Prof. Dr. Max Schwab (✝︎)

  • Section Earth Sciences
  • Location Halle (Saale), Germany
  • Election year 1991

Research

Max Schwab war ein deutscher Geologe. Er lieferte Arbeiten zu Struktur-, Regional- sowie zur Umweltgeologie. Weitere Schwerpunkte seiner Forschung waren die Geologie der Umgebung der Stadt Halle (Saale) sowie die Geologie und Tektonik des Harzes. So war Schwab auch Mitautor einer Monografie zur Geologie Sachsen-Anhalts. Ebenso leitete er den Bereich Wissenschaft des Geiseltalmuseums sowie das Museum in Halle (Saale). Besondere Verdienste erwarb er sich nach 1989/90 bei der Neuordnung der Geologie-Ausbildung und der Neugründung des Instituts für Geologische Wissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Max und sein Zwillingsbruder Günther Schwab wurden am 1. März 1932 als Kinder des jüdischen Kaufmanns Julius Schwab und dessen zum Judentum konvertierter Frau Pauline Margarethe, geborene Günter, in Halle (Saale) geboren. Dort wurden die Zwillinge bereits als Kinder mit der massiven Beeinträchtigung des Lebens durch nationalsozialistische Herrschaft und die 1935 erlassenen Nürnberger Gesetze konfrontiert. 1935 verschärfte sich die Diskriminierung der Familie mit dem erzwungenen Verkauf von Grundstückseigentum und der geschäftlichen Behinderung des Vaters Julius Schwab, der außerdem von der Gestapo verhört wurde. Nach der Pogromnacht von 1938 wurde Julius Schwab verhaftet und ins KZ Buchenwald deportiert und 1942 im KZ Auschwitz ermordet.

Um die beiden Söhne während der Nazi-Diktatur besser schützen zu können, ließen sich die Eltern 1940 scheiden (die Scheidung wurde 1957 offiziell aufgehoben). Schwabs Mutter blieb mit ihren Zwillingen in Halle und konnte durch die Scheidung erreichen, dass die beiden Jungen von den Nationalsozialisten lediglich als sogenannte Halbjuden eingestuft wurden. Dadurch rückten sie zwar in den Deportationslisten nach hinten, lebten jedoch weiterhin in großer Gefahr. Sie durften ab 1939 keine öffentliche Schule mehr besuchen und wurden zu Hause von einer arbeitslos gewordenen Waldorf-Lehrerin privat unterrichtet. Die Shoah überlebten die Zwillinge, weil sie von Hallenserinnen und Hallensern Hilfe erhielten. Dieser Umstand war nach Max Schwabs Aussage auch ein Grund dafür, dass er nach 1945 in Halle blieb.

1950 legte er hier an der Thomas-Müntzer-Oberschule das Abitur ab und war vor Beginn seines Geologie-Studiums an der Martin-Luther-Universität als Grabungshelfer im nahegelegenen Geiseltal tätig.

Schwabs Zwillingsbruder Günther studierte ebenfalls Geologie; er starb 1996 bei einem Autounfall. Zuletzt war er Direktor des Landesamtes für Geowissenschaften und Rohstoffe in Brandenburg.

Max Schwab war mit Jutta Schwab verheiratet. Das Paar bekam die Söhne Matthias, Tobias und Markus.

Max Schwab wirkte an mehreren Projekten zur Erinnerung an den Holocaust und an seine jüdische Familie mit, darunter bei der Verlegung von Stolpersteinen für seinen Vater und seine Tante vor dem ehemaligen Wohnhaus Riebeckplatz 4 sowie für die Familie seines Onkels vor dem Haus Rannische Straße 1. Außerdem beteiligte er sich an Filmprojekten zur Aufarbeitung der und zur Erinnerung an die Verbrechen an den Juden während der Nazizeit. Darüber hinaus trat er als Zeitzeuge in Schulen auf, um aus seiner Kindheit zu berichten und an die Schrecken der Judenverfolgung zu erinnern. Zum Zeitpunkt seines Todes war Max Schwab der letzte noch in der Stadt lebende jüdische Bürger, der die Pogromnacht von 1938 in Halle erlebt hatte.

Am Vorabend von Jom Kippur 2019, der zugleich der Vorabend des Anschlags auf die Synagoge in Halle (Saale) war, hatte Max Schwab die Gräber seiner Familie auf dem Jüdischen Friedhof besucht. Während des Anschlags am 9. Oktober war er nicht im Gebäude.

Max Schwab starb am 13. April 2024 in seiner Geburtsstadt Halle (Saale) und wurde auf dem Jüdischen Friedhof beigesetzt. Im Stadtmuseum der Saalestadt wird an sein Leben und das Schicksal seiner Familie erinnert.

