Matthias Jakob Schleiden (✝︎)

  • Election year 1838

Research

Matthias Jacob Schleiden war ein deutscher Botaniker und Anthropologe. Er lieferte wichtige Arbeiten zur Entwicklungsgeschichte der Blütenpflanzen und zur Anatomie von Pflanzenzellen. Er erkannte, dass Zellen die Grundbausteine jeder Pflanze sind und lieferte damit Ansätze für eine Zelltheorie.
Schleiden verfasste wegweisende Publikationen auf dem Gebiet der Botanik, darunter die Werke „Grundzüge der wissenschaftlichen Botanik (1842/43), „Die Pflanze und ihr Leben“ (1848) und das „Handbuch der medicinisch-pharmaceutischen Botanik und botanischen Pharmacognosie“ (1851 - 1857). Er war zwölf Jahre Direktor des Großherzoglich-Botanischen Gartens in Jena. Er ist außerdem Namensgeber für die seit 1955 von der Leopoldina vergebenen Schleiden-Medaille.

Matthias Jacob Schleiden wurde am 5. April 1804 als erstes Kind des Stadtphysikus’ Andreas Benedictus Schleiden und dessen Ehefrau Sophie Eleonore, geborene Bergfest, in Hamburg geboren. Er wuchs mit drei Geschwistern auf: Wilhelmine Marie Sophie Eleonore (geb. 1806), Marie Caroline (geb. 1808) und Carl Heinrich (geb. 1809). Die elterliche Wohnung befand sich „Bei der kleinen Michaeliskirche 109“.

Zwischen 1810 und 1821 besuchte Schleiden zunächst das Johanneum in Hamburg sowie das Akademische Gymnasium, wo zu jener Zeit der Botaniker Johann Lehmann lehrte.

Am 27. Februar 1844 heiratete Schleiden Bertha Mirus aus Weimar. Im gleichen Jahr bekam das Paar am 6. Dezember die Tochter Eleonore.

Am 2. Juni 1847 kam mit Marie eine weitere Tochter zur Welt. Sie starb bereits am 16. Februar 1863 an einer Nierenerkrankung. In den Jahren 1848/49 ließ Schleiden auf seinem Gartengrundstück in der Neugasse in Jena ein Haus für seine Familie bauen. Am 20. Oktober 1849 kam die dritte Tochter Wilhelmine Louise Melanie zur Welt.

1853 erkrankte Schleidens Ehefrau Bertha an Tuberkulose und verstarb am 21. Januar 1854. Am 29. Mai 1855 heiratete Schleiden in zweiter Ehe Therese Marezoll.

Nach seiner Entlassung aus russischen Diensten im Oktober 1864 zog er zunächst nach Dresden, im Anschluss nach Frankfurt am Main, Darmstadt und im April 1881 wieder nach Frankfurt am Main, wo er am 23. Juni 1881 starb. Er wurde auf dem dortigen Hauptfriedhof beigesetzt.

Ihm zu Ehren wurde 1838 die Pflanzengattung „Schleidenia“ benannt. Darüber hinaus wurde am 18. Juni 1904 im Botanischen Garten Jena ein von Ignatius Taschner gestaltetes Denkmal eingeweiht. Außerdem trägt das Matthias Schleiden-Institut der Friedrich Schiller-Universität in Jena seinen Namen. In Frankfurt am Main, Berlin, Jena, Erfurt, Köln, Wien sind Straßen bzw. Plätze nach ihm benannt. Seit 2002 trägt der Asteroid 37584 seinen Namen. 

Matthias Jacob Schleiden studierte von 1824 bis 1827 Jura an der Universität Heidelberg. Dort bestand er am 26. August 1826 die mündliche Prüfung mit der Note „summa cum laude“ und wurde im September 1826 zum „Doktor beider Rechte“ promoviert.

Im Anschluss war er von 1828 bis 1832 in Hamburg als Notar tätig. Während dieser Zeit zweifelte er fortwährend an seiner Berufswahl. Am Ende dieser von Unruhe und Unzufriedenheit geprägten Phase stand im Sommer 1832 ein Suizid-Versuch.

Am 16. November 1832 begann er an der Universität Göttingen ein Studium der Medizin. Außerdem hörte er Lehrveranstaltungen für Botanik bei dem in Göttingen lehrenden Botaniker Friedrich Gottlieb Bartling. Zum Sommersemester 1835 wechselte Schleiden nach Berlin, wo er bis 1838 neben den Lehrveranstaltungen zur Medizin vor allem solche zur Anatomie und Physiologie von Pflanzen wahrnahm.

Zwischen 1837 und 1838 entstanden wichtige Arbeiten zur Entwicklungsgeschichte der Blütenpflanzen und zur Anatomie der Pflanzenzellen, die gemeinsam mit den Arbeiten des Physiologen Theodor Schwann zu einer Zelltheorie führten. Während dieser Zeit geriet Schleiden erneut in eine tiefe Lebenskrise, die im Dezember 1838 in einen zweiten Suizid-Versuch mündete. Zur Genesung seiner Psyche zog er sich im Anschluss bis zum August 1839 nach Wernigerode in ein Pfarrhaus zurück.

Am 1. September bezog Schleiden eine Wohnung in Jena (Vor dem Johannestor). Am 27. November 1839 promovierte er an der Philosophischen Fakultät der Universität Jena zum Dr. phil. Im Anschluss wurde er am 14. Januar 1840 durch den Großherzog von Weimar zum Außerordentlichen Professor ernannt. Zwischen 1840 und 1848 hielt er darüber hinaus in der herzoglichen Bibliothek in Weimar die sogenannten Pawlowna-Vorlesungen – eine Reihe, die auf die Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach, Maria Pawlowna, zurückging.

1843 gründete Schleiden mit weiteren Wissenschaftlern aus seinem Privatlaboratorium heraus das Physiologische (Privat)-Institut. Am 11. August 1846 wurde er in die Medizinische Fakultät der Universität Jena versetzt und zum ordentlichen Honorarprofessor ernannt.

Im März 1848 gründete er den Jenaer Reformverein und wurde als Abgeordneter in den Weimarer Landtag gewählt. Schließlich erhielt er im gleichen Jahr von der Weimarer Regierung den Auftrag zur Reorganisation der Jenaer Universitätsmuseen.

Am 20. März 1849 wurde er Ordentliches Mitglied der Medizinischen Fakultät und dort am 25. Juni 1850 zum Ordinarius für Naturwissenschaften ernannt. In seinen Lehrveranstaltungen befasste er sich nicht nur mit naturwissenschaftlichen, sondern auch mit anthropologischen, philosophischen und kulturhistorischen Themen.

Von 1851 bis 1862 übernahm er außerdem die Pflichten des Gartendirektors des Großherzoglich-Botanischen Gartens in Jena. 1854 gehörte Schleiden zu den Mitbegründern der Medizinisch-naturwissenschaftlichen Gesellschaft zu Jena. Ende März 1856 nahm er eine Vortragsreise nach Berlin zum Anlass für einen Besuch bei Alexander vom Humboldt, seit 1793 Mitglied der Leopoldina. Beide Wissenschaftler verband das Anliegen, in den gebildeten Schichten des Bürgertums ein grundlegendes Interesse für naturwissenschaftliche Themen zu fördern.

In den Folgejahren übernahm Schleiden weitere Funktionen innerhalb der Universität Jena: Im Frühjahr 1859 war er zunächst Prorektor, zwischen 1860 und 1861 fungierte er als Dekan der Medizinischen Fakultät. In diese Zeit fiel auch die Habilitation Ernst Haeckels, der seit 1863der Leopoldina angehörte, im Februar 1861.

Im Juli 1862 verkaufte Schleiden sein Haus in Jena, reichte im August ein Urlaubsgesuch für das Wintersemester ein und begab sich auf eine Kur. Nur wenige Wochen nach dem Tod seiner 16-jährigen Tochter Marie am 16. Februar 1863 reichte er am 14. März ein Entlassungsgesuch aus seinem Universitätsamt in Jena ein.

Am 3. Juni 1863 wurde er durch die russische Regierung zum Extraordinarius für Botanik und Anthropologie an die Universität Dorpat in Livland berufen. Am 4. Dezember 1863 wurde er dort zum Ordentlichen Professor und zum Kaiserlichen Hofrat ernannt. Bereits am 20. Oktober des folgenden Jahres wurde er nach Streitigkeiten aus russischen Diensten entlassen und ging zunächst nach Dresden, wo er bis 1871 in der Mathildenstraße 16 seinen Wohnsitz hatte. Er war dort – und später auch in Darmstadt, Wiesbaden und Frankfurt am Main – bis zu seinem Tod als Privatgelehrter tätig. 

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