Prof. Dr. Gustav von Schleich (✝︎)
- Election year 1909
Research
Person
Gustav von Schleich wurde am 15. Mai 1851 in der Kleinstadt Waldenbuch bei Stuttgart als Sohn eines Arztes geboren. Im Jahr 1904 gründete er gemeinsam mit den Direktoren der Stuttgarter Augenkliniken die Württembergische Augenärztliche Vereinigung, die 2013 in Baden-Württembergische Augenärztliche Vereinigung umbenannt wurde. Ab 1907 wirkte er für einige Jahre im Tübinger Gemeinderat. Während des 1. Weltkriegs war er Chefarzt des Tübinger Reservelazaretts.
Gustav von Schleich starb am 19. September 1928 in Tübingen. Mit seiner Ehefrau Sophie (1864 - 1936) hatte er fünf Kinder. Der Sohn Fritz starb früh im Kindesalter, die Söhne Gustav und Otto fielen als Kompanieführer im 1. Weltkrieg in Frankreich. Gustav von Schleich liegt auf dem alten Stadtfriedhof in Tübingen begraben. Auf seinem Grabstein verzichtete er auf das „von“.
Career
Gustav von Schleich studierte Medizin an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und promovierte 1875 ebendort. Ein Jahr später, 1876, trat er in die Tübinger Augenklinik ein, die seinerzeit von dem Augenheilkundler Albrecht Eduard Nagel (1833 - 1895) geleitet wurde. Im Jahr 1880 erfolgte bei Nagel in Tübingen die Habilitation für das Fach Augenheilkunde. Die Außerordentliche Professur wurde von Schleich 1884 zuerkannt. Ab 1889 war er Direktor der „Augenanstalt für Unbemittelte“ in Stuttgart. Nachdem sein Lehrer Nagel im Amt verstorben war, wurde Gustav von Schleich 1895 auf den Lehrstuhl für Augenheilkunde in Tübingen berufen.
Von Schleich erkannte schnell, dass die unter Nagel eingerichtete erste Augenklinik in der Tübinger Wilhelmstraße den Ansprüchen einer zeitgemäßen Augenheilkunde nicht mehr genügte – dies in erster Linie aufgrund der Fortschritte in Diagnostik und Therapie im ausgehenden 19. Jahrhundert sowie der deutlich gestiegenen Zahl an Patienten und Patientinnen nach Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung 1883. Gemeinsam mit dem Stuttgarter Oberbaurat Albert von Beger (1855 - 1921) ging von Schleich deshalb an die Planung einer neuen Augenklinik, die von 1906 bis1908 im Jugendstil erbaut wurde, am 1. Januar 1909 mit 110 Betten in Betrieb ging und seinerzeit eine der modernsten in Europa war.
Wissenschaftlich befasste sich von Schleich vor allem mit der vergleichenden Augenheilkunde. In seiner Stuttgarter Zeit ab 1889 hatte er einen Lehrauftrag mit Professur für Augenheilkunde an der dortigen tierärztlichen Hochschule inne. Seine Antrittsvorlesung in Tübingen im Februar 1896 hatte das Thema „Das Sehvermögen der höheren Tiere“. Daneben beschäftigte sich von Schleich intensiv mit Fragen der Vererbung, wobei er weniger selbst publizierte als vielmehr seine Mitarbeiter inspirierte. Schließlich verfasste von Schleich auch klinische Studien, unter anderem zum Glaukom, sowie Berichte zur Geschichte der Augenheilkunde in Tübingen. Seine berühmtesten Schüler waren Bruno Fleischer (1874 - 1965), ab 1920 Ordinarius für Augenheilkunde in Erlangen, sowie Wolfgang Stock (1874 - 1956), ab 1910 Ordinarius für Augenheilkunde in Jena und ab 1921 von Schleichs Nachfolger auf dem Tübinger Lehrstuhl.
Honours and Memberships
Gustav von Schleich wurde 1909 Mitglied der Leopoldina. 1909/10 war er Rektor der Universität Tübingen, weswegen ihm 1910 das „Ehrenkreuz des Ordens der Württembergischen Krone“ verliehen und er in den Adelsstand erhoben wurde. Die Straße, an welcher die von ihm geplante, zweite Augenklinik lag, wurde posthum nach von Schleich benannt.