Prof. Dr. Ana Martin-Villalba

  • Section Human Genetics and Molecular Medicine
  • Location Heidelberg, Germany
  • Election year 2025

Research

Forschungsschwerpunkte: Regenerative Vorgänge in erwachsenen ZNS und Pankreas, Stammzellbiologie, Entzündung, Alterung und Krebs, GBM, PDAC, ZNS, posttranskriptionelle Regulierung der Genexpression, Einzelzell-Multi-Omics, Gehirn- und Pankreas-Organoide
Ana Martin-Villalba ist eine deutsche Medizinerin. Ihr Schwerpunkt liegt auf Regeneration, Krebs, Entzündungs- und Alterungsvorgängen. Sie erforscht, wie Stammzelleigenschaften im erwachsenen Gehirn und in der Bauchspeicheldrüse unter gesunden und krankhaften Bedingungen aktiviert werden. Insbesondere interessiert sie, wie Alter und Entzündungen gemeinsam die natürliche Fähigkeit des Körpers zur Reparatur verringern und gleichzeitig das Risiko für Krebs erhöhen. Dazu wendet sie zell- und molekularbiologische Techniken an, sowohl im lebenden Organismus als auch in Organoiden.
Im Zentrum der Forschung von Ana Martin-Villalba steht die Frage, wie der Körper im Alter funktioniert und wie er auf Verletzungen reagiert. Sie verfolgt den Ansatz, dass Krebs bei Erwachsenen einen gescheiterten Regenerationsversuch darstellt. Dabei betrachtet sie mehrere Ebenen: die Entzündungsreaktionen, das Immunsystem sowie das Vorhandensein von Stammzelleigenschaften. Dazu analysiert das Team um Ana Martin-Villalba einzelne Zellen sehr genau – auf der Ebene ihres Erbguts, ihrer Genaktivität und ihrer Eiweiße – sowohl im lebenden Organismus als auch in künstlich gezüchteten Mini-Organen (Organoiden) aus Maus- und menschlichem Gewebe.
Mit ihren Studien hat Ana Martin-Villalba wichtige Erkenntnisse zu den Mechanismen der Regeneration und deren Bedeutung für Erkrankungen des Gehirns, zum Alter und zur Onkologie gewonnen. Ihre Arbeiten leisten einen Beitrag zum besseren Verständnis von Stammzellen und deren Bedeutung für die Regeneration von Gewebe sowie für die Entwicklung neuer Behandlungsansätze bei Krebserkrankungen. 
Ein früher Schwerpunkt der Forschung von Ana Martin-Villalba war die Untersuchung des sogenannten Todesrezeptors CD95. Entgegen der bisherigen Annahme zeigte sie, dass CD95 in bestimmten Kontexten das Überleben von Zellen fördern kann und nicht zum programmierten Zelltod führt. Dies stellte ein Paradigmenwechsel dar und führte zur Entwicklung eines neuen therapeutischen Ansatzes, der bei Hirntumoren Anwendung finden könnte.
Darüber hinaus befasst sich Ana Martin-Villalba mit Alterungsprozessen im Gehirn auf zellulärer Ebene. Sie entwickelt Methoden zur Analyse einzelner Zellen im alternden Gehirn. Dabei konnte sie zeigen, dass Interferone – bestimmte Eiweiße des Immunsystems – eine Rolle bei der Aktivierung von neuronalen Stammzellen spielen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine gezielte Modulation von Interferonen therapeutisches Potenzial im Kontext des alternden Gehirns haben könnte.
In neueren Arbeiten beschäftigt sich die Arbeitsgruppe um Ana Martin-Villalba mit epigenetischen Mechanismen, das heißt vererbten genetischen Veränderungen, die die Genexpression, nicht aber die DNA-Sequenz beeinflussen. Insbesondere die DNA-Methylierung steht dabei im Fokus. Die Arbeitsgruppe konnte zeigen, dass diese Prozesse die Stammzelleigenschaften im erwachsenen Gehirn mitbestimmen. Unter bestimmten Bedingungen können bestimmte Zellen des zentralen Nervensystems, die Astrozyten, Stammzellmerkmale erwerben. Umgekehrt können Glioblastomzellen – das Glioblastom ist der häufigste bösartige Hirntumor – durch eine entsprechende epigenetische Umprogrammierung in einen ruhenden, astrozytenähnlichen Zustand übergehen. Diese Befunde könnten auch für andere Gewebe von Bedeutung sein und Anknüpfungspunkte für die regenerative Medizin und die Tumorforschung bieten.
Die Forschung von Ana Martin-Villalba trägt insgesamt dazu bei, biologische Prozesse der Regeneration und Krankheitsentwicklung differenzierter zu verstehen und neue therapeutische Konzepte zu prüfen.

