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Pressemitteilung | Montag, 7. September 2015

Leopoldina zeichnet zwei Akademie-Mitglieder mit Cothenius-Medaillen für ihr wissenschaftliches Lebenswerk aus

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina ehrt ihre Mitglieder Herbert Gleiter (Karlsruhe) und Otto Ludwig Lange (Würzburg) mit Cothenius-Medaillen. Die Forscher erhalten diese Ehrung für ihr herausragendes wissenschaftliches Lebenswerk. Die Auszeichnungen werden im Rahmen der feierlichen Eröffnung der Leopoldina-Jahresversammlung am Freitag, 18. September 2015, in Halle (Saale) verliehen.

Prof. Dr. Herbert Gleiter (Jahrgang 1938) ist ein renommierter Materialwissenschaftler und gilt er als einer der Begründer der modernen Nanotechnologie. Die Forschungsgruppe um Herbert Gleiter eröffnete Ende der 1970er-Jahre mit der Entwicklung „Nanokristalliner Materialien“ den Weg zu einem neuen Gebiet der Materialwissenschaften. In jüngerer Zeit wurde dieses Gebiet von Herbert Gleiter auf nanoskalige Materialien mit nichtkristalliner Struktur (heute als Nanogläser bezeichnet) erweitert. Die attraktive Perspektive von Nanogläsern ist es, dass sie den Einstieg in eine neue Technologiewelt ermöglichen könnten. Eine Technologiewelt, die auf der Verwendung nichtkristalliner Materialien basiert, im Unterschied zu unserer heutigen Technologiewelt, die primär auf kristallinen Materialien (zum Beispiel Metallen und Halbleitern) beruht. Gleiters aktuelle Arbeiten konzentrieren sich – zusätzlich zu den Nanoglasuntersuchungen – auf die Anwendung der Nanotechnologie, um die Grenzen der Quantenphysik in Systemen makroskopischer Größe zu erforschen.

Herbert Gleiter wurde 1966 an der Technischen Universität Stuttgart in Physik promoviert. 1970 habilitierte er sich an der Ruhr-Universität Bochum und nahm zwei Jahre später eine Professur am dortigen Institut für Werkstoffwissenschaft an. 1987 wechselte er als wissenschaftliches Mitglied und Gründungsdirektor an das Institut für Neue Materialien in Saarbrücken. 1994 wurde Herbert Gleiter in den Vorstand des damaligen Forschungszentrums Karlsruhe, heute Karlsruher Institut für Technologie (KIT), berufen und gründete dort 1998 das Institut für Nanotechnologie (INT), dem er bis heute als wissenschaftliches Mitglied angehört. Seit 2012 ist er als Direktor und Professor an dem nach ihm benannten Herbert Gleiter Institute of Nanoscience and Nanotechnology in Nanking (China) tätig.
Herbert Gleiter wurde für seine wissenschaftlichen Arbeiten mit mehr als vierzig Preisen, unter anderem dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Max-Planck-Forschungspreis, sowie zahlreichen Ehrendoktor-Titeln und Ehrenprofessuren ausgezeichnet. Seit 1998 ist Gleiter Mitglied der Leopoldina. 2007 bis 2012 war er Mitglied des Präsidiums der Akademie.

Prof. Dr. Otto Ludwig Lange (Jahrgang 1927) ist einer der Begründer der modernen Ökophysiologie, einer Fachrichtung der Biologie, die eine Brücke zwischen den klassischen Feldern der Pflanzenökologie und der Pflanzenphysiologie schlägt. Ziel ist es, das Verhalten und die Reaktionen der Pflanzen, also etwa ihre Widerstandsfähigkeit gegen hohe und tiefe Temperaturen, Wasserverbrauch oder Photosynthese, im Wechselspiel mit ihrer Umwelt quantitativ zu erfassen. Seine Forschung führte Lange auch in entlegene Regionen der Erde wie die Antarktis und den tropischen Regenwald Panamas.
Lange befasst sich sowohl mit Grundlagenforschung an Wild- und Kulturpflanzen sowie Flechten als auch mit angewandter Forschung. Der Wissenschaftler forschte unter anderem zu Bewässerungskulturen in der Negev-Wüste, zu Waldschädigungen durch Luftschadstoffe und über die Schwefeldioxid-Resistenz von Flechten als Luftgüte-Indikatoren. Dabei schuf Lange für entsprechende Messungen auch die apparativen Voraussetzungen und wurde dafür 1990 mit dem Adalbert-Seifriz-Preis für Technologietransfer ausgezeichnet.

Im Wissenschaftsmanagement setzte sich Lange für die Fachrichtung der Ökophysiologie in Akademien und bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ein. Er etablierte sein Fach mit der Herausgabe eines vierbändigen Handbuches „Physiological Plant Ecology“, das heute noch als Standardwerk gilt.

Otto Ludwig Lange wurde 1952 in Göttingen promoviert und habilitierte sich dort 1959. Ab 1961 war er Dozent an der Technischen Hochschule Darmstadt, wurde 1963 auf den Lehrstuhl für „Forstliche Botanik und technische Mykologie“ an die Universität Göttingen berufen. 1967 übernahm er bis zu seiner Emeritierung (1992) einen Lehrstuhl für Botanik an der Universität Würzburg. Er lehrte als Gastwissenschaftler an Universitäten in den Vereinigten Staaten, in Australien und in China. Lange wurde für seine Forschungsleistungen vielfach geehrt. Unter anderem wurde der „Lange Peak“, ein Berg in der Antarktis nach ihm benannt. Hinzu kommen zahlreiche Auszeichnungen und Preise, unter anderem der Leibniz-Preis der DFG, der Balzan-Preis „für angewandte Botanik einschließlich Ökologie“, der Bayerische Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst und mehrere Ehrendoktortitel. Lange ist seit 1972 Mitglied der Leopoldina.

Die Cothenius-Medaille geht auf eine Stiftung des Leopoldina-Mitglieds und Leibarztes des Preußenkönigs Friedrich II., Christian Andreas von Cothenius (1708-1789), zurück. Sie wurde im Jahr 1792 zum ersten Mal verliehen. Anfänglich wurden die Preisträger für die Bearbeitung medizinischer Forschungsfragen ausgezeichnet. Seit 1954 vergibt die Leopoldina die Cothenius-Medaillen für das herausragende wissenschaftliche Lebenswerk der Geehrten. In der Regel werden die Auszeichnungen an Mitglieder der Akademie verliehen. Zu den Trägern gehören unter anderem  der Arzt und Zoologe Ernst Haeckel (1864) und Konrad Zuse (1985), der Entwickler des ersten Computers.

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