Heinrich Harms (✝︎)

  • Section Ophthalmology, Oto-Rhino-Laryngology and Stomatology
  • Location Tübingen, Germany
  • Election year 1970

Research

Forschungsschwerpunkte: Pathophysiologie und Therapie des Schielens sowie des Glaukoms, Verkehrsophthalmologie, Entwicklung von Instrumenten für die Ophthalmologie
Heinrich Harms war Augenarzt und von 1952 bis 1976 Lehrstuhlinhaber für Augenheilkunde an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen. Sein Name ist verbunden mit der Pathophysiologie und der Therapie des Schielens und des Glaukoms, der Perimetrie, der Verkehrsophthalmologie und insbesondere mit der Entwicklung des Operationsmikroskops für die Augenheilkunde.
Heinrich Harms wurde als Sohn des ersten Augenarztes in Stralsund, Hermann Harms, geboren. Sein Onkel war der im 1. Weltkrieg 1915 gefallene Professor für Augenheilkunde in Tübingen, Clemens Harms. Damit war Heinrich die Ophthalmologie sozusagen in die Wiege gelegt. Er besuchte das Gymnasium in Stralsund und studierte nach dem Abitur Medizin in Tübingen, München, Bern, Berlin und Rostock, wo er das Staatsexamen ablegte und mit der morphologischen Arbeit „Beitrag zur Histopathologie der Balantidiencolitis“ (erschienen in „Virchow’s Archiv für pathologische Anatomie“, 1932) promovierte.
Entscheidend für die wissenschaftliche Karriere wurden der Forschungsaufenthalt beim Physiologen Armin von Tschermak-Seysenegg in Prag und der Eintritt in die Universitäts-Augenklinik Breslau, die von dem seinerzeit berühmten Schielforscher Alfred Bielschowsky geleitet wurde.
Der Schielforschung blieb Harms bis zu seiner Emeritierung treu, der Titel seiner Habilitationsschrift von 1937 befasste sich mit „Ort und Wesen der Bildhemmung bei Schielenden“. Er entwickelte die Tangentenskala („Harms-Wand“), die heute noch in vielen Sehschulen unentbehrlich für die Messung von Schielwinkeln ist. Auch die ausgeübte Pupillenforschung war letztendlich ein Produkt seiner neuroophthalmologischen Ausbildung und klinischen Betätigung.
In Freiburg und Berlin begann Heinrich Harms, sich mit der Hornhautübertragung (Keratoplastik) sowie der Pathophysiologie und Therapie des Glaukoms zu befassen. Bekannt ist noch heute die „Harms-Sonde“ für die Trabekulotomie ab externo, einer Form der Glaukomoperation. Harms sah insbesondere bei der Keratoplastik und der Glaukomchirurgie die Notwendigkeit verbesserter und verfeinerter Operationstechniken. Dieses veranlasste ihn, zusammen mit der Firma Carl Zeiss in Oberkochen ein Operationsmikroskop für die Augenheilkunde zu entwickeln, das er ab 1953 einsetzte und über das er 1966 gemeinsam mit seinem Schüler Günter Mackensen einen umfangreichen Erfahrungsbericht vorlegte. Die Einführung des Operationsmikroskops in die Ophthalmologie ist als Harms‘ größte wissenschaftliche Leistung anzusehen.
Das Glaukom motivierte Heinrich Harms und seine kongeniale Schülerin und Partnerin Elfriede Aulhorn – sie wurde 1970 erste Ordinaria für Augenheilkunde in der Bundesrepublik Deutschland an die Universitätsaugenklinik Tübingen berufen – auch, ein Gerät zur genaueren Detektion der bei dieser Krankheit auftretenden Gesichtsfeldausfälle zu entwickeln. Das als „Tübinger Perimeter“ weltweit bekannt gewordene Instrument war Vorläufer der viele Jahre später eingeführten und heute gängigen automatisierten Perimetrie. Aufgrund ihrer sinnesphysiologischen Forschungen wurden Harms und Aulhorn zu Wegbereitern der Verkehrsophthalmologie. Ihre Vorschläge, wer mit welchen Minderungen der visuellen Funktion noch ein Kraftfahrzeug führen darf, prägten über viele Jahre, letztlich bis heute die gesetzlichen Mindestanforderungen an das Sehvermögen im Verkehr.
Nach seiner Emeritierung 1976 blieb Heinrich Harms der Wissenschaft treu und befasste sich noch über viele Jahre mit der Auswertung seiner Glaukom-Operationen, die er 1987 gemeinsam mit dem Ophthalmologen Reinhard Dannheim in dem Werk „Glaukomoperationen bei offenem Kammerwinkel“ zusammenfasste. Danach und nachdem seine Frau gestorben war, kehrte er in seine Heimatstadt Stralsund zurück.
Bei aller Begeisterung für die Forschung war Heinrich Harms stets klar, dass sie für die ärztliche Tätigkeit nicht das Wichtigste ist. Dementsprechend schloss der Harms-Schüler Reinhard Dannheim seine Erinnerungen zum 100. Geburtstag von Harms 2008 mit den Worten: „Der Arzt Harms hat uns vorgelebt, was heute kaum mehr üblich und möglich ist: An erster Stelle steht der Patient, dem man aufmerksam zuhören muss. Zum erfolgreichen Helfen gehört dann auch die Bereitschaft zur Selbstkritik. Die Frage nach dem Geld sollte – bei aller Wichtigkeit – erst an letzter Stelle kommen.“
Heinrich Harms war Vater von neun Kindern. Er wurde neben seiner Ehefrau auf dem Bergfriedhof in Tübingen begraben.

  • 1976 Professor Emeritus
  • 1953 Antrittsvorlesung „Fortschritte und Probleme der heutigen Augenheilkunde“, Eberhard-Karls-Universität Tübingen
  • 1952 Berufung auf den Lehrstuhl für Augenheilkunde, Eberhard-Karls-Universität Tübingen
  • 1949 Oberarzt, Augenklinik, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • 1943 Ernennung zum Außerplanmäßigen Professor, Berlin
  • 1941 Oberarzt und Dozent, Charité Berlin
  • 1937 Habilitation für das Fach Augenheilkunde, Berlin
  • 1934 Wechsel an die Augenklinik der Charité Berlin
  • 1933 Wechsel an die Augenklinik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • 1932 Beginn der ophthalmologischen Ausbildung, Augenklinik, Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität Breslau
  • 1932 Sinnesphysiologische Ausbildung, Deutsche Universität Prag
  • 1932 Medizinisches Staatsexamen und Promotion, Universität Rostock

  • 1967-1968 Präsident, Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG)
  • 1964-1965 Dekan, Medizinische Fakultät, Eberhard-Karls-Universität Tübingen

  • 1982 Verdienstkreuz 1. Klasse, Bundesrepublik Deutschland
  • 1977 Ehrenmitglied, DOG
  • 1970 Mitglied, Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina
  • 1949 Von Graefe-Preis, DOG
  • Ehrenmitglied, International Perimetric Society
  • Ehrenmitglied, Hellenic Ophthalmological Society, Griechenland
  • Ehrenmitglied, Instituto Barraquer de America, Bogota, Kolumbien

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