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Zentrum für Wissenschaftsforschung

Der Amazonas- und Andenraum und die Weltordnung des 19. Jahrhunderts

Wie wirken Regionen und lokale Perspektiven auf die Entstehung globaler Weltordnungen? Dieser Frage geht das Projekt „Wissen – (Um-)Welt – Aktanten. Translokale Perspektiven aus dem Amazonas- und Andenraum für eine empirische Globalgeschichte des 19. Jahrhunderts“ nach. Für die Europäer war das Amazonasbecken seit dem 16. Jahrhundert Inbegriff der „Neuen Welt“, der Andenraum hingegen prägte im 19. Jahrhundert den Diskurs über die Stellung Amerikas in der Welt und damit auch des Verhältnisses von „Neuer“ und „Alter Welt“.

Aus dieser südamerikanischen Perspektive heraus sollen zentrale Aspekte des Aufbaus der globalen Wissens- und Weltordnung untersucht werden. Das Projekt analysiert dafür die Biografien von Forschern, die im 19. Jahrhundert in den genannten Regionen arbeiteten und in engem Kontakt zu Europa standen. Denn diese Forscher prägten Sichtweisen und Perspektiven: Sie erzeugten und publizierten Wissen sowohl über ihre  amerikanischen als auch über ihre europäischen Umwelten – und somit Wissen über die globale Welt.

So werden zum Beispiel die Nachlässe der Leopoldina-Mitglieder Johann Wilhelm Reiß (1838-1908) und Alphons Stübel (1835-1904) ausgewertet. Die beiden Vulkanologen unternahmen gemeinsam eine Expedition nach Südamerika und forschten dort acht Jahre lang. Es werden aber auch Korrespondenzen, Forschungstagebücher und Arbeitsskizzen von amerikanischen bzw. amerikanisierten Forschern analysiert – und zwar anhand der Begriffe Wissen, Umwelt und Aktanten (Personen und Dinge, die in Zusammenhänge eingebunden sind und eine Situation verändern).

Dabei wird unter anderem gefragt: In welches Verhältnis stellten die Wissensakteure ihr „Welt-Ordnen“ und ihre Erkenntnis daraus zu sich selbst, zu ihren lokalen Um-Welten und zur global beschriebenen Welt? Wie verarbeiteten sie diese Verhältnisse in Tagebüchern, Briefen, aber auch in wissenschaftlichen Publikationen und Karten? Wurde versucht das zu Untersuchende, die Natur, zu objektivieren? Und wenn ja - wie?

In Kombination mit Daten und Publikationen aus Amerika ergibt sich ein umfassender Blick auf die unterschiedlichen Facetten der (Um-) Welt-Wissensproduktion. Dieser kann aufzeigen, wie menschliche Akteure und nicht-menschliche Aktanten, also Texte, Karten, Messinstrumente oder die Umwelten selbst, beim Aufbau der globalen Weltordnung des 19. Jahrhunderts wirkten.

Wissen - (Um-)welt - Aktanten

Ansprechpartner:
Dr. Sebastian Dorsch
Universität Erfurt
Historisches Seminar
Nordhäuser Str. 63
99089 Erfurt
E-Mail: sebastian.dorsch@uni-erfurt.de

KONTAKT

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Ronja Steffensky

Assistentin des Zentrums für Wissenschaftsforschung, stellv. Gleichstellungsbeauftragte

Tel. 0345 - 47 239 - 118
Fax 0345 - 47 239 - 139
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