leiterin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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