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Demografischer Wandel

Ausstellung „Neue Bilder vom Alter(n)“

Ausstellung „Neue Bilder vom Alter(n)“

1. Preis: Ursula und Siegfried M., 2009. Foto: Gerhard Weber

Die „Neuen Bilder vom Alter(n)“ wurden seit 2010 in mehreren deutschen Städten gezeigt, u.a. in Braunschweig, Berlin, Stuttgart und Magdeburg. Die Ausstellung ist das Ergebnis eines offenen Wettbewerbs, den die Leopoldina 2009 ausgelobt hatte. Von über 400 Einsendungen wurden von einer Fachjury rund 80 für die Ausstellung ausgewählt. Die Gewinner wurden von der Schirmherrin des Fotowettbewerbs und der Ausstellung, der damaligen Bundesforschungsministerin Annette Schavan, ausgezeichnet.

Die Revision der überkommenen Vorstellungen vom Alter ist überfällig. Die Forschung hat ebenso wie viele individuelle Erfahrungen mit eigenen Eltern, Großeltern oder älteren Menschen aus der Nachbarschaft gezeigt, dass das Alter heute nicht mehr mit dem zu vergleichen ist, was es eine Generation zuvor ausmachte. Die Menschen leben länger und bleiben länger gesund, sie tragen zur Gesellschaft bei und sind in vielen Rollen aktiv. Daher ist es von großer Bedeutung, dass wir die Vielfalt des heutigen Alters und Altwerdens, aber auch die sich noch verbreiternden Möglichkeiten zukünftigen Alterns abbilden. Unsere herkömmliche Vorstellung wird dem nicht mehr gerecht – aber ist immer noch weit verbreitet, beispielsweise bei Film und Fernsehen ebenso wie bei vielen Unternehmen, die immer noch Altersschranken bei Einstellungen und Beförderungen, in Aus- und Weiterbildung aufrechterhalten.

Das Altersbild trägt selbst maßgeblich dazu bei, wie alt ein Mensch werden will und wird und von welcher Qualität seine zweite Lebenshälfte ist. Annette Schavan: „Deutschland ist ein Land, dessen Bevölkerung in Europa vergleichsweise stark altert. Es ist Zeit, dass wir uns in Bildung und Forschung, beim lebenslangen Lernen, in der Arbeitswelt und der Gestaltung unserer Wohnviertel wie auch Gesundheitssysteme darauf einstellen. Es ist unsere große Chance, uns von Stereotypen zu befreien, Altersdiskriminierung zu beenden und Menschen nach ihren wahren Fähigkeiten und Potentialen zu beurteilen.“

2. Preis: Gerlind Pusch, aus der Serie „Abendrot“, 2009. Foto: Anna Mutter

2. Preis: Gerlind Pusch, aus der Serie „Abendrot“, 2009. Foto: Anna Mutter

Auf den ersten Platz – dotiert mit 500 € – gelangte Gerhard Weber mit dem Bild „Ursula und Siegfried M.“, entstanden 2009. In dieser Arbeit hatte Weber, freischaffender Fotograf aus Grimma, Personen aus seinem Umfeld in vertrauter Atmosphäre gebeten, Einblick in ihr Privatleben zu gewähren. Ihm gelang es mit dieser Aufnahme, eines der großen Tabuthemen des Altwerdens – Sexualität – in einer künstlerisch hervorstechenden Weise aufzugreifen, das die Abgebildeten sympathisch, authentisch und unvoreingenommen präsentiert. Das Paar bekennt sich zu einer glücklichen Beziehung im Alter, die Freude an der Körperlichkeit des anderen zu einem wichtigen Bestandteil erklärt.

Die Jury stimmte für Anna Mutters Foto „Gerlind Pusch“, 2009, aus der Serie „Abendrot“ als Gewinnerin des zweiten Platzes, verbunden mit einem Geldpreis von 300 €. Anna Mutter ist freischaffende Fotografin aus Hamburg. Die abgebildete Clownin gehört einer Gruppe von neun Darstellern zwischen 50 und 77 Jahren an, die im Anschluss an eine berufliche Tätigkeit ganz anderer Art ins professionelle Komödiantenfach wechselten. Sie hatten sich in einem Clownskurs kennen gelernt und gehen seither gemeinsam auf Tournee. Ohne diesen Hintergrund zu kennen, erlaubt das Bild dem Betrachter auch, sich über das Abbild alter Menschen in der Gesellschaft Gedanken zu machen. Die Clownsmaske verbirgt das „wahre Alter“, so wie sonst oft Bekleidung, Umfeld oder öffentliche Aktivität in die Irre führen, wenn man jemandes Alter schätzen sollte.

Den dritten Platz teilen sich Daniela Risch „Ohne Titel“, aus der Serie „Helga“, 2008, und David Lohmüller, „Strike – Seniorenbowling mit Nintendo Wii“, 2009. Sie erhalten jeweils 200 €. Daniela Risch ist eine in Essen und Berlin lebende Künstlerin, deren Bild sich mit der eigenen Identität im Lebensverlauf auseinandersetzt, in diesem Fall aufgegriffen anhand der Lebensumstände der eigenen Mutter. David Lohmüller nahm das Foto der Spielerin im Seniorenzentrum Martha-Maria Stuttgart auf. Sie benutzt die neueste Generation von Videospielen, die auch bei vielen älteren Menschen populär ist und zu Bewegung mit positiven Auswirkungen auf die körperliche Verfassung animiert.

3. Preis: Ohne Titel, aus der Serie „Helga“, 2008. Foto: Daniela Risch

3. Preis: Ohne Titel, aus der Serie „Helga“, 2008. Foto: Daniela Risch

3. Preis: Strike - Seniorenbowling mit Nintendo Wii, 2009. Foto: David Lohmüller

3. Preis: Strike - Seniorenbowling mit Nintendo Wii, 2009. Foto: David Lohmüller

Kontakt

Sabine Aichele-Elsner M.A.

Künstlerische Koordination und Kuratorin

Tel. 0341 - 355 20 - 46
E-Mail foto@altern-in-deutschland.de

Dr. Katja Patzwaldt

Arbeitsgruppe Altern in Deutschland

Tel. 0421 - 20047 - 09
E-Mail k.patzwaldt@jacobs-university.de

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