Prof. Dr. Feodor Lynen (✝︎)

Nobel Prize for Physiology or Medicine 1964

  • Section Biochemistry and Biophysics
  • Location München, Germany
  • Election year 1959

Research

Feodor Lynen war ein deutscher Biochemiker. Nach ihm ist der Lynen-Zyklus benannt. Mit analytischen Untersuchungsmethoden gelang ihm Anfang der 1950er Jahre die Entschlüsselung vieler Details beim Ablauf des Stoffwechsels in lebenden Zellen. Lynen schaffte es, aktivierte Essigsäure zu isolieren und ihre Funktion und Wirkungsweise als wichtiges Zwischenprodukt des Stoffwechsels aufzuklären.
Für die Entdeckungen auf dem Gebiet des Stoffwechsels von Cholesterin und Fettsäuren wurde Feodor Lynen 1964 gemeinsam mit dem US-Amerikaner Konrad Bloch mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.

Feodor Lynen wurde am 6. April 1911 als Sohn des Maschinenbauprofessors Wilhelm Lynen und seiner Frau Frieda, geborene Prym, in München geboren. Er besuchte das Luitpold-Gymnasium in München.
Am 14. Mai 1937 heiratete er Eva Wieland, die Tochter seines Doktorvaters, des Nobelpreisträgers für Chemie 1927 Heinrich Wieland. Das Paar bekam fünf Kinder.
Feodor Lynen starb am 6. August 1979 in München.
Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung, deren Präsident Feodor Lynen von 1975 bis 1979 war, vergibt das Feodor-Lynen-Forschungsstipendium.

Feodor Lynen begann 1930 ein Studium der Chemie an der Universität München, das er 1934 abschloss. Nach seiner Promotion war er ab 1937 als Stipendiat der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft im Chemischen Laboratorium der Bayerischen Akademie der Wissenschaften tätig. 1941 folgte die Habilitation. 1942 wurde er Dozent an der Universität München, 1947 außerordentlicher Professor. 1953 erhielt er einen Ruf an die Universität München. Ein Jahr später wurde er Direktor des Instituts für Zellchemie an der Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie in München-Schwabing. Als diese Einrichtung 1956 in ein eigenständiges Institut der Max-Planck-Gesellschaft (Max-Planck-Institut für Psychiatrie) umgewandelt wurde, übernahm Lynen dessen Leitung. 1957 wurde Lynen an der Universität München Ordinarius für Biochemie. 1972 war er Direktor der Abteilung Enzymchemie und Stoffwechsel am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München. 1979 wurde er emeritiert.

Für seine Arbeit erhielt Lynen zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter die Neuberg-Medaille (1954), Justus-von-Liebig-Medaille der Gesellschaft deutscher Chemiker (1955), Carus-Medaille der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1961), Otto-Warburg-Medaille (1963), Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland, Ehrenbürgerschaft der Stadt Starnberg (beide 1965), Wilhelm-Normann-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Fettwissenschaft (1967), Orden Pour le mérite für Wissenschaft und Künste (1971) sowie das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst (1973). 
Er war Mitglied in zahlreichen Akademien und wissenschaftlichen Vereinigungen, darunter der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (1953), Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1959), American Academy of Arts and Sciences (1962), Harvey Society New York sowie der American Society of Biological Chemists in Washington.
Mehrere Universitäten und Hochschulen verliehen ihm die Ehrendoktorwürde, darunter die Universitäten in Regensburg (1978) sowie Freiburg im Breisgau.

Bereits in den 1950er Jahren wurde unter Wissenschaftlern und Medizinern die Frage diskutiert, welche Risiken ein erhöhter Cholesterinwert im Blut verstärkt. Schon damals vermutete man, dass er eine Rolle bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielt. Auch die chemische Struktur dieser ringförmigen organischen Verbindung war bekannt. 
Jedoch wusste man nicht, wie sie im menschlichen Körper entsteht und wie genau sie den Stoffwechsel beeinflusst. Aufklärung brachten die Arbeiten von Feodor Lynen und seinem Kollegen Konrad Bloch, der in den Vereinigten Staaten forschte. Gemeinsam fanden sie heraus, dass Cholesterin aus Essigsäure entsteht und dass zur Entstehung rund 30 Zwischenschritte nötig sind. Dabei konnten sie neue Untersuchungsmethoden nutzen, mit denen man Stoffe radioaktiv markieren und dadurch ihren Weg durch lebende Organismen nachvollziehen kann.
Mit ihrer Forschung hatten sie eine der wichtigsten Substanzen des Fettstoffwechsels identifiziert. Es war Lynen, dem es gelang, die aktivierte Essigsäure erstmals zu isolieren. Bloch fand hingegen heraus, wie das Cholesterin aus den Molekülen der Säure entsteht. Die Entdeckungen Lynens und Blochs führten in der Praxis zu verbesserten Therapien bei Stoffwechselerkrankungen wie etwa Diabetes und Arteriosklerose. Für ihre Arbeiten wurden die beiden Wissenschaftler 1964 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.

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