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Entstehung von Pandemien

Entstehung von Pandemien

Bild: Adobe Stock / macleg

Eine Pandemie ist eine weltweite Herausforderung. Der Begriff geht auf das altgriechische Wort pandemia zurück, das so viel wie „das ganze Volk“ bedeutet. Es bezeichnet also Infektionskrankheiten, die den Großteil der Bevölkerung treffen. Pandemien entstehen häufig durch Erreger, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Dabei spielen unsere Lebensverhältnisse eine Rolle: Weltweiter Handel, globale Mobilität oder Umweltschäden begünstigen die Entstehung und Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Breitet sich eine Pandemie aus, muss schnell reagiert werden.

Was ist eine Epidemie, was eine Pandemie?

Von einer Pandemie wird gesprochen, wenn sich eine Krankheit über ganze Landstriche, Länder und Kontinente ausbreitet. Bleiben die Krankheitsausbrüche räumlich und zeitlich begrenzt, sprechen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von einer Epidemie. Eine Pandemie bezeichnet also eine globale Epidemie.

Ursachen für eine Pandemie sind Krankheitserreger, die zuvor nicht oder sehr lange nicht in der menschlichen Bevölkerung vorgekommen sind. Auf diese Erreger ist das menschliche Immunsystem nicht vorbereitet und der Mensch ist daher auch nicht ausreichend vor einer Erkrankung geschützt. Oft handelt es sich um Viren- oder Bakterienstämme, die bis zu diesem Zeitpunkt nur bei Tieren vorkamen. Beispiele dafür sind die Vogelgrippeviren oder Schweinegrippeviren. Das Erbmaterial der Viren kann sich genetisch verändern, die Viren mutieren. Dadurch können sie auch auf den Menschen übergehen und zum Teil schwere Erkrankungen auslösen.

Der Virologe Thomas Mettenleiter über Artgrenzen und Übertragungswege: „Der Mensch ist für den Erreger nichts Besonderes“

 

Auslöser für die Pest ist zum Beispiel ein Bakterium, das in Ratten und Mäusen vorkommt und über Flöhe auf den Menschen übertragen wird. Beispiele für Viren sind: menschliche Grippeviren, Vogelgrippeviren, Schweinegrippeviren, das SARS-Coronavirus, das MERS-Coronavirus, das SARS-CoV-2 und das Humane Immundefizienz-Virus (HIV). Nach aktuellem Stand des Wissens wurde das SARS (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom)-Coronavirus vermutlich von Fledermäusen auf den Menschen übertragen. Als Reservoir des MERS (Middle East Respiratory Syndrome)-Coronavirus gelten Dromedare (einhöckrige Kamele). Die Viren wurden direkt oder durch eine andere Tierart (Zwischenwirt) auf den Menschen übertragen. Das HI-Virus stammt wahrscheinlich von Primaten. Manche Tierseuchen, wie zum Beispiel die Afrikanische Schweinepest, sind für den Menschen nicht gefährlich. Diese Erreger können sich im Menschen nicht vermehren.

Der Virologe Thomas Mettenleiter über Erreger aus dem Tierreich: „Es gibt Generalisten und Spezialisten. SARS-CoV-2 ist eher ein Generalist.“

Erreger aus Tieren und neue Kombinationen

Auslöser für eine Pandemie können aber auch neue Viren-Kombinationen sein, sogenannte Reassortanten. Dabei mischen sich Erbgutfragmente von mindestens zwei unterschiedlichen Virenstämmen zu einem neuen Virus. Dieses entsteht zum Beispiel durch die Kombination von menschlichen Influenzaviren verschiedener Typen oder von einem menschlichen Influenzavirus und einem vom Tier stammenden Virus. Vor allem Schweine können Träger und Überträger solcher neuen Kombinationen sein. Sie gelten als „Mischgefäß“, da sie sich mit Vogel-, Mensch- und Schweine-Influenzaviren anstecken können.

Der Virologe Thomas Mettenleiter über Schweine als „Mischgefäße“ für Grippeviren: „Es kommt ständig zur neuen Kombination. Nicht nur in Asien, sondern auch bei uns.“

Eine Pandemie können diese Erreger jedoch erst auslösen, wenn sie nicht nur vom Tier zum Menschen, sondern auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Da die Viren oder Bakterien dem Immunsystem des Menschen noch unbekannt sind, fehlt der Bevölkerung eine Grundimmunität gegen ihr infektiöses Potential. Das macht eine Pandemie ohne Medikamente und Impfstoff zunächst so unberechenbar.

Unsere Lebensverhältnisse spielen eine Rolle

Wenn Krankheitserreger zwischen Tier und Mensch übertragen werden, spricht die Wissenschaft von Zoonosen. Der Begriff leitet sich aus den griechischen Wörtern zoon = Lebewesen und nosos = Krankheit ab. Zoonosen können durch Viren, Bakterien Pilze, Parasiten oder Prionen ausgelöst werden.

Klassische Beispiele für Zoonosen sind Pest, Tollwut, Tuberkulose, Malaria oder die Salmonellose. Bei der Salmonellose stammt der Krankheitserreger in den meisten Fällen von Legehühnern und wird über kontaminierte Lebensmittel übertragen. Beim Menschen sorgt der Erreger dann für eine übertragbare Durchfallerkrankung.

Der Virologe Thomas Mettenleiter über Zoonosen: „Die meisten Infektionen in Deutschland sind Lebensmittel-Infektionen mit Salmonellen.“

Zwar ist noch unklar, unter welchen Bedingungen Viren die Artengrenze überwinden. Aber fast 70 Prozent aller Infektionskrankheiten werden durch Erreger verursacht, die ursprünglich aus dem Tierreich stammen. Das Risiko für neue Zoonosen ist durch unsere modernen Lebensverhältnisse gestiegen. Faktoren wie Naturzerstörung, Mobilität, weltweiter Warenaustausch oder Bevölkerungswachstum begünstigen die Entstehung und Ausbreitung von Zoonosen. Der Mensch dringt in Ökosysteme ein und in Gegenden mit schlechten sozioökonomischen Verhältnissen leben Mensch und Tier oft armutsbedingt sehr eng zusammen. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Erreger auf den Menschen überspringen und diesen befallen. Durch globale Vernetzung, internationale Transportwege und Reisen verbreiten sich die Erreger dann sehr schnell. Um zu verdeutlichen, dass die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt voneinander abhängen, sprechen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom „One-Health-Konzept“.

Der Virologe Thomas Mettenleiter über das One-Health-Konzept und die Rolle der Umwelt: „Die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt sind eng miteinander verbunden.

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