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Nachricht | Dienstag, 27. November 2018

Das dunkle Erbe der Euthanasie: Film und Diskussion zur Medizingeschichte der NS-Zeit

Das dunkle Erbe der Euthanasie: Film und Diskussion zur Medizingeschichte der NS-Zeit

Foto: Denkmal für die Opfer der NS-Euthanasie-Verbrechen am KWI für Hirnforschung, Campus Berlin-Buch (Bild: FraCbB - Wikimedia Commons)

Mit einer Filmvorführung und in Vorträgen befasst sich die Nationale Akademie der Wissenschaften mit einem dunklen Kapitel der deutschen Medizingeschichte: mit der Ermordung psychisch Kranker während der NS-Zeit und dem Missbrauch der Opfer durch die Wissenschaft. Am Beispiel des Arztes und Hirnforschers Julius Hallervorden (1882-1965) dokumentiert der Film "Dark Years: The Legacy of Euthanasia", wie Hirnschnitte psychisch Kranker in der Forschung verwendet wurden und stellt die Frage, wie heute verantwortungsvoll mit diesen Präparaten umgegangen werden kann. Der Film wird am heutigen Dienstag in Halle (Saale) aufgeführt.

Julius Hallervorden, seit 1960 Mitglied der Leopoldina, nutzte für seine Arbeiten am Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung die Gehirne mehrerer hundert geistig behinderter oder psychisch kranker Menschen, die während des Euthanasie-Programms des Dritten Reiches ermordet wurden. Bis in die 1980er Jahre wurden die Hirnschnitte in der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), der Nachfolgeinstitution der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, weitgehend unbeachtet aufbewahrt. Erst 1985 setzte eine Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und Verantwortung ein, die bis heute anhält. Dabei geht es auch um den Umgang mit den Präparaten, die teils beigesetzt, teils jedoch zerstört wurden. Noch immer sind Hirnschnitte aus der Zeit des Nationalsozialismus im Archiv des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München vorhanden.

Im Anschluss an die Filmvorführung referiert Prof. Dr. Heinz Wässle, emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für Hirnforschung und Leopoldina-Mitglied, über die Ermordung von psychisch Kranken in der NS-Zeit und den Missbrauch der Opfer in wissenschaftlichen Versuchen. Die Aufarbeitung der Geschichte der Forschungsopfer wird von Prof. Dr. Paul J. Weindling, Leiter der Projektgruppe zur Erforschung der Hirnschnitte und Mitglied der Leopoldina, dargelegt. Der Film ist in englischer Sprache, die Vorträge werden auf Deutsch gehalten.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Verbundprojekts „Hirnforschung an Instituten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Kontext nationalsozialistischer Unrechtstaten” am Leopoldina-Studienzentrum statt. Beteiligt sind die Medizinische Universität Wien, die Technische Universität München und die Oxford Brookes University. Das Projekt wird von der Max-Planck-Gesellschaft gefördert.

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Caroline Wichmann

Leiterin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Tel. 0345 - 472 39 - 800
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