Hermann Joseph Muller (✝︎)

Nobel Prize for Physiology or Medicine 1946

  • Location Bloomington, IN, United States
  • Election year 1960

Research

Hermann Joseph Muller war ein US-amerikanischer Biologe und Genetiker. Nach ihm ist das evolutionsbiologische Konzept einer Art genetischer Sperrklinke, der Muller-Ratsche benannt. Für die Entdeckung, dass Mutationen im Erbgut durch Röntgenstrahlen hervorgerufen werden können, wurde er 1946 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.

Hermann Josef Muller wurde am 21. Dezember 1890 als Sohn des Kunsthandwerkers Hermann Joseph Muller Sr. und seiner Frau Frances in New York City geboren. Sein Großvater stammte aus Freiburg im Breisgau. Als Hermann zehn Jahre alt war, starb der Vater. Der Sohn absolvierte zunächst die Schule in Harlem, später die Morris High School in der Bronx.
Seine erste Frau Jessie Jacobs heiratete er 1923. Das Paar bekam 1924 den Sohn David Eugene. Er wurde später Professor für Mathematik an der University of Illinois und an der New Mexico State University. Im Mai 1939 heiratete Muller erneut. Mit seiner zweiten Frau Dorothea Kantorowicz Muller bekam er die Tochter Helen Juliette. Sie wurde Professorin für Marketing und Public Health an der University of New Mexico.
Hermann Joseph Muller starb am 5. April 1967 in Indianapolis.

 

Hermann Joseph Muller begann bereits im Alter von 16 Jahren ein Studium an der Columbia University in New York. 1910 erwarb er dort den akademischen Grad eines Bachelor of Arts (B.A.), ein Jahr später den eines Master of Arts (M.A.). Von 1911 bis 1912 war er am Cornell Medical College tätig. Es folgte von 1912 bis 1915 eine Stelle als Assistent im Bereich Zoologie an der Columbia University, wo er 1916 promoviert wurde. Zwischen 1915 bis 1918 war er am Rice Institute in Houston, Texas tätig. Im Anschluss arbeitete er zwei Jahre an der Columbia University in New York und wechselte 1918 erneut nach Texas, diesmal an die University of Texas, wo er von 1925 bis 1932 eine Professur für Zoologie innehatte. 1927 führte er Experimente mit Bestrahlungen bei der Fruchtfliege Drosophila melanogaster durch. Das Ergebnis waren Mutationen und eine Veränderung des Erbgutes.
Im Jahr 1932 zog er nach Deutschland, wo er als Stipendiat der Guggenheim Memorial Foundation am Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin tätig war. 1933 wechselte er nach Russland. Dort arbeitete er in Leningrad und Moskau am Institut für Genetik der Akademie der Wissenschaften der UdSSR. Von 1937 bis 1940 forschte er in Großbritannien am Institut für Tiergenetik der University of Edinburgh. Zwischen 1942 und 1945 hatte er eine Professur am Amherst College in Massachusetts inne. 1945 folgte er einem Ruf auf eine Professur für Zoologie an der Indiana University in Bloomington, die er bis 1964 behielt. Nach seiner Emeritierung im Jahr 1964 war er für ein Jahr als Administrator am City of Hope National Medical Center in Duarte, Kalifornien tätig. 1965 ging er schließlich als Professor für Zoologie an die University of Wisconsin nach Madison. Dort blieb er bis 1966.

 

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten erhielt Muller zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter den Newcomb Cleveland Prize (1927), Kimber Award in Genetics der National Academy of Sciences (1955), Virchow Medal der Virchow Society of New York (1956) Lennean Society of London´s Darwin-Wallace Medal (1958), die Darwin-Plakette der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1959), Alexander Hamilton Award der Columbia University (1960), Cleveland Research Prize der American Association for the Advancement of Science (1967). Die American Humanist Association wählte ihn 1963 außerdem zum Humanist of the year.
Muller war Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Akademien, darunter der US-National Academy of Sciences (1931), der Russischen Akademie der Wissenschaften (1933), Royal Society of Edinburgh, American Academy of Arts and Sciences (1942), American Association for the Advancement of Science, American Society of Naturalists (1943), Royal Society London (1953) und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1960).
1947 stand er der Genetics Society of America als Präsident vor. Zwischen 1949 und 1950 war er außerdem Präsident der American Society of Human Genetics sowie 1964 Vizepräsident der World Academy of Arts and Sciences.
Mehrere Universitäten verliehen ihm die Ehrendoktorwürde, darunter die University of Edinburgh (1940), Columbia University New York (1949), University of Chicago (1959), Jefferson Medical College (1963) sowie das Swarthmore College in Pennsylvania (1964).

 

Hatte das Nobelkomitee 1901 noch die Ehrung im Bereich für Physik an Wilhelm Conrad Röntgen für die Entdeckung der nach ihm benannten Strahlung vergeben, so setzte das Gremium fast ein halbes Jahrhundert später gleichsam einen Kontrapunkt, indem es den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin an Hermann Joseph Muller vergab. Denn seine Arbeiten halfen, die Gefahren zu belegen, die von Röntgenstrahlen ausgehen.
Bereits um 1900 wusste man in der Wissenschaft um die Möglichkeit spontaner Veränderungen (Mutationen) im Erbgut. Um 1927 setzte Hermann Joseph Muller in seinem Labor in Texas Fruchtfliegen (Drosophila Melanogaster) radioaktiver Strahlung aus. Er entwickelte Methoden, mit deren Hilfe er die Häufigkeit der Mutationen exakt messen konnte. So konnte er nachweisen, dass solche spontanen Veränderungen durch Röntgenstrahlung hervorgerufen werden können. Im Experiment konnte er zudem zeigen, dass sich im Erbgut nahezu aller Fruchtfliegen-Nachkommen derartige Mutationen nachweisen ließen. Außerdem belegte er, dass die Anzahl der Mutationen von der Stärke der Strahlung abhängt. Für diese Arbeiten wurde Muller 1946 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.
Mullers Arbeiten verliehen der genetischen Forschung einen enormen Schub. Er selbst wandte sich 1955 gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern öffentlich gegen oberirdische Atomversuche, da mit seiner Arbeit klar geworden war, welchen Schaden radioaktive Strahlung bei Mensch und Tier anrichten kann.

 

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