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Wissenschaftshistorische Seminare

Kriegsgeschädigte Kinder und die Psychiatrie nach 1945

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Ein Vortrag im Wissenschaftshistorischen Seminar von PD Dr. Silke Fehlemann (Dresden)

Datum: Dienstag, 4. Februar 2020
Uhrzeit: 18:00
Ort: Lesesaal des Zentrums für Wissenschaftsforschung, Emil-Abderhalden-Straße 36, 06108 Halle (Saale)

Was geschah mit Kindern, die nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Diktatur psychisch schwer erkrankten? Kriegs- und Fluchterlebnisse, Verfolgung und Ermordung von Familienmitgliedern unter der NS-Diktatur sowie Instabilität und Not nach Kriegsende verursachten einen erheblichen Zustrom von Kindern mit psychischen und neurologischen Leiden in die wenigen Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Dabei zeigte sich in den Nachkriegsjahren eine zunehmende Verunsicherung im Umgang mit diesen Kindern. Der lange Schatten der Erb- und Rassenbiologie wirkte nach und verzögerte eine ressourcenorientierte Sicht, wie sie in anderen Staaten bereits während des Krieges begonnen hatte. Ein Teil der Ärzte – ausgebildet oder assimiliert unter den nationalsozialistischen Paradigmen der Erb- und Rassenpflege – behielt nach 1945 die Überzeugung von der angeborenen „Minderwertigkeit“ von Menschen zunächst bei. Das führte dazu, dass zahlreiche Psychiater die – aus heutiger Perspektive – offensichtlichen Zusammenhänge zwischen Kriegserlebnissen und psychischer Erkrankung nicht sahen bzw. nicht wahrnehmen wollten.

Im Vortrag werden anhand von historischen Krankenakten die Kriegserfahrungen der Kinder und der institutionelle und medizinische Umgang mit ihnen dargelegt. Dabei werden sowohl Ergebnisse der „Disability Studies“ als auch der neueren Wissensgeschichte berücksichtigt.

Prof. Dr. Rainer Godel und Leopoldina-Mitglied Prof. Dr. Dieter Hoffmann laden Sie herzlich ein.

Weitere Informationen

Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierten. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Kontakt

Prof. Dr. Rainer Godel
Leiter des Zentrums für Wissenschaftsforschung
E-Mail: rainer.godel@leopoldina.org
Tel.: 0345 / 47 239 -118

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