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Pressemitteilung | Donnerstag, 7. September 2017

Leopoldina ehrt drei herausragende junge Wissenschaftler

Im Rahmen der feierlichen Eröffnung ihrer Jahresversammlung am Freitag, 22. September 2017, in Halle (Saale) zeichnet die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina drei junge Wissenschaftler aus. Den Leopoldina-Preis für junge Wissenschaftler erhalten Tobias W. Giessen, Boston, und Markus Tschurtschenthaler, München, für ihre herausragenden Forschungsleistungen in den Bereichen Biochemie und Genetik. Mit dem Georg-Uschmann-Preis für Wissenschaftsgeschichte wird Gunthild Peters, Berlin, für ihre Dissertation über die Fassmessung im 15. Jahrhundert geehrt.

Dr. Tobias W. Giessen (Jahrgang 1986) studierte Chemie an der Philipps-Universität Marburg, wo er 2013 im Fachbereich Biochemie promoviert wurde. In seiner Doktorarbeit beschrieb er die Prozesse, mit denen Bakterien bestimmte Biomoleküle, zum Beispiel Antibiotika, herstellen. Darüber hinaus erforschte er die Biosynthese einer ganzen Familie von antibakteriellen Wirkstoffen und konnte zeigen, dass seine Erkenntnisse auch auf weitere Ausgangsstoffe übertragbar sind. Tobias Giessens Forschung ermöglicht neue Wege, um Naturstoffe in verschiedenen Variationen zu erzeugen.

Als Leopoldina-Stipendiat arbeitet Giessen an der Harvard Medical School in Boston (USA) auf dem Gebiet der synthetischen Biologie. Hier erforscht er Zellbestandteile von Bakterien, sogenannte Nanokompartimente. Diese benutzt er als Nanoreaktoren und synthetische Organellen in- und außerhalb von Organismen, zum Beispiel um die Photosynthese in Pflanzen oder die Produktion von Feinchemikalien und bioaktiven Verbindungen in Bakterien zu verbessern.

Dr. Markus Tschurtschenthaler (Jahrgang 1987) erforscht die Ursachen und Folgen entzündlicher Darmerkrankungen. Während seiner Doktorarbeit an der Universität in Cambridge (GBR) entschlüsselte er in präklinischen Modellen einen entscheidenden Mechanismus, der bei Patienten mit einem bestimmten Risiko-Gen zur Entwicklung von chronischer Darmentzündung führt. Markus Tschurtschenthaler zeigte außerdem, dass die Empfänglichkeit für Darmentzündungen epigenetisch reguliert wird und an die nächste Generation über die männliche Keimbahn weitervererbt wird. Darüber hinaus untersuchte er den Einfluss von Darmbakterien auf die Entstehung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Diese Erkenntnisse sind grundlegend für neue personalisierte Therapieansätze bei den betroffenen Patienten.

In seiner derzeitigen Forschung am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München untersucht er die Rolle von Entzündungen in der Entstehung von Darmkrebs. Für dieses Projekt erhielt er ein Langszeitstipendium der European Molecular Biology Organization (EMBO), sowie ein Marie-Skłodowska-Curie-Stipendium.

Der Georg-Uschmann-Preis für Wissenschaftsgeschichte geht in diesem Jahr an Dr. des. Gunthild Peters (Jahrgang 1985) für ihre Dissertation „Zwei Gulden vom Fuder. Mathematik der Fassmessung und praktisches Visierwissen im 15. Jahrhundert“. In dieser Arbeit behandelt Peters eine Methode zur Bestimmung des Flüssigkeitsvolumens in Weinfässern. Diese Praxis war im Europa des Mittelalters und der Frühen Neuzeit von außerordentlicher Bedeutung, hat in der Geschichtsschreibung jedoch wenig Aufmerksamkeit erfahren. In ihrer Arbeit rekonstruiert Peters das Wissen um die Fassmessung, stellt die Zusammenhänge dar, in denen die Messmethoden entwickelt und praktiziert wurden, und beschreibt ebenso ihre Stellung zwischen gelehrter Mathematik und Alltagspraxis. Sie beschreibt die Konstruktion und Berechnung der Messstäbe, genannt Visierruten, mit denen die Fassmessung durchgeführt wurde und untersucht, wo und von welchen Personengruppen die Methode angewendet wurde. Mit ihren Ergebnissen erweitert Peters das Verständnis mathematischer Praktiken der damaligen Zeit.

Zu den Preisen: Seit 2009 vergibt die Leopoldina aus Mitteln der Karl-Lohmann-Schenkung einen mit ursprünglich 2.000 Euro dotierten Leopoldina-Preis für junge Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler, die das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und sich durch eine bemerkenswerte Leistung auf einem in der Leopoldina vertretenen Gebiet ausgewiesen haben. Durch die Unterstützung des Leopoldina Akademie Freundeskreises e.V. ist der Preis seit 2015 mit jeweils 5.000 Euro dotiert und kann an zwei Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler verliehen werden.

Mit dem Georg-Uschmann-Preis für Wissenschaftsgeschichte, der den Namen des Wissenschaftshistorikers Georg Uschmann (1913-1986) trägt, zeichnet die Leopoldina eine wissenschaftshistorisch hervorragende Dissertation aus. Gestiftet wurde der Preis im Jahr 1996 von Ilse und Eugen Seibold. Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert.

ANSPRECHPARTNER

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Caroline Wichmann

Leiterin der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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