  • seit 2011 Professorin für Molekulare Neurobiologie, Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft (DKFZ), Heidelberg
  • seit 2011 Leiterin, Abteilung „Molekulare Neurobiologie“, DKFZ, Heidelberg
  • 2011 Master of Management, Management Zentrum St. Gallen (MZSG), St. Gallen, Schweiz
  • 2007 Habilitation sowie Venia legendi, Universität Heidelberg
  • 2006-2011 Leiterin, Nachwuchsgruppe „Molekulare Neurobiologie“, DKFZ, Heidelberg
  • 1999-2006 Projektleiterin, Abteilung „Immunogenetik“, DKFZ, Heidelberg
  • 1998-1999 Postdoktorandin, Universität Heidelberg
  • 1995-1998 Promotion, Universität Heidelberg
  • 1995 Medical Full Licence to practise (First class honours), University of Murcia, Murcia, Spanien
  • 1993 Erasmus-Studentin, University of Leeds, Leeds, UK
  • 1992-1995 Forschungsstudentin, Abteilung für Physiologie und Pathophysiologie, Universität Murcia
  • Studium der Medizin, University of Leeds, Leeds, UK sowie University of Murcia, Murcia, Spanien

  • seit 2024 Mitglied, Scientific Advisory Board, Príncipe Felipe Research Centre Foundation (CIPF), Valencia, Spanien
  • seit 2023 Mitglied, Advisory Board, Department Experimental Oncology (DEO), European Institute of Oncology (IEO)
  • seit 2023 Mitglied, Senatsausschuss für Sonderforschungsbereiche (SFB), Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • seit 2023 Mitglied, Bewilligungsausschuss für SFB, DFG
  • 2023-2024 Mitglied, Course Committee, European Molecular Biology Organization (EMBO)
  • 2019-2025 Vorsitzende, Wissenschaftlicher Rat, DKFZ
  • 2019-2023 Mitglied, Fachkollegium „Entwicklungsbiologie“, DFG
  • 2017-2018 Präsidentin, Deutsches Stammzellnetzwerk (GSCN)
  • 2015-2025 Mitglied, Kuratorium, DKFZ
  • 2015-2025 Mitglied, Wissenschaftlicher Rat, DKFZ
  • seit 2015 Mitglied, Nachwuchs- und Mittelbauausschuss, DKFZ
  • seit 2013 Mitglied, Erweiterter Vorstand, GSCN
  • seit 2007 Mitglied, Fakultät für Biowissenschaften, Universität Heidelberg

  • 2023-2029  Principial Investigator, Synergy Grant „PEPS PerPetuating Stemness: From single-cell analysis to mechanisistic spatio-temporal models of neural stem cell dynamics“, European Research Council (ERC)
  • seit 2022 Wissenschaftlerin, Graduiertenkolleg (GRC) 2727 „Checkpoints der angeborenen Immunität bei Krebs und Gewebeschaden (InCheck)“
  • 2021-2025 Leiterin, Teilprojekt „Orchestrierung von stammzell- und EMT-artigen Phänotypen durch den Wnt-Signalweg“, SFB 1324, DFG
  • 2020-2024 Leiterin, Teilprojekt „Raum-zeitliche Kontrolle des CD95-Aktivierungsmodus“, Transregio (TRR) 186, DFG
  • 2018-2022 Leiterin, Teilprojekt „Mechanismen der Neurogenese im adulten Gehirn“, SFB 873, DFG
  • 2018-2023 Principial Investigator, Consolidator Grant „REBUILDCNS: Redirecting glial progenitor fate to rebuild the injured Brain“, ERC

  • seit 2025 Mitglied, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • seit 2020 Mitglied, EMBO
  • 2019 Female Scientist Award, GSCN
  • 2006 Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstädter-Nachwuchspreis, Paul Ehrlich-Stiftung, Frankfurt am Main
  • 2006 Walter und Christine Richtzenhain-Preis, Walther und Christine Richtzenhain-Stiftung, Heidelberg
  • 2006 Heinz Maier-Leibnitz-Preis, DFG

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