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Nachricht | Freitag, 31. August 2018

Muscheln und Schnecken: Forschungsprojekt zum wissenschaftlichen Wert von Konchylien-Sammlungen

Muscheln und Schnecken: Forschungsprojekt zum wissenschaftlichen Wert von Konchylien-Sammlungen

Meeresschnecke Mitra Papalis, Blatt aus der Sammlung der Leopoldina (Ausschnitt)

Die Vielfalt der Natur an einem Ort zu versammeln, ist die Grundidee naturkundlicher Museen. Aber wann sind es Steine, Pflanzen oder Tiere „wert“, gesammelt zu werden? Was geschieht mit diesen Objekten, wenn Sammlungen aufgelöst oder zusammengeführt werden? Und wie verändert sich die Perspektive auf sie, wenn sich wissenschaftliche und museale Standards verändern? Das Studienzentrum der Leopoldina untersucht diese Fragen in Kooperation mit der Zoologischen Sammlung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Als Beispiel dienen Konchylien, die harten Schalen und Gehäuse von Muscheln, Schnecken und fossilen Weichtieren.

Konchylien waren in der Frühen Neuzeit sehr begehrte Sammelobjekte. Sie waren von wissenschaftlichem Interesse, unter anderem für die Erforschung von Symmetrien und Wachstum oder in Studien zur Erdgeschichte. Zudem galten Konchylien als sehr ästhetisch. Der Wert, der einzelnen Objekten zugeschrieben wurde, war aber nicht konstant: Konchylien, die zunächst als wertvoll galten, erschienen einige Jahre später nicht mehr als Gegenstände, deren Aufbewahrung und Pflege sich im Museum lohnte, ohne dass sich an den Objekten selbst etwas verändert hätte. Worin lagen die Ursachen für diesen Wandel? Wie hingen Sammlungen, wissenschaftliche Praxis und Wertzuschreibungen zusammen?

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 745 000 Euro geförderte Vorhaben mit dem Titel „Objektsprache und Ästhetik - Wertdimensionen des Objektbezugs in historischer Perspektive. Das Beispiel Konchylien” beleuchtet in drei Teilprojekten drei Konchyliensammlungen in der Übergangszeit vom 18. zum 19. Jahrhundert. Denn ab der Mitte des 18. Jahrhunderts entstand in Europa ein System staatlicher Museen, welches die privaten und höfischen Sammlungen als Ort naturkundlicher Forschung zum größten Teil ablöste und oftmals auch die dort aufbewahrten Objekte in neuen Systematiken und Aufstellungen zusammenführte. Die neuen Museen waren zudem öffentliche Orte, die sich an ein neues, bürgerliches Publikum richteten. Wie wirkte sich der Übergang der Konchylien in die Sammlungen der Museen auf den Wert und die Betrachtung der einzelnen Objekte aus?

Das am Leopoldina Studienzentrum angesiedelte Teilprojekt I untersucht die anhand von Zeichnungen und Einzelbeschreibungen überlieferte Konchylien-Sammlung der Akademie sowie deren Aufgehen im Naturhistorischen Museum der Universität Bonn. Das an der Universität Halle durchgeführte Teilprojekt II widmet sich den Veränderungen in ihrer eigenen durchgängig bestehenden Konchylien-Sammlung und vergleicht diese mit nationalen und internationalen Sammlungspraktiken. Das Teilprojekt III der Universität Bonn untersucht den Sammlungsaufbau und die Herkunft von Objekten der Sammlung fossiler Weichtiere im Goldfuß-Museum in Bonn. Ein gemeinsames Ergebnis des Vorhabens wird eine Datenbank zu den drei untersuchten Sammlungen sein.

ANSPRECHPARTNER

Leopoldina

Caroline Wichmann

Leiterin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Tel. 0345 - 472 39 - 800
Fax 0345 - 472 39 - 809
E-Mail caroline.wichmann @leopoldina.org

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