Alfred Edmund Brehm (✝︎)

  • Election year 1849

Research

Alfred Brehm war ein deutscher Zoologe und Schriftsteller. Er verfasste für sein Fachgebiet populärwissenschaftliche Literatur und ist mit dem mehrbändigen Nachschlagewerk „Brehms Tierleben“ berühmt geworden. Als Gründungsdirektor des Zoologischen Gartens Hamburg sowie des Berliner Aquariums lag ihm die naturkundliche Bildung der Bevölkerung besonders am Herzen.

Alfred Brehm wurde am 2. Februar 1829 als Sohn des Pfarrers Christian Ludwig Brehm und seiner Frau Bertha in Unterrenthendorf (Thüringen) geboren. Der Vater hatte sich in der Fachwelt einen Namen als Ornithologe gemacht und seine Forschung weckte das Interesse Alfreds und seines jüngeren Bruders Reinhold. Brehm schrieb dazu später: „Was ich gelernt habe, danke ich meinem Vater, was ich hinzugefügt habe, hat mir das Jahrhundert geboten.“

Am 14. Mai 1861 heiratete er in Greiz sein Cousine Mathilde, die ihn bei seinen Forschungsarbeiten unterstützte. Das Paar bekam die Kinder Horst (1863), Thekla Elisa (1864), Leila Wanda (1866), Frieda (1870) und schließlich 1878 Alfred Rudolf Johannes. Im selben Jahr starb Brehms Frau im Alter von nur 38 Jahren. 1884 starb sein jüngster Sohn. Zudem flammte Alfred Brehms Malaria-Erkrankung wieder auf. Um mehr Ruhe zu finden, zog er von Berlin zurück in seinen Geburtsort Unterrenthendorf. Dort starb er am 11. November 1884.
Sein Geburtshaus ist heute ein Museum, das seinem Schaffen sowie dem seines Vaters Christian Ludwig gewidmet ist. Darüber hinaus wurden in zahlreichen Städten Straßen und Plätze nach ihm benannt, darunter in Halle (Saale), Frankfurt am Main und Hamburg. Außerdem gibt es im Tierpark Berlin seit 1963 das Alfred-Brehm-Haus. Auf der zu Norwegen gehörenden Insel Norwegen Edgeøya im Spitzbergenarchipel liegt das Kapp Brehm.

Alfred Brehm begann 1844 eine Maurerlehre im thüringischen Altenburg und besuchte die dortige Kunst- und Handwerksschule. Zwei Jahre später ging er nach Dresden zum Architekturstudium. Das brach er nach zwei Semestern ab, um 1847 als Gehilfe an der Afrika-Expedition des schwäbischen Vogelkundlers Baron Johann Wilhelm von Müller teilzunehmen. Die auf fünf Jahre angelegte Tour führte ihn nach Ägypten, in den Sudan und auf die Sinai-Halbinsel und war von vielen Schwierigkeiten geprägt. So blieb der Baron Brehm sein Entgelt schuldig, so dass er ein halbes Jahr mittellos in Khartum festsaß. Außerdem ertrank sein jüngerer Bruder Oskar 1850 beim Baden im Nil.

Trotz allem war die Unternehmung ein wissenschaftlicher Erfolg. Brehms Reiseaufzeichnungen und Tierstudien waren von großer Bedeutung. Nach seiner Rückkehr fanden sich in seinen Sammlungen 1.400 Vogelbälge sowie eine Reihe lebender Tiere, die später in den Berliner Zoo übernommen worden. 1849 erschien seine erste wissenschaftliche Veröffentlichung unter dem Titel „Der Winter in Ägypten in ornithologischer Hinsicht“.

Nach der Rückkehr aus Afrika begann Brehm in Jena ein Studium der Naturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Zoologie. Am 1. Mai 1855 wurde er an der dortigen Philosophischen Fakultät promoviert, als Dissertation wurde ihm ein Teil seiner Reisebeschreibungen anerkannt. Im Anschluss unternahm er gemeinsam mit seinem Bruder Reinhold eine zweijährige Spanienreise, von der er eine große Vogelsammlung mitbrachte. Ab 1858 ließ er sich in Leipzig als Hauslehrer und freier Schriftsteller nieder und verfasste zahlreiche naturwissenschaftliche Beiträge, die für Laien gut verständlich waren. Diese erschienen unter anderem in der zu jener Zeit populären Zeitschrift „Die Gartenlaube“.  Wie schon sein Vater Ludwig beschrieb auch Alfred mehrere Vogelarten sowie Unterarten, so beispielsweise die Unterarten der Schafstelze (Motacilla flava pygmaea) (1854) und des Eichelhähers (Garrulus glandarius fasciatus) (1857).

1860 unternahm Brehm eine Expedition nach Norwegen und Lappland, auf der er bis zum Nordkap reiste, um die dortige Tierwelt zu studieren. 1862 lud der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha ihn auf eine Reise ins ostafrikanische Kaiserreich Abessinien ein, wo Brehm das Leben des afrikanischen Großwilds studierte. Im gleichen Jahr wurde er zum Direktor des Zoologischen Gartens in Hamburg berufen, der 1863 eröffnet wurde. Während seines dortigen Schaffens erschienen die ersten Auflagen des mehrbändigen populärwissenschaftlichen Nachschlagewerks „Brehms Tierleben“ („Illustrirtes Thierleben“), das sowohl im Bildungsbürgertum als auch in der Arbeiterschaft großen Anklang fand. Brehms Hauptwerk erreichte mehr als 20 Auflagen. 1866 wurde Brehm nach einer Auseinandersetzung mit dem Verwaltungsrat des Hamburger Zoologischen Gartens entlassen. Unter anderem warf man ihm vor, zu wenig Einnahmen generiert zu haben.

1867 verlegte Brehm seinen Wohnsitz nach Berlin. Dort wurde er Ideengeber für das Berliner Aquarium Unter den Linden, das 1869 entstand und das er neun Jahre als Direktor leitete. Außerdem war er an der Konzeption des 1876 eröffneten Düsseldorfer Zoos beteiligt. In den folgenden Jahren unternahm Brehm wieder ausgedehnte Reisen, unter anderem nach Kroatien, Sibirien und ins Riesengebirge. 1883 begann er eine ausgedehnte Vortragsreise in die USA. Zu jener Zeit war er bereits verwitwet. So musste er vier seiner Kinder auf die Reise mitnehmen, obwohl sie kurz zuvor an Diphtherie erkrankt waren. Eine Absage hätte hohe Strafzahlungen zur Folge gehabt. Ein Teil der in Amerika gehaltenen Vorträge wurde später von seinem erstgeborenen Sohn Horst als Buch herausgegeben.

Zahlreiche wissenschaftliche Vereinigungen verliehen Alfred Brehm ihre Mitgliedschaft, darunter die Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes, die Deutsche Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (1849), die Deutsche Ornithologische Gesellschaft, die Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin, die Kaiserlich-Königliche Zoologisch-Botanische Gesellschaft zu Wien sowie die Königlich-Ungarische Naturwissenschaftliche Gesellschaft zu Budapest. Darüber hinaus wurde Brehm 1861 in Leipzig in die Freimaurerloge Apollo aufgenommen.

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