Robert Bárány (✝︎)

Nobel Prize for Physiology or Medicine 1914

  • Location Uppsala, Sweden
  • Election year 1926

Research

Robert Bárány war ein österreichischer Mediziner und Neurophysiologe. Viele medizinische Untersuchungen im Bereich der Hals-Nase-Ohrenheilkunde tragen noch heute seine Namen, darunter der Bárány-Zeigeversuch. Darüber hinaus wurde mit dem Bárány-Syndrom außerdem ein Krankheitsbild nach ihm benannt. Für seine Forschungen zur Physiologie und Pathologie des Gleichgewichtsorgans erhielt er im Jahr 1914 als erster Österreicher den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

Barany studierte Medizin an der Universität Wien. Nach seiner Promotion im Jahr 1900 ging er zunächst nach Frankfurt am Main, im Anschluss arbeitete er als Assistenzarzt in Heidelberg, wo er sich mit neurologischen Fragestellungen beschäftigte. 1902 zog Bárány wieder in seine Heimatstadt Wien. Ein Jahr später erhielt er dort eine Assistentenstelle an der Otologischen Klinik. Die von dem seinerzeit führenden europäischen Ohrenspezialisten Adam Politzer geführte Einrichtung war damals eine der bedeutendsten Kliniken auf dem Gebiet der Ohrenheilkunde.

Für seine Arbeiten auf diesem Gebiet wurde er im Jahr 1914 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin geehrt. Diese höchste Auszeichnung erreichte Bárány jedoch mit Verspätung: Aufgrund des ersten Weltkriegs konnte man ihm den Preis erst ein Jahr später tatsächlich zuerkennen. Auf die Verleihung musste er schließlich ein weiteres Jahr warten. Denn Bárány befand sich zu dieser Zeit – und das war bis dahin ein einmaliger Vorgang in der Geschichte des Nobelpreises ─ noch in russischer Kriegsgefangenschaft, wo ihn auch die Nachricht von der Verleihung dieser höchsten aller wissenschaftlichen Ehrungen erreichte. Dort, im Kriegsgefangenenlager in Turkistan, arbeitete er als Chirurg. Zugleich ergänzte er in dieser Zeit fortwährend seine otologisch-neurologischen Studien des Gehörapparates.

Aufgrund einer Intervention aus dem schwedischen Königshaus kam Bárány 1916 aus der Kriegsgefangenschaft frei und verließ seine österreichische Heimat schon wenig später in Richtung Schweden, wo er einen Ruf des Otologischen Instituts der Universität Uppsala annahm. Diese Entscheidung wurde offenbar von der Tatsache beeinflusst, dass ihm zumindest einige seiner Kollegen in seiner Heimat Österreich den Nobelpreis aufgrund seiner Jugend sowie seiner ungarisch-jüdischen Wurzeln neideten. Erst nach dem Ende des zweiten Weltkriegs änderte sich auch in Österreich die Sicht auf Bárány. Heute ist in Wien eine Straße nach ihm benannt.

In der Leitung des Otologischen Instituts in Uppsala wirkte er bis zu seinem Lebensende erfolgreich und führte die Klinik zu Weltruhm. Aus seiner Schule gingen renommierte Ärzte hervor, was dazu führte, dass sich die Hals-Nasen-Ohrenheilkunde als eigenständiges medizinisches Fachgebiet profilieren konnte.
Robert Bárány starb am 8. April 1936 in Uppsala.

In der otologischen Klinik in Wien forschte Bárány über die Entstehung des kalorischen Nystagmus – eine Arbeit, die ihm den Nobelpreis einbringen sollte. Den Nystagmus, jene unkontrollierbare Bewegung des Auges, stellte der Mediziner bei Patienten fest, bei denen er Ohrenspülungen vornahm, wofür er üblicherweise kaltes Wasser benutzte. Viele Patienten klagten während der Prozedur über Schwindelgefühle, ein Phänomen, das Bárány aufklären wollte. Also beobachtete er die Augenbewegungen der Patienten während der Behandlung. Im Fortgang stellte er fest, dass der Augen-Nystagmus (eine Art Zittern) unter dem Einfluss von kaltem Wasser in eine andere Richtung wies, als dies bei warmem Wasser der Fall war. Diese Beobachtung legte den Schluss nahe, dass die Temperatur einen Einfluss darauf hat. Báránys Vermutung: Körperwarmes Wasser löst keinen Nystagmus und somit auch keinen Schwindel aus. Seine Experimente bestätigten schließlich diese Folgerung. Jedoch gab er sich nicht mit der bloßen Entdeckung des Phänomens zufrieden. Er kam zu dem Ergebnis, dass die durch das warme beziehungsweise kalte Wasser ausgelöste Temperaturänderung die sogenannte Endolymphe in den Bogengängen des Innenohrs in Bewegung versetzt und dadurch Sinneszellen gereizt werden, was zu einem Bewegungseindruck führt, obwohl der Körper in Ruhe ist. Zur Kompensation des Phänomens treten in den Augen jene unwillkürlichen Bewegungen auf, die beim Menschen ein Schwindelgefühl verursachen. Im Jahr 1907 veröffentlichte Bárány seine Untersuchungen unter dem Titel „Physiologie und Pathologie des Bogengangapparates“. Für diese Arbeiten erhielt er im Jahr 1914 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

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