„Do you hear the People sing?“ Macht der Emotionen in Zeiten von Unterdrückung — Das Beispiel China

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Abendvortrag im Rahmen des Themenjahrs der Stadt Halle „Macht der Emotionen“
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Lu Xun, einer der wichtigsten Schriftsteller der chinesischen Moderne, hat einmal gewarnt: „Solange man noch Jammern, Seufzen, Weinen und betteln hört, sollte man nicht allzu besorgt sein. Aber konfrontiert mit kalter Stille muss man aufpassen. Die ist der Vorbote echter Wut.“

Stille Vorboten echter Wut kann man in China immer wieder hören, zuletzt in einer  Komposition des Komponisten Shen Ye  mit dem Titel „Leute, könnt Ihr das hören.“ Der 2022 im Omicron-Lockdown in Shanghai geschriebene Titel erinnert nicht zufällig an „Do you hear the people sing“ – jenem Song aus „Les Miserables“, der zur wichtigsten Hymne der Protestierenden in Hong Kong 2019 wurde und den die Studierenden, die im Frühjahr 2022 gegen den Lockdown an der Peking Universität demonstrierten, dann wieder aufnahmen. Solche Stimmen werden – das haben die Festnahmen der Hong Konger Protestierenden gezeigt – unbarmherzig stillgestellt – und das nicht erst heute: Eine 1979 entstandene Skulptur von Wang Keping mit dem Titel „Chenmo – Versinken (chen) in Stille (mo)” zeigt einen Kopf, dem der Mund geknebelt und das Auge blind geschlagen ist. Auf dass er nicht mehr sehe, spreche, hinterfrage. Sie ist Reflektion der damals gerade vergangenen Kulturrevolution – eine ganz besondere Zeit der Repression – und zugleich Teil jener Bewegung, die im Rahmen der post-maoistischen Reformen eine 5. Modernisierung – nämlich die Demokratie – forderte. Die meisten Protagonistinnen und Protagonisten der Bewegung landeten im Gefängnis oder im Exil. Der Wunsch nach Demokratie ist bis heute nicht erfüllt. Und doch ist die Macht der Emotionen groß. Immer wieder besiegt, auch in Zeiten von Repression, die Wut die Angst – so der Titel der 2020 verfassten Remonstration des mehrfach zu Gefängnisstrafen verurteilten Juristen Xu Zhangrun. Xu beklagt, dass die Regierung immer wieder versuche, wichtige Stimmen zum Schweigen zu bringen, und dass es nur allzu häufig vorkomme, dass die Menschen angesichts der Unterdrückung ihre Stimme verlören. Er ist aber optimistisch, dass es immer noch diejenigen geben werde, die es „wagten, ihre Meinung zu sagen.“

Der Vortrag der Sinologin Barbara Mittler ML vom Centrum für Asienwissenschaften und Transkulturelle Studien (CATS) in Heidelberg handelt von dieser ungebrochenen Macht der gefährlich emotional aufgeladenen Stille(n) in Chinas langer Geschichte.

ML=Mitglied der Leopoldina

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Die Veranstaltung richtet sich an alle fachlich Interessierten. EIne Anmeldung ist nicht erforderlich

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Dr. Sebastian Wetterich
Referent der Abteilung Wissenschaft – Politik – Gesellschaft
E-Mail: sebastian.wetterich(at)leopoldina.org
Tel.: 0345 - 47 239 - 875

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