Max Schwab begann 1950 das Geologiestudium an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale). 1951 wechselte er an die Humboldt-Universität zu Berlin. Dort schloss er 1955 sein Studium mit der Diplomarbeit „Die Nordlausitzer Grauwackenformation bei Weißenberg/Sachsen. Tektonische Untersuchungen“ ab. Im Anschluss war er als Wissenschaftlicher Assistent am Geologisch-Paläontologischen Institut der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale) tätig, wo er 1961 mit der Arbeit „Tektonische Untersuchungen im Permokarbon nördlich von Halle (Saale)“ promoviert wurde. Danach war er bis 1968 Wissenschaftlicher Oberassistent am Geologisch-Paläontologischen Institut sowie von 1969 bis 1978 Wissenschaftlicher Oberassistent am Fachbereich Geologie der Sektion Geographie an der Martin-Luther-Universität. Dort wurde er 1970 mit der Schrift „Beiträge zur Tektonik der Rhenoherzynischen Zone im Gebiet der DDR mit besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse im Unterharz“ habilitiert.
Ab 1972 war er Bereichsleiter Geologie sowie zwischen 1978 und 1985 zunächst Kommissarischer Leiter und von 1985 bis 1991 „Wissenschaftsbereichsleiter für Geologische Wissenschaften und Geiseltalmuseum in Halle“. Darüber hinaus wurde er 1982 zum Außerordentlichen Professor ernannt.

Besondere Verdienste erwarb er sich bei der Neuordnung der Geologie-Ausbildung und der Neugründung des Instituts für Geologische Wissenschaften an der Martin-Luther-Universität nach 1989/90. Schwab lehrte dort bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1997.

Für seine wissenschaftliche Arbeit wurde Max Schwab zahlreich geehrt, darunter mit der Abraham-Gottlob-Werner-Medaille der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft (1979), der Serge-Bubnoff-Medaille der Deutschen Geologischen Gesellschaft – Geologische Vereinigung (1990) sowie der Hans-Stille-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften (1997).

In der Zeit der DDR war er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats für Geowissenschaften. 1991 wurde er Mitglied der Leopoldina sowie 1999 Ehrenmitglied der Geologischen Vereinigung.

Darüber hinaus hatte er zahlreiche Funktionen inne. Er war Mitglied des Wissenschaftsrats, zu dessen Evaluierungskommission er gehörte, sowie in weiteren wissenschaftlichen Vereinigungen und Institutionen, darunter der Deutsche Landesausschuss für das International Geoscience Programme (IGCP), der Wissenschaftliche Beirat Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben beim Niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung, das Deutsche Nationalkomitee für Geologische Wissenschaften, die Senatskommission für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsforschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Außerdem war er Fachgutachter der DFG und Vorsitzender der Gesellschaft für Geologische Wissenschaften.

The Leopoldina uses cookies

We use cookies on our website. Some of them are necessary (functional cookies), while others are not necessary but help us to improve our online offering and operate it economically.

You can consent to the use of non-essential cookies by clicking on the "Accept all" button or by clicking on individual settings and agreeing to them by clicking on "Accept selection".

You can access these settings at any time and deselect cookies at a later date.

Functional

These cookies are technically necessary in order to provide the following core functionalities of the website:

  • Display of the website
  • Anonymisation of IP addresses within log files
  • Status cookie consent
Comfort

In addition to necessary cookies, we also use cookies to make your use of the website more pleasant. If you accept these cookies, external media will be loaded without your further consent.

Tracking

With the help of statistics cookies, we can better customise the content and services of our website to your interests and needs. For statistics and analyses, we use the product Matomo for statistics and analyses.

External link warning

Die Nutzung dieses Teildienstes erfordert ihre Einwilligung in die Verarbeitung zusätzlicher personenbezogener Daten durch einen selbständigen Verantwortlichen: Matterport Inc., 352 E. Java Drive, Sunnyvale, CA 94089, USA. Es gelten folgende Datenschutzhinweise: https://matterport.com/de/node/44. Mit der Einwilligung durch Klick auf „Ok“ kann auch eine Übermittlung von personenbezogenen Daten in ein Land außerhalb der Europäischen Union erfolgen. Die Einwilligung ist freiwillig. Eine Ablehnung führt zu keinen Nachteilen. Eine erteilte Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden.

Ich bin damit einverstanden, dass bei Nutzung dieses Teildienstes zusätzliche personenbezogene Daten verarbeitet werden. Dabei verarbeitete Datenkategorien: technische Verbindungsdaten des Serverzugriffs (IP-Adresse, Datum, Uhrzeit, abgefragte Seite, Browser-Informationen), Daten zur Erstellung von Nutzungsstatistiken und Daten über die Nutzung der Website sowie die Protokollierung von Klicks auf einzelne Elemente. Zweck der Verarbeitung: Auslieferung von Inhalten, die von Dritten bereitgestellt werden. Rechtsgrundlage für die Verarbeitung: Ihre Einwilligung nach Art. 6 (1) a DSGVO, Art. 49 DSGVO. Verantwortlicher für die Datenverarbeitung Matterport Inc., 352 E. Java Drive, Sunnyvale, CA 94089, USA. Es gilt die Datenschutzerklärung von Matterport Inc.: https://matterport.com/de/node/44.

Visit page ▸