Blaue Milch und Blutregen: Experimentierpraxis in den Lebenswissenschaften um 1800

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Ein Vortrag im Wissenschaftshistorischen Seminar von Prof. Dr. Jutta Schickore (Bloomington, USA)
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In diesem Vortrag geht es um ein seltsames Phänomen, das in den Jahrzehnten um 1800 viel diskutiert wurde, nämlich blaue Flecken, die sich oft auf frischer Milch bildeten, wenn man die Milch nach dem Melken im Vorratsraum stehen ließ. Nach einiger Zeit färbte sich die Milch sogar durch und durch blau. Blau gefleckte oder gar blaue Milch schmeckte schlecht und ließ sich kaum verarbeiten: Sie war weder zum Buttern noch zur Käseherstellung zu gebrauchen. Einige Landwirte erlitten erhebliche finanzielle Einbußen, weil sie das Problem einfach nicht in den Griff bekamen. Was konnte man nur dagegen machen? Man musste irgendwie feststellen, was die blauen Flecken verursachte: Falsches Futter? Eine geheimnisvolle Kuhkrankheit? Die schlechte Luft im Stall? Oder gar Hexerei? Diverse Leute versuchten, der Sache auf den Grund zu gehen. Mediziner, Tierärzte, betroffene Landwirte, Chemiker, sogar Verwaltungsbeamte veröffentlichten Berichte von ihren Beobachtungen und Experimenten. Ab den 1830er Jahren begannen dann auch Laborwissenschaftler an Akademien und Universitäten, sich mit dem Phänomen der blauen Milch zu befassen. Aber alle Bemühungen blieben wenig aufschlussreich.
 
Der Vortrag untersucht, wie und mit welchen Methoden diese Experimentatoren vorgingen, um die Ursachen der blauen Flecken herauszufinden und so etwas gegen das Problem tun zu können. Interessanterweise blieben die Experimentiermethoden vom späten 18. bis zum späten 19. Jahrhundert weitgehend stabil, obwohl sich die Auffassungen darüber, wer als Experte in Sachen blauer Milch in Frage kam und welche Ursachen überhaupt erörterungswürdig waren, grundlegend änderten. Zudem wird auf ein weiteres Beispiel der Experimentierpraxis um 1800 eingegangen, den Blutregen.

Prof. Dr. Rainer Godel und Leopoldina-Mitglied Prof. Dr. Dieter Hoffmann laden Sie herzlich ein.

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Bitte beachten Sie während der Veranstaltung folgende Hinweise:

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  • In der Diskussion kann die Kamera gerne eingeschaltet werden, insbesondere beim Vortragen von Wortmeldungen ist dies gewünscht, damit die Referentinnen und Referenten auch sehen können, wer die Fragen/Anmerkungen stellt.

Weitere Informationen

Aufgrund der aktuellen Situation wird die Veranstaltung ausschließlich online stattfinden. Sie richtet sich an alle Interessierten. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Die Veranstaltung wird online in einem Zoom-Meeting (Meeting-ID: 999 3156 7193) übertragen: https://zoom.us/j/99931567193

Zur Einwahl per Telefon wenden Sie sich bitte an die untenstehende Kontaktadresse.

Kontakt

Prof. Dr. Rainer Godel
Leiter des Zentrums für Wissenschaftsforschung
E-Mail: lzfw(at)leopoldina.org
Tel.: 0345 / 47 239 -118

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