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Zentrum für Wissenschaftsforschung

Leopoldina-Zentrum für Wissenschaftsforschung

Interview zum neuen Namen des Studienzentrums

Das Leopoldina-Studienzentrum bekommt einen neuen Namen: Es heißt nun „Leopoldina-Zentrum für Wissenschaftsforschung“. Aus diesem Anlass sprachen wir mit dem Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats des Zentrums, Herrn Prof. Dr. Dr. Alfons Labisch ML.

Lieber Herr Labisch, Sie waren schon vor sechs Jahren an der Gründungsphase des damaligen „Studienzentrums“ aktiv beteiligt. Wie sehen Sie die Gründungsphase heute im Rückblick?
Am Anfang des Studienzentrums stand die Frage, was mit dem alten Hauptgebäude der Leopoldina geschehen soll. Ein Grundsatzpapier von Wolfgang Frühwald ML und Heinz Schott ML wies die Richtung: eine eigene Forschungsabteilung der Leopoldina sollte die Aufgabe übernehmen, die jeder Akademie zukommt: Wissenschaft zu betreiben und Wissenschaft zu analysieren. Das Konzept wurde von einer Arbeitsgruppe der Sektion „Wissenschafts- und Medizingeschichte“ in Kooperation mit dem Präsidenten der Akademie, Jörg Hacker ML, erarbeitet. Wir hatten dann eine intensive Gründungsveranstaltung im Oktober 2012, auf der wir das Konzept öffentlich diskutiert haben.

Wo steht das Leopoldina-Zentrum für Wissenschaftsforschung heute aus Ihrer Sicht?
Das Zentrum für Wissenschaftsforschung ist heute, nach sechs Jahren, ein drittmittelstarkes Forschungsinstitut, das Projekte im Umfang von mehreren Millionen Drittmitteln koordiniert, mit einem im Vergleich zu anderen Forschungszentren kleinen Organisations-Team, insgesamt 17 aktiv in den Projekten forschenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie einer erfreulich intensiven Beteiligung von Leopoldina-Mitgliedern.

Kurz gesagt: Wie so häufig führen eher zufällige Entwicklungen, wie in diesem Fall der Umzug in ein neues Hauptgebäude, zu einem guten Ergebnis, wenn alle Beteiligten in die gemeinsame Richtung arbeiten.

Welche Rolle spielt aktive Forschung für die Akademie?
Das Leopoldina-Zentrum für Wissenschaftsforschung trägt die Verantwortung dafür, unabhängig wissenschaftliche Projekte an der Akademie zu initiieren und zu organisieren und die hierfür notwendige Infrastruktur (Arbeitsplätze, Arbeitsformen usw.) vorzuhalten. Es profiliert die Akademie als Forschungsstandort, insbesondere in Bezug auf Themen zum Zusammenhang von Wissenschaft und Gesellschaft, aber auch in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie in der Pflege internationaler wissenschaftlicher Beziehungen. Wir führen jetzt schon erfolgreiche Forschungsvorhaben gemeinsam u.a. mit China, Großbritannien und Frankreich durch, Weiteres ist in Planung.

Was heißt nun „Wissenschaftsforschung“? Wie ist es zu der Umbenennung gekommen?
In der Wissenschaftsforschung wird die Wissenschaft sich selbst zum Gegenstand. Es gilt, die theoretischen, die historischen und die sozialen Umgebungsbedingungen und Hintergründe der Produktion und der Wirkung neuen Wissens zu analysieren und in den aktuellen Forschungsprozess einzubringen. Die heutigen Gesellschaften sind nur auf der Basis fortgeschrittener Wissenschaften und Technologien möglich. Ein Beispiel wäre die moderne Ökologie, die nur auf der Basis entsprechenden Wissens und entsprechender Techniken unsere Welt bewahren kann. Doch diese Prozesse müssen wissenschaftlich reflektiert werden – dies ist eine genuine Aufgabe von Akademien, in denen die notwendige Expertise über die lokale Ebene von Universitäten hinaus zusammenkommt.

Wie kann das Leopoldina-Zentrum für Wissenschaftsforschung zu aktuellen Fragen der Nationalakademie beitragen?
Alle aktuellen Probleme sind großenteils über lange Zeit entstanden, „geworden“ und haben theoretische Hintergründe, die weit über die aktuell diskutierten Themen hinausgehen. Diese Entwicklungslinien und Entwicklungsmomente in ihren langfristigen Wirkungen zu erkennen, zu analysieren und als Hintergrundinformation in aktuelle Debatten einzuführen, ist eine wesentliche Aufgabe einer pragmatisch orientierten Wissenschaftsforschung.

Das Leopoldina-Zentrum für Wissenschaftsforschung ist eine Aufklärungsabteilung für die zeitbedingten und theoretischen Hintergründe unserer aktuellen Probleme. Das Zentrum bringt seine Forschungsergebnisse in die aktuellen Aufgaben der Leopoldina in der wissenschaftlichen Politikberatung ein. Hier profitieren wir als Akademie insgesamt sehr von der fruchtbaren Zusammenarbeit auch innerhalb der Geschäftsstelle, vor allem zwischen den Abteilungen „Internationale Beziehungen“ und „Wissenschaft - Politik - Gesellschaft“ und dem Zentrum für Wissenschaftsforschung.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere am Leopoldina-Zentrum für Wissenschaftsforschung?
Wie die Entwicklung seit 2012 zeigt, arbeitet das Leopoldina-Zentrum für Wissenschaftsforschung unter einem guten Stern. Es ist jetzt die Aufgabe, die Kompetenz sämtlicher der in den Klassen und Sektionen der Leopoldina vertretenen Disziplinen in die Arbeit des Zentrums zu integrieren. Hinzu kommt die aufgeschlossene Kooperation zwischen den Akademien, keineswegs nur in Europa, sondern weltweit. Das Zentrum kann auf einen nahezu unerschöpflichen Fundus der besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Deutschlands, Europas und darüber hinaus zurückgreifen.
Die Arbeit im Leopoldina-Zentrum für Wissenschaftsforschung ist nicht nur eine große Aufgabe, sondern ein intellektuelles Vergnügen und pure Freude. Wir laden daher alle Mitglieder der Leopoldina ein mitzuarbeiten. Und sicherlich werden wir zu bestimmten Themen ausgewählte Kolleginnen und Kollegen ansprechen.

Interview: Prof. Dr. Rainer Godel, Leiter des Leopoldina-Zentrums für Wissenschaftsforschung

KONTAKT

Leopoldina

Prof. Dr. Rainer Godel

Leiter der Abteilung Zentrum für Wissenschaftsforschung

Tel. 0345 - 47 239 - 115
Fax 0345 - 47 239 - 139
E-Mail rainer.godel @leopoldina.org

Interview

Ein neuer Name für das Studienzentrum: Interview mit dem Beiratsvorsitzenden Prof. Dr. Dr. Alfons Labisch

Bausch-Stipendium

Der Leopoldina Akademie Freundeskreis e.V. schreibt jährlich das Johann-Lorenz-Bausch-Stipendium aus. Nähere Informationen bietet die Website des Freundeskreises.