William P. Murphy (✝︎)

Nobel Prize for Physiology or Medicine 1934

  • Location Cambridge, United States
  • Election year 1934

Research

William Parry Murphy war ein US-amerikanischer Mediziner. Er lieferte Arbeiten über die Auswirkungen von Insulin auf die Zuckerkrankheit. Außerdem erforschte er Erkrankungen des Blutes. Für die Entdeckung einer Lebertherapie gegen Anämien wurde er 1934 gemeinsam mit zwei Landsleuten, den Medizinern George Richards Minot und George Hoyt Whipple, mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.

William Parry Murphy wurde am 6. Februar 1892 als Sohn des Pfarrers Thomas Francis Murphy und seiner Frau Rose Anna Parry in Stoughton, Wisconsin geboren. Er besuchte öffentliche Schulen in Wisconsin und Oregon.
1919 heiratete er Pearl Harriett Adams. Sie war eine Verwandte von US-Präsident John Adams und die erste weibliche Zahnärztin, die in Massachusetts eine Lizenz erhielt. Das Paar bekam die Kinder Priscilla (geb. 1920), die bei einem Flugzeugabsturz im Jahr 1936 ums Leben kam, und William (geb. 1923). William P. Murphy Jr. wurde später ebenfalls ein renommierter Mediziner.
William Parry Murphy starb am 9. Oktober 1987 in Brookline, Massachusetts.

 

William Parry Murphy interessierte sich sehr früh für Medizin. Jedoch reichte sein Geld zunächst nicht, um das Fach zu studieren. Aus diesem Grund arbeitete er nach einem Studium an der University of Oregon in Eugene, das er 1914 mit dem Bachelor-Abschluss beendete, als Lehrer für Mathematik und Physik an verschiedenen Highschools in Oregon.
So konnte er Geld sparen und von 1916 bis 1922 Medizin studieren, zunächst an der Medical School der University of Oregon in Portland, danach an der Rush Medical School in Chicago. Als ihm das Geld ausging, musste er diesen Kurs vorzeitig verlassen. 
Zwischen 1917 und 1918 diente er zwei Jahre bei der US Army. Im Anschluss konnte er sein Medizinstudium an der Harvard University in Cambridge wieder aufnehmen. Möglich wurde das durch ein ungewöhnliches Stipendium, das der Harvard-Absolvent William Stanislaus Murphy für Namensvettern gestiftet hatte. 
Nach dem Abschluss war Murphy zwei Jahre als Weiterbildungsassistent am Rhode Island Hospital in Providence, Rhode Island tätig. Im Anschluss wechselte er an die Harvard University in Cambridge, Massachusetts. Dort nahm er ab 1928 auch Lehraufgaben wahr. 1935 wurde er Associate und 1948 Dozent. Im Jahr 1958 wurde er emeritiert.

 

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten erhielt Murphy zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter den Cameron Prize der University of Edinburgh (1930), Bronze Medal der American Medical Association und First Rank of Decoration-Commander des Order of the White Rose, Finnland (beide 1934), Gold Medal der Massachusetts Humane Society (1935), National Order of Merit, Cuba (1952) sowie den Distinguished Achievement Award der Stadt Boston (1965). Im Jahr 1969 wurde er zudem Ehrenmitglied der International Society for Resesarch on Civilization Diseases and Vital Substances.
Murphy war Mitglied vieler Akademien und wissenschaftlicher Vereinigungen, darunter der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1934), American Society for Clinical Investigation, Association of American Physicians, American Association for the Advancement of Science, American Medical Association, Society of Finnish Physicians for Internal Disease sowie des National Institute of Social Sciences New York.

 

Hauptmerkmal einer Anämie ist die zu geringe Anzahl roter Blutkörperchen. Viele Anämien beruhen auf mangelhafter Aufnahme von Nährstoffen. Eine besonders schwere Form ist die so genannte perniziöse Anämie, bei der der Körper zu wenig Vitamin B12 aufnimmt. Allein in den Vereinigten Staaten starben vor 1926 rund 6.000 Menschen jährlich an dieser Erkrankung, da es bis dato keine wirksame Therapie gab.
Inspiriert von der Arbeit des Mediziners George Whipple, begannen William Parry Murphy und sein Kollege George Richards Minot in Boston an einer Therapie für diese Erkrankung zu arbeiten. Ab 1925 verabreichten sie Anämie-Patienten eine spezielle Diät aus Leber, Bohnen, Fleisch und Gemüse. Dabei wurde deutlich, dass Leber die Bildung roter Blutkörperchen am stärksten befördert. Daraufhin steigerten die beiden Mediziner die Leber-Dosis in der Diät stetig.
Murphy und Minot präsentierten die Ergebnisse ihrer Behandlung von zunächst 45 Patienten erstmals öffentlich auf einem Meeting der American Medical Association in Atlantic City am 4. Mai 1926. Obwohl die Medizinerkollegen anfangs sehr skeptisch waren, zeigte die Diät Wirkung bei der Eindämmung der perniziösen Anämie. 31 der 45 Patienten erlangten später ihre vollständige Gesundheit wieder. Der Erfolg der Behandlung legte die Vermutung nahe, dass nicht – wie bis dahin vermutet – ein von außen zugeführtes Gift das Knochenmark bei der Bildung roter Blutkörperchen behindert, sondern dass dem Organismus ein Stoff zur Herstellung roter Blutkörperchen fehlt. 
Mit dieser Schlussfolgerung setzten Murphy und Minot weitere Forschungen in Gang. So konnte der amerikanische Mediziner William Castle zeigen, dass Leber oder rohes Fleisch im Magen zunächst von einem Enzym zerlegt werden müssen, damit der Organismus anschließend in der Lage ist, rote Blutkörperchen zu produzieren. 1948/49 gelang es zudem, Vitamin B12 zu isolieren, das in der Leber gespeichert wird. Dieses ist dazu geeignet, den Menschen vor perniziöser Anämie zu schützen, und kann heutzutage längst in Tablettenform verabreicht werden.
Für die Arbeiten, die zur Entwicklung einer ersten wirkungsvollen Therapie gegen die perniziöse Anämie führten, wurde William Parry Murphy 1934 gemeinsam mit George Richards Minot und George Hoyt Whipple mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.

 

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