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Pressemitteilung | Mittwoch, 10. Januar 2001

Presseinformation 1/2001

Öffentliche naturwissenschaftliche Vorträge der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina zu den Themenkreisen: "Warum Blutdruck-Krisen plötzlichen Herztod auslösen können?", "Wie geht ein Physiker mit chaotischen Quantensystemen um?"

  • Termin:               Dienstag, 23. Januar 2001, 16.30 Uhr
  • Ort:                     Vortragsgebäude der Akademie Leopoldina
                               Emil-Abderhalden-Straße 36, 06108 Halle (Saale)
  • Zu den Beiträgen:

Prof. Dr. Gerrit Isenberg, Halle (Saale): „Mechano-elektrische Rückkopplung im Herzen: Bedeutung mechano-sensitiver Ionenkanäle“

Damit unser Herz Blut in die Gefäße pumpt, müssen viele Millionen Herzmuskelzellen durch elektrische Signale (Aktionspotentiale) synchron zu Kontraktion gebracht werden. Diese Vorgänge werden als „elektro-mechanische Kopplung“ bezeichnet und sind relativ gut bekannt. Wenig bekannt dagegen ist, dass der mechanische Zustand der Zellen und Gewebe auf das bioelektrische Geschehen zurückwirkt. Auf diesem Gebiet der „mechano-elektrischen Kopplung“ arbeitet Gerrit Isenberg. Isenberg wird in seinem Vortrag aufzeigen, dass die mechanische Dehnung einzelner Herzmuskelzellen die Struktur von Eiweißen in der Zellmembran so verändern kann, dass diese für positiv geladene Ionen durchlässig wird. Der Durchtritt dieser Ionen (Ionenstrom) ändert die elektrische Spannung über die Zellmembran. Das resultierende Signal moduliert einmal den Grundrhythmus unseres Herzschlages, zum andere kann es arrhythmische Zusatzschläge (Extrasystolen) auslösen. An Herzen alter Menschen oder von Patienten mit Bluthochdruck können so mechanische Einflüsse Krisen auslösen, die über Kammerflimmern zu plötzlichem Herztod führen können.

Prof. Dr. Hans Weidenmüller, Heidelberg: „Unordnung und Chaos in Quantensystemen“

Für den theoretischen Physiker sind Unordnung und Chaos in Quantensystemen nichts Ungewöhnliches. Solche Systeme kommen häufig vor und sind beispielsweise in der Festkörperphysik oder in der Atom-, Molekül- und Kernphysik besonders wichtig. Das Wasserstoffatom im starkem Magnetfeld ist ein bekanntes, experimentell und theoretisch intensiv untersuchtes Beispiel für diesen Sachverhalt. Hans Weidenmüller wird in seinem Vortrag erläutern, welche Strategien Physiker entwickelt haben, um Voraussagen über das physikalische Verhalten ungeordneter und chaotischer Quantensysteme zu machen, die dann mit experimentellen Daten verglichen werden können. Weidenmüller wird an Beispielen darlegen, dass eine von Wigner vor etwa 50 Jahre eingeführte Theorie der Zufallsmatrizen auch auf chaotische Quantensysteme anwendbar ist. 

  • Zu den Referenten:

Dr. Gerrit Isenberg ist Mediziner und seit 1995 Direktor des Julius-Bernstein-Instituts für Physiologie in Halle (Saale). Er ist Mitglied der Leopoldina und zahlreicher Fachgesellschaften. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Arthur-Weber-Preis der Deutschen Gesellschaft für Herz-Kreislaufforschung (1987) und den Max-Planck-Forschungspreis (1995). Seine Untersuchungen an Herz- und Gefäßmuskelzellen haben dazu beigetragen, dass wir heute die Rückkopplungsprozesse verstehen, durch die es nach mechanischer Dehnung zur Kontraktion von Muskelzellen kommt.

Dr. Hans A. Weidenmüller ist Physiker und seit 1963 Lehrstuhlinhaber für theoretische Physik in Heidelberg. Er ist Mitglied der Leopoldina und zahlreicher anderer Akademien, wissenschaftlicher Gesellschaften und akademischer Gremien. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, so die Max-Planck-Medaille (1982), eine Ehrendoktorwürde am Weizmann Institute of Science in Israel (1991) und den Humboldt/South Africa Award der Universität Johannisburg (1995). Er hat mit seinen Arbeiten fundamentale theoretische Aspekte bei der Kernspaltung und das Verhalten bei Kernreaktionen untersucht.

  • Zur Akademie Leopoldina:

Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (gegründet 1652 in Schweinfurt) mit Sitz in Halle/Saale (seit 1878) ist eine überregionale Gelehrtengesellschaft mit gemeinnützigen Aufgaben und Zielen. Sie ist die älteste naturwissenschaftliche Akademie in Deutschland. Sie trägt durch die Jahresversammlungen, fachspezifische Meetings und Symposien, monatliche Vortragssitzungen und die vielfältigen persönlichen Kontakte der Mitglieder „zum Wohle des Menschen und der Natur“ bei. Ihr gehören derzeit 1000 Mitglieder in aller Welt an. Zwei Drittel der Mitglieder kommen aus den Stammländern Deutschland, Schweiz und Österreich, ein Drittel aus weiteren ca. 30 Ländern. Zu Mitgliedern werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus naturwissenschaftlichen und medizinischen Disziplinen gewählt, die sich durch bedeutende Leistungen ausgezeichnet haben.

Die Leopoldina wird von einem ehrenamtlichen Präsidium geleitet. Präsident der Leopoldina ist seit 1990 der Biologe Prof. Dr. Benno Parthier (Halle/Saale). Vizepräsidenten sind derzeit der Psychologe Prof. Dr. Paul Baltes (Berlin), der Chemiker Prof. Dr. Gunter Fischer (Halle/Saale), der Virologe Prof. Dr. Volker ter Meulen (Würzburg) und der Chemiker Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker (München). Letzterer ist zugleich Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Bonn. Die laufenden Geschäfte der Leopoldina führt eine Generalsekretärin, die Neurobiologin Prof. Dr. Jutta Schnitzer-Ungefug. Die Leopoldina erhält ihre finanziellen Zuwendungen für die satzungsgemäßen Aufgaben zu 80 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu 20 Prozent vom Land Sachsen-Anhalt.

KONTAKT

Leopoldina

Caroline Wichmann

Leiterin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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