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Das Goethe-Diplom der Leopoldina vom 26. August 1818

Abweichend von den üblichen Formulierungen hatte der Präsident Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck für Goethes Diplom den folgenden Text verfasst:

Caesareae Leopoldino-Carolinae Academiae Naturae Curiosorum Praeses
viro perillustri et generosissimo Johanni Wilhelmo a Goethe
Serenissimi et Augustissimi magni Duci Saxonici-Vinariensi et Isenacensi a Consiliis sanctioribus; reliqua.
S. P. D.
Bene sapienterque majores nostri instituerunt, ut non solum Viros medica eruditione excellentes, sed aliis quoque artibus atque scientiis conspicuos, nobiscum in societatem conjungerent, quo academia nostra membrorum suorum tam dignitate nominisque excellentia quam communi in opera academica consensione emineret. Quam ob rem etiam haud mirari poteris Vir perillustris ac Generosissime, quod cum ob variam istam multiplicem et amplam, quae in Te est, eruditionem, nominis Tui maxima sit inter nos commemoratio celebritasque eximia; Tuo etiam imposterum frui honorificentissimo sodalitio, in votis habeamus. Accedit insuper, quod multis jam modis luculentissime dederis declaratum, quam propensus animus Tuus sit ad promouendas adjuvandasque doctrinas physicas, quae ad nos propius spectant. Ingredere itaque eandem nobiscum viam, naturam scrutandi, macte Tua virtute! et accipe in signum nostri Ordinis, cui Te lubentissime adscribimus, cognomen ARION, quo amicissimum collegam Te hodie prima vice salutamus. Vale interim, Vir perillustris, amplissimaque et gloria utere et fortuna, perpetuis accessionibus cumulata.Dabam in academia Friderico-Alexandrina d. XXVI. Aug. MDCCCXVIII. Dr. Christianus Godofredus Nees ab Esenbeck, Academiae Praeses, Scientiae rerum naturalium in Universitate litteraria Friderico-Alexandrina Erlangensi Professor publicus ordinarius, Horti botanici Director, Societatis Amicorum Naturae Scrutatorum Berolinensis, Physico-Medicae Erlangensis, Naturae scrutatorum Halensis et Norimbergensis, Botanicae Ratisbonensis, Mineralogicae Jenensis, Tum Societatis Wettervicae ad promovendam omnem Historicam naturalem et Marpurgensis Sodalis, Consortii Regii Agricolarum Bavariae Membrum ordinarium.

Übersetzung:

Der Präsident der Kaiserlich Leopoldinisch-Carolinischen Akademie der Naturforscher grüßt vielmals den hochberühmten und hochedelgeborenen Herrn Johann Wilhelm von Goethe, von des Durchlauchtigsten und Erhabensten Großherzogs von Sachsen-Weimar und Eisenach engeren Räten, usw. Wohlweislich haben unsere Altvorderen eingeführt, daß sie nicht nur Männer, die mit medizinischer Gelehrsamkeit glänzen, sondern auch solche, die sich in andern Künsten und Wissenschaften auszeichnen, mit uns [Medizinern] zu einer Gesellschaft verbanden; damit dadurch unsere Akademie sowohl durch die Würde ihrer Mitglieder und durch die Vortrefflichkeit ihres Rufs als auch durch die allgemeine Einmütigkeit bei der akademischen Tätigkeit hervorragt. Aus diesem Grund werden Sie, hochberühmter und hochedelgeborener Herr, sich nicht darüber verwundern können, daß, weil wegen der Ihnen eigenen mannigfaltig vielseitigen und ausgedehnten Gelehrsamkeit Ihr Name unter uns höchst gegenwärtig und außerordentlich berühmt ist, wir den Wunsch haben, auch in Zukunft Ihre höchst ehrenvolle Gesellschaft zu genießen. Außerdem kommt hinzu, daß Sie uns schon auf vielerlei Art und Weise ganz deutlich zu erkennen gegeben haben, wie sich Ihre Sinnesart zur Ausdehnung und Beförderung der uns näher angehenden Naturlehren hinneigt. Betreten Sie also mit uns ein und denselben Weg der Naturforschung, wohl Ihnen, der Sie so tüchtig sind! und empfangen Sie zum Zeichen unseres Ordens, zu dem wir Sie mit größtem Vergnügen rechnen, den Beinamen Arion, mit dem wir Sie, liebster Kollege, heute erstmals grüßen. Leben Sie inzwischen wohl, hochberühmter Herr, und erfreuen Sie sich eines recht weit ausgebreiteten Ruhms und eines Glücks, das durch beständigen Zuwachs immer vermehrt wird. Gegeben von mir in der Friedrich-Alexander-Universität am 26. August 1818. Dr. Christian Gottfried Nees von Esenbeck, Präsident der Akademie, öffentlicher ordentlicher Professor der Naturwissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität zu Erlangen, Direktor des Botanischen Gartens, Mitglied der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin, der Physikalisch-medizinischen Gesellschaft zu Erlangen, der Gesellschaften der Naturforscher zu Halle und Nürnberg, der Botanischen Gesellschaft zu Regensburg, der Mineralogischen Gesellschaft zu Jena, als auch der Wetterauischen Gesellschaft zur Beförderung der gesamten Naturgeschichte und der Gesellschaft zu Marburg, ordentliches Mitglied der Königlich Bayerischen Gesellschaft der Landwirte. 